Frage Nr. 41574 von 23.07.2026
Hallo, ich bin das Mädchen aus der Frage 41495. Seit meinem damaligen Gefühlsausbruch sind einige Tage vergangen, und jetzt habe ich das Bedürfnis zu sagen, dass ich sehr widersprüchliche Gefühle habe. Während mein Ich von vor ein paar Tagen einfach nur einen Moment der Ruhe in Einsamkeit gesucht hat, überkommt mich jetzt ein Gefühl der Traurigkeit, das mich jeden Abend zum Weinen bringt, weil ich Angst habe, allein zu bleiben.
In letzter Zeit habe ich angefangen, mir viele Fragen zu stellen und vor allem über mein Verhalten und das der anderen nachzudenken. Ich bin nun schon vor 12 Jahren aus Italien ausgewandert, was dazu geführt hat, dass ich mich vom familiären Umfeld (Großeltern, Tanten, Onkel, Cousins usw.) entfernen musste. Während ich mich mit meinen Eltern und meinen Freunden wohlfühle, habe ich mich beim Rest der Familie fehl am Platz gefühlt – und tue es auch heute noch. Seit ich weggegangen bin (ich war damals 7 Jahre alt), habe ich mich immer weiter von diesen Menschen entfernt, und vielleicht sie sich auch von mir. Die Erinnerungen aus meiner Kindheit hinterlassen bei mir nur vage Spuren, ich weiß nicht mehr, wie sie mich damals behandelt haben. Ich weiß nur, dass sie ab meinem elften Lebensjahr begonnen haben, mich mit anderen Augen anzusehen. Jedes Mal, wenn ich sie besuchte, war es, als liefe ich durch einen Scanner. Sie starrten meinen Körper an, der sich in dieser Entwicklungsphase verständlicherweise ständig veränderte, und sie beobachteten auch die Entwicklung meiner Persönlichkeit.
Das Problem ist, dass ich schon immer ein sehr sensibler Mensch war und jede Kritik oder jeden Kommentar mit einer zehnmal höheren Intensität aufgenommen habe als ein normaler Mensch. Ich habe sogar allein an den Blicken der Leute gemerkt, wenn etwas nicht stimmte. Das bedeutet, dass ich mich in dieser Zeit, mit 11 Jahren, zutiefst unwohl fühlte, wenn ich durch diesen Scanner lief. Sie machten Kommentare über mich, und ich reagierte in keiner Weise, außer dass ich alles aufsaugte und tagelang und wochenlang über diese Worte nachgrübelte, um sie zu verstehen und zu verarbeiten. Die Kommentare waren positiv, was meine schulischen Leistungen betraf, aber negativ in allem anderen.
Zum Beispiel hatte ich schon immer eine etwas kräftigere Statur (leichtes Übergewicht), und sie gaben mir das so sehr zu spüren, dass ich in Tränen ausbrach (allerdings nie vor ihnen). Aus irgendeinem Grund brachte ich in ihrer Gegenwart dann auch kein Wort mehr heraus: Mein Mund schloss sich instinktiv. Ich setzte mich in eine Ecke und hörte stundenlang zu, ohne den Mund aufzumachen. Als eine Tante dieses Verhalten sah, sagte sie einmal zu meiner Mutter (während ich daneben saß und zuhörte), dass ich vielleicht depressiv sei und mich von einem Spezialisten untersuchen lassen sollte.
Kurz gesagt, ihr Verhalten hat mir nie gefallen, weil sie zu aufdringlich waren; ihre Kommentare, die meiner Meinung nach viel zu heftig formuliert waren, verletzten mich und machten mich wütend. Diese Situation zog sich über Jahre hinweg, und eine besonders wichtige Rolle spielte dabei eine meiner Tanten. Ich weiß noch, dass ich als kleines Kind gerne Zeit mit ihr verbracht und mit ihr gespielt habe. Im Laufe der Jahre jedoch, besonders seit sie ein Kind bekommen hat, scheint sie mir immer egoistischer und egozentrischer geworden zu sein. Die ganze Welt muss sich um sie und ihre Familie drehen. Manchmal kritisiert sie meine Mutter dafür, wie sie uns erzogen hat, und sagt, dass sie es bei ihrem Sohn anders mache. Wenn wir abends per Video mit den Großeltern telefonieren, muss sie immer zeigen oder erzählen, was ihr Sohn an dem Tag Tolles gemacht hat. Wenn hingegen ich erzähle, gibt es keinerlei Reaktion, alle bleiben stumm und niemand scheint sich besonders dafür zu interessieren. Das Gleiche passiert, wenn wir uns persönlich sehen: Ich werde nie beachtet, ja oft werde ich sogar von Witzen oder bestimmten Aktivitäten ausgeschlossen.
Ich habe viel über diese Situation nachgedacht, und ehrlich gesagt empfinde ich nur Wut, Traurigkeit und Angst. Wut über das Verhalten meiner Verwandten, Traurigkeit, weil ich mich falsch fühle und mir wünsche, wie die anderen behandelt zu werden, und Angst, weil ich mich im Moment so allein fühle.
Ich wünschte mir so sehr jemanden an meiner Seite, der mir sagt, dass mit mir alles in Ordnung ist und dass das Problem nicht bei mir liegt. Ich wünschte mir jemanden, der mir die Gewissheit gibt, für mich da zu sein, egal was passiert. Ich habe zwar meine Freunde und meine Eltern, ja, aber mit ihnen kann ich über diese Dinge nicht reden, oder wenn ich es versuche, verstehen sie meinen Standpunkt nicht richtig. Ich wünschte mir jemanden, der mit mir gemeinsam nachdenkt und mir ein wenig Last von den Schultern nimmt.
Zudem bringt mich mein Gedankenkarussell oft dazu, zu glauben, dass das Problem bei mir liegt und dass ich ein schlechter Mensch bin, der dazu bestimmt ist, für immer allein zu bleiben. Das liegt auch an meiner Reaktion auf bestimmte Verhaltensweisen: Während ich das Verhalten meiner Familie die meiste Zeit ignoriere, platze ich ab und zu mit Kommentaren heraus, von denen ich weiß, dass sie Menschen verletzen, die ich aber wegen der vielen angestauten Wut nicht zurückhalten kann.
Ein weiterer Moment, den ich als schwierig empfunden habe, war, als ich derselben Tante erzählte, an welche Universität ich gehen würde. Sie sagte mir, dass das nicht gut sei und es besser wäre, einen anderen Fachbereich zu wählen. Als ich ihr dann sagte, dass ich Übersetzerin werden möchte, antwortete sie, dass ich für diesen Beruf nicht geeignet sei. Ich zählte andere Optionen auf, und sie lehnte sie alle ab (und schlug sogar vor, das Studienfach zu wechseln). Sie hält mich in allem für unfähig. Das hat mir sehr wehgetan, vor allem weil ich in dieser Zeit ohnehin schon sehr unsicher bezüglich meiner Wahl war, und solche Worte zu hören, hat mir sicherlich nicht geholfen. Aus diesem Grund habe ich beschlossen, jegliche Informationen über die Universität und meine akademische Ausbildung zu verschweigen.
Ich habe große Angst davor, allein zu bleiben, ein schlechter Mensch zu sein, ohne es zu merken, und diese Momente, in denen ich mich einsam fühle, abgewechselt von denen, in denen ich allein sein möchte, verwirren mich sehr. Ich hoffe, ihr versteht, wie ich mich fühle und was mein Problem ist. Ich entschuldige mich, falls die Nachricht etwas chaotisch wirkt, aber im Moment habe ich so ein Durcheinander im Kopf, dass ich es alleine nicht schaffe, Ordnung hineinzubringen. Vielen Dank für eure Antworten!
Unsere Antwort
Keine Sorge, ich finde deine Nachricht weder chaotisch noch anstrengend. Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Genau für Menschen wie dich wollen wir mit unserer anonymen Onlineberatung ein Ort sein, wo Unterstützung möglich ist. Selbst, oder gerade dann, wenn du allein nicht weiter weißt.
Da scheint dich offensichtlich etwas sehr zu berühren. Ich finde es okay, dass du traurig bist und es in dir widersprüchliche Gefühle gibt. Einerseits möchtest du dich für Alleinsein entscheiden, du möchtest aber nicht einsam sein. Vielleicht hilft es dir, in eine Richtung zu denken, wo beides vereinbar ist. Kannst du dir vorstellen, dass es bei anderen Menschen auch beides gibt?
Du beschreibst sehr feine Antennen für die Stimmungen und Reaktionen anderer. Das ist bei dir begleitet von einem sehr unangenehmen Gefühl, bewertet zu werden. Ich finde es sehr schade, zu lesen, dass du außer zu deinen schulischen Leistungen keine positiven Rückmeldungen bekommen hast. Insgesamt klingen die Erlebnisse in deiner Familie wirklich unangenehm. Ich kann verstehen, dass du dich dort nicht wohlfühlst.
Ich finde es schön, zu lesen, wie du heute auf die Situationen blickst. Du erkennst deine Gefühle an. Das ist wichtig. Du bemerkst auch deutlich, was du dir stattdessen wünschst.
Ich lese deine Zeilen: "Ich wünschte mir so sehr jemanden an meiner Seite, der mir sagt, dass mit mir alles in Ordnung ist und dass das Problem nicht bei mir liegt. Ich wünschte mir jemanden, der mir die Gewissheit gibt, für mich da zu sein, egal was passiert. Ich habe zwar meine Freunde und meine Eltern, ja, aber mit ihnen kann ich über diese Dinge nicht reden, oder wenn ich es versuche, verstehen sie meinen Standpunkt nicht richtig. Ich wünschte mir jemanden, der mit mir gemeinsam nachdenkt und mir ein wenig Last von den Schultern nimmt." Da kommt bei mir der Gedanke an eine psychotherapeutische Begleitung auf. Hast du darüber selbst auch schon mal nachgedacht?
Du hast dich ja bereits an uns gewendet und das finde ich einen mutigen Schritt. Du kannst dir auch weiterhin Unterstützung von uns holen, wenn du das möchtest. Für deine klar formulierten Wünsche stelle ich mir vor, dass es eine Person braucht, die mit dir im gleichen Raum ist. Es gibt solche Begleitungen aber in ganz verschiedenen Formaten. Schriftlich - so wie bei uns. Telefonisch - zum Beispiel bei der Telefonseelsorge. Per Video oder in echt. Hier findest du Anlaufstellen. Du kannst auch nach Psychotherapiepraxen in deiner Nähe schauen. Was fühlt sich für dich stimmig an?
Ich hoffe, ich kann dir mit diesen Anregungen etwas weiterhelfen. Falls du den Eindruck hast, dass ich etwas nicht verstehe, melde es mir gerne zurück. Ich bin interessiert daran, zu verstehen, wie ich dir helfen kann.
Unser Fragefenster macht nun Sommerpause. Deshalb kannst du uns erst danach wieder schreiben. Das kannst du gerne tun. Ich bin gespannt, zu erfahren, wie es bei dir weitergeht. Gib dann bitte die Nummer dieser Frage an.
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Frage Nr. 41569 von 21.07.2026
Ich habe folgendes Problem: Wenn zwei Personen sich kennen und ich die beiden auch kenne habe ich Angst, dass sie über mich reden oder gegen mich sein könnten. Ich habe die Theorie, dass diese Gedanken nach dem
Mobbing entstanden sind, jedoch erst als das Mobbing vorbei war. Was kann ich da tun?
