Was passiert bei der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung?
Was passiert bei der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung?
Zunächst wird man dich bitten, im WC etwas Urin in einen Becher zu geben. Anschliessend wirst du im Labor gebeten, auf eine Wage zu steigen, und man wird deine Grösse messen. Ausserdem misst man den Blutdruck. Möglicherweise nimmt man von einem Finger etwas Blut. Das Blut wird auf eine Eisenmangelanämie hin untersucht, der Urin auf Harnwegsinfekte, Blasen- oder Nierenprobleme.
Danach wirst du wahrscheinlich wieder ins Wartezimmer gebeten, und die Ärztin wird dich irgendwann begrüssen. Zunächst gibt es ein kurzes Gespräch; die Ärztin fragt dich über deinen Menstruationszyklus und deine Periode, sie fragt dich vermutlich ob du Beschwerden hast und ob du Fragen zur Verhütung oder zur Sexualität hast, und ihr werdet über die Laborresultate reden. Es ist gut möglich, dass bei der allerersten Vorsorgeuntersuchung nur ein Gespräch stattfindet, keine Untersuchung.
Die gynäkologische Untersuchung findet auf dem Untersuchungsstuhl statt. Wenn du das erste Mal zur Frauenärztin gehst, lass dir erklären, um was es bei der Untersuchung geht. Zudem sollte sie dir während der Untersuchung immer sagen, was sie gerade tut. Wenn du willst, bitte deine Ärztin, dir einem kleinen Spiegel zu geben oder bring selbst einen Taschenspiegel zur Untersuchung mit.
Die Gynäkologin wird dich bitten, Hose oder Jupe und Unterhose auszuziehen, und sie wird dir Zeit lassen, dich auf dem Untersuchungsstuhl bequem einzurichten und zu entspannen. Üblicherweise sieht sich die Ärztin zuerst an, ob das äussere Geschlecht gesund ist – also die Vulva mit Klitoris, äusseren und inneren Lippen, Harnröhrenmündung, Scheideneingang, Jungfernhäutchen, Damm und After. Du kannst die Untersuchung mit dem Handspiegel verfolgen.
Danach führt die Ärztin ein Spekulum in die Scheide ein. Das Spekulum sieht aus wie ein Entenschnabel und besteht aus zwei Löffeln (oder Branchen), die die Ärztin spreizen kann. Es gibt verschiedene Grössen, je nach Grösse der Scheide. Die Ärztin führt das Spekulum mit geschlossenen Branchen ein. Es ist vorgewärmt und mit Gleitmittel bestrichen. In der Scheide spreizt sie die Branchen. So werden der Gebärmutterhals und die Scheidenwände sichtbar und untersuchbar. Du spürst das Spreizen als leichten Druck in der Scheide. Vielleicht ist der Druck für dich ungewohnt, aber unangenehm sollte er nicht sein. Wenn du möchtest, frag, ob du das Spekulum selbst einfügen kannst. Mit dem Taschenspiegel kannst du die anschliessende Untersuchung mitverfolgen und selbst in die Scheide hineinsehen – bis hin zum Gebärmutterhals.
Mit dem Wattetupfer entnimmt die Ärztin ein bisschen Scheidenflüssigkeit, die sie anschliessend unter dem Mikroskop auf Entzündungserreger untersucht. Die Ärztin schabt zudem ein wenig Gewebe vom Gebärmutterhals ab für den Zellabstrich (PAP-Abstrich, Krebsabstrich, PAP-Test). Dieser wird anschliessend in einem Labor nach Veränderungen in der Zellstruktur untersucht. Das ist wichtig für die Vorsorge von Gebärmutterhalskrebs. Denn wenn solche Veränderungen in einem frühen Stadium erkannt werden, können sie behandelt werden, bevor etwas Schlimmeres daraus entsteht. Manche Frauen erleben auch den Abstrich als ganz kurzes unangenehmes Gefühl im Gebärmutterhals, andere spüren ihn kaum oder gar nicht.
Nach Entnahme des Abstrichs betupft die Ärztin die Oberfläche des Gebärmutterhalses um den Muttermund herum mit verdünnter Essiglösung oder Jod. Das kann kurz ein bisschen brennen, muss aber nicht. Mit der Flüssigkeit werden mögliche Zellveränderungen sichtbar gemacht. Die Ärztin schaut sich den Gebärmutterhals durch das Kolposkop, ein spezielles Mikroskop, sehr genau an. Das nennt man Kolposkopie. Das Kolposkop platziert die Ärztin vor dem Scheideneingang, führt es also nicht in die Scheide ein. Danach schliesst sie die Branchen des Spekulum und entfernt es wieder aus der Scheide.
Nach Entfernung des Spekulums tastet die Frauenärztin mit einem oder zwei Fingern in der Scheide und zugleich der anderen Hand auf dem Unterbauch nach der Gebärmutter und den Eierstöcken. So beurteilt sie die Grösse, Beweglichkeit, Lage und Oberfläche der Gebärmutter und schaut, ob die Eierstöcke Zysten haben; diese fallen ab einer gewissen Grösse beim Tasten auf. Auch bei dieser Tastuntersuchung ist es gut, wenn du dich entspannst, denn so können diese Organe besser gespürt werden. Manchmal ist auch ein Abtasten des Afters sinnvoll. Wenn die Ärztin irgend etwas Unklares oder Auffälliges getastet hat, führt sie zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung durch. Bei dieser wird eine dünne Sonde in die Scheide eingeführt. Diese Untersuchung verursacht manchmal etwas Druck an verschiedenen Stellen in der Scheide, sollte aber auch nicht schmerzhaft sein.
Zur Vorsorge von Brustkrebs tastet die Ärztin schliesslich auch deine Brüste und Achselhöhlen ab. Anschliessend gibt es noch ein kurzes Gespräch.
Die körperliche Untersuchung dauert etwa 10-15 Minuten, das Vor- und das Nachgespräch etwa 30 Minuten, dazu kommen noch 5 bis 10 Minuten im Labor. Es ist also gut, wenn du für den Besuch der Ärztin etwa eine Stunde Zeit einberechnest.
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