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Sexsüchtig? Zu viel Sex oder Selbstbefriedigung?

Wenn du einfach gern viel Sex hast (Selbstbefriedigung und Sex mit Partner/-innen) und es dir auch sonst im Leben gut geht, dann bist du sicher nicht sexsüchtig. Denn Süchtige kriegen trotz sehr häufiger sexueller Erregung nie genug und sind nie befriedigt.

Wer die sexuelle Erregung, die Vorfreude und das Nachklingen geniesst, wird nicht süchtig

Es besteht ein grosser Unterschied zwischen Jungen oder Männern, die einfach gern viel Sex haben und solchen, die «sexsüchtig» sind: Diejenigen, die einfach gern viel Sex haben, sind auch zeitweise «sexsatt». Das heisst, sie geniessen auch das Gefühl nach dem Sex – wie den angenehm gefüllten Bauch nach dem Essen. Und sie geniessen die Vorfreude darauf. Viele Jungen und Männer haben ganz einfach Spass an der Selbstbefriedigung und gönnen sie sich. Sie freuen sich darauf und geniessen auch das gute Gefühl danach – die Entspannung und das angenehme «Nachklingen» des Orgasmus. Dadurch sind sie befriedigt – eben: «satt».

Wer ein schlechtes Gewissen hat, kann nicht befriedigt sein…

Manchmal können einem die Vorstellungen, wieviel Sex oder Selbstbefriedigung «richtig» ist, den Genuss daran versauern. Manche Jungen oder Männer denken zum Beispiel, wenn sie oft Selbstbefriedigung machen, haben sie sich nicht im Griff. Vielleicht finden sie auch, dass sie keine Selbstbefriedigung machen dürfen, weil sie eine Freundin haben. Wer sich aber nach dem Sex ein schlechtes Gewissen macht, kann gar nicht befriedigt sein: Er versauert sich mit seinem schlechten Gewissen das gute Erlebnis und die guten Gefühle, die er während der Selbstbefriedigung hatte.

…wer nicht befriedigt ist, will vielleicht deshalb mehr

Und weil ein Mann, der sich den Sex oder die Selbstbefriedigung nicht gönnt, nie Befriedigung darin findet, kann es passieren, dass er immer mehr will: Er ist nie «sexsatt» sondern bleibt «hungrig». Während der sexuellen Erregung geht es ihm kurz besser – weil er dann Angenehmes im Körper spürt und heisse Gedanken, Bilder und Fantasien hat. Und darum ist es eigentlich logisch, dass seine Versuche, es sich zu verbieten, erfolglos sind. Statt Vorfreude verspürt er einen unangenehmen Drang, dem er irgendwann nachgeben «muss». Falls das bei dir so ist, frag dich, warum du von allen Männern kein Recht auf sexuelle Erregung haben solltest. Deine Sexualität ist ein Teil von dir – warum solltest du sie dir verbieten?

Wer nicht genug kriegt, geniesst möglicherweise nicht so richtig

Es kann sein, dass ein Junge oder Mann einfach noch nicht gelernt hat, den Sex zu geniessen. Er möchte das aber gern und hört darum nicht auf, es zu probieren. Männer und Jungen verwenden dazu aber oft Mittel, die Genuss gar nicht so richtig möglich machen. Zum Beispiel den schnellen Wechsel von Pornoseiten auf dem PC. Sie sitzen kauernd vor dem Bildschirm und konzentrieren sich auf das, was sie sehen. Dabei vergessen sie, ihren Penis – und überhaupt den ganzen Körper – so richtig zu spüren. So können sie die Selbstbefriedigung gar nicht richtig geniessen und werden nie befriedigt oder «satt». Es ist auch nicht gut möglich, sich dabei im Körper so richtig männlich zu fühlen. Wenn das bei dir so ist, lies bitte unsere Tipps zur Selbstbefriedigung. Interessante Dinge wirst du sicher auch erleben, wenn du diese Übungen machst. Wichtig ist dabei folgendes:

Besser als einfach nur verbieten ist dazuzulernen

Wenn man sich einfach nur sagt «Ich darf nicht», und sich z.B. die Selbstbefriedigung vor dem Bildschirm verbietet, dann hält man das möglicherweise nicht lange durch. Denn da ist jetzt ein Loch, wo vorher etwas war. Das Loch muss man allmählich mit etwas Neuem füllen. Am besten, du lernst ganz allmählich, deinen Körper besser zu spüren und bei der Selbstbefriedigung Techniken einzusetzen, die mehr Genuss und ein besseres Männlichkeitsgefühl erzeugen. Alle Übungen zur Sexualität auf Lilli helfen dir dabei, zum Beispiel unsere Tipps zur Selbstbefriedigung. Es wird etwas Geduld und viel Übung brauchen, bis du das neu Gelernte wirklich als genussvoll und befriedigend erlebst. Du könntest dir daher z.B. vornehmen, jedes zweite Mal nicht vor dem Bildschirm zu masturbieren, sondern unsere Tipps zur Selbstbefriedigug zu befolgen. So gewöhnst du dir ganz allmählich neue Techniken der Selbstbefriedigung an und «brauchst» die Pornos immer weniger.

Sex eignet sich auf die Dauer nicht zur Befriedigung anderer Bedürfnisse

Oft werden sexuelle Erregung und Entladung auch dafür eingesetzt, Stress oder Frust abzubauen oder andere Löcher zu füllen, die nichts mit Sex zu tun haben. Das kann höchstens kurzfristig mal klappen. Aber dauerhaft sicher nicht: Das ist, wie wenn man hungrig ist und ständig schlafen geht, um satt zu werden. Wer hungrig ist, muss essen, nicht schlafen, sonst wird der Hunger immer stärker. Wenn du merkst, dass die Selbstbefriedigung bei dir so etwas wie eine Flucht vor dem Alltag oder vor unangenehmen Dingen oder vor schlechten Gefühlen ist, dann ist es gut, wenn du dir genau überlegst, was es eigentlich ist, das dich stresst. Und was du wirklich brauchst. Wichtig ist, dass du lernst, das zu kriegen, was du brauchst. Dabei hilft es dir, wenn du daran arbeitest, dass du stark und selbstsicher wirst.

Manchmal gönnt man sich am besten fachliche Hilfe

Vielleicht leidest du schon längere Zeit sehr, weil du die Sexualität suchtartig erlebst und trotz stundenlanger sexueller Erregung nie genug hast. Vielleicht vernachlässigst du deshalb die Arbeit oder Ausbildung, wichtige Menschen und Dinge, die du früher gern gemacht hast. Dann könntest du dir überlegen, eine Sexualtherapie zu machen und dich von einer Fachperson beim Lernen einer genussvolleren Sexualität unterstützen zu lassen.


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