Unsere Antwort
Es ist sehr häufig so, dass Symptome erst auftreten, wenn die Gefahrensituation vorbei ist. So lange du damit rechnen musst, den mobbenden Personen zu begegnen, steht dein Körper unter Stress. Du bleibst auf die Mobbingsituation fokussiert und sorgst für dein Überleben.
Dann hört das Mobbing auf. Allerdings hast du den Stress, der sich für deinen Schutz eingesetzt hat, sehr gut eingeübt. Er liegt jetzt sozusagen auf der Lauer und sucht nach Triggern. Zudem bist du als Opfer von Mobbing sicher auch misstrauischer geworden. Wenn du jetzt zwei Bekannte miteinander reden siehst, wirkt das wie ein Trigger. Die Erinnerungen tauchen als Stresssymptome auf und dein Misstrauen sagt: «die reden über mich!» Die meisten Personen, die du kennst, werden nicht über dich reden. Manche vielleicht schon, was ja eigentlich ganz egal ist, oder?
Wir raten dir, Selbstberuhigung zu üben. Schliesslich geht es jetzt darum, dass du dem leicht zu triggernden Stress klar machst, dass er alles richtig gemacht hat. Jetzt könnte er aber verstehen, dass er nur zum Überleben von Gefahren gebraucht wird. Wenn die Gefahr vorbei ist, arbeiten die Stresshormone mit anderen Bereichen des autonomen Nervensystems zusammen. Dann machen sie dich leistungsfähig, gewährleisten deine Konzentrationsfähigkeit und machen die auch emotionale belastbar. Als Unterstützung könntest du unsere Infotexte «Wie kriege ich mein Nervensystem in den Griff?» und «Wie beruhige ich mich selbst?»
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Frage Nr. 41562 von 20.07.2026
Ich habe Mist gebaut. Ich habe eine Behinderung und habe einen Antrag für Assistenz eingereicht. Habe keine Betreuung deshalb kann ich es selbst entscheiden. Meine Eltern wissen das ich darüber nachgedacht habe aber habe gesagt ich mache es nicht das ist das eine Problem.
Das andere Problem ist das ich Brust Dysporie habe. Name nach selbstbestimmungsgesetz in Deutschland geändert in gestrichener eintrag. Psychiater wollte mir nicht helfen bei Gutachten war bei Hausarzt der wollte Adressen geben. Hat Stattdessen Termin in Klinik ausgemacht in halben Jahr wo ich ein Gutachten mitbringen soll. Weiß nichtmal wofür. Möchte nur Mastektomie und keine Hormone. Was soll ich tun. Meine Eltern wissen von neuen Name unterstützen das überfordert mit Mastektomie Wunsch. Aber nicht von Arzt. Bin ratlos.
Unsere Antwort
Wie wäre es, wenn du deinen Eltern davon erzählst, dass du einen Antrag für Assistenz eingereicht hast? Du schreibst selbst, dass du das selbst entscheiden darfst und darin möchte ich dich bestärken. Es ist okay, deine Meinung zu ändern. Du kannst das deinen Eltern erklären und ihnen deine Gründe nennen. Oder möchtest du es vor deinen Eltern geheim halten?
Bezüglich der Mastektomie scheinst du noch einige Fragen zu haben. Wofür ist das Gutachten? Was passiert bei dem Termin in der Klinik? Aus meiner Sicht wäre dein Anliegen bei einer Beratungsstelle für trans* Personen gut aufgehoben. In dieser Liste findest du entsprechende Adressen. Die Berater*innen kennen sich sehr gut aus mit den Abläufen rund um eine Mastektomie. Sie wissen auch Bescheid über entsprechende erforderliche Gutachten und können dir möglicherweise auch sagen, wohin du dich dafür wenden kannst.
Ich empfehle dir sehr, deine Unsicherheiten direkