Hallo Lili
Ich habe eine etwas kompliziertere Frage. Wie kann die Depression der Mutter die Tochter prägen? Hat die Tochter ein erhöhtes Risiko selbst eine Depression zu entwickeln? Was sind Schutzfaktoren, was sind Belastungsfaktoren?
Danke für eure Hilfe!
Unsere Antwort
Ja, Kinder von Eltern mit Depressionen haben ein erhöhtes Risiko selbst an Depressionen zu erkranken. Es wird vermutet, dass es auch eine gewisse genetische Veranlagung für Depressionen gibt, allerdings ist das allein nicht der Grund. Wenn ein Elternteil Depressionen hat, kann sich das in vielerlei Hinsicht auf Kinder auswirken. Die Erziehungskompetenz ist durch die Erkrankung meist geringer, was bedeutet, dass Kinder oft weniger Unterstützung und mehr Konflikte oder andere negative Ereignisse erleben. Auch typisch depressive Denkmuster wie „Ich bin wertlos" können an Kinder weitergegeben werden, wenn der Elternteil sie wiederholt äußert oder durch Verhalten zeigt. Grundsätzlich orientieren sich insbesondere jüngere Kinder sehr am Verhalten der Eltern. Wenn der Elternteil also depressiv ist, ist es auch für das Kind schwerer, einen guten Umgang mit Emotionen zu lernen oder zu lernen, wie man gut für sich sorgt.
Besondere Risikofaktoren sind ein jüngeres Alter des Kindes, ein niedriger sozioökonomischer Status und natürlich auch der Schweregrad der Erkrankung. Auch wie mit der Depression umgegangen wird, spielt eine große Rolle. Man sollte vermeiden, dass es zu einer sogenannten Parentifizierung kommt, bei der das Kind die Aufgaben der Eltern übernimmt und sich quasi um die Eltern kümmert statt andersherum. Schützen kann daher, wenn der Elternteil anerkennt, dass er erkrankt ist und sich entsprechende Hilfe holt. Dem Kind sollte, falls es alt genug ist, erklärt werden, was eine Depression ist, um zu vermeiden, dass es sich selbst die Schuld gibt.
Gute Kommunikation mit dem Kind und Unterstützung bei der Bewältigung der Situation sind enorm wichtig. Dabei hilft idealerweise der zweite Elternteil oder eine andere enge Bezugsperson. Generell ist soziale Unterstützung für Eltern und Kind ein großer Schutzfaktor. Für Kinder kann es sehr überfordernd sein, wenn sie sich mit dieser Situation allein fühlen. Sie proaktiv und frühzeitig zu unterstützen, kann sehr viel abfedern.
Sehr viele Kinder, die depressive Eltern hatten, entwickeln später keine Depressionen. Es ist also nicht vorprogrammiert oder unausweichlich. Wichtig ist eine gute psychosoziale Unterstützung von Eltern und Kind und natürlich eine möglichst frühzeitige und effektive Behandlung der Depression. Falls dich das persönlich betrifft, empfehle ich dir sehr, dich an eine Familienberatungsstelle zu wenden. Oder natürlich eine psychologische Beratung oder Therapie aufzusuchen, falls das deine Vergangenheit betrifft.
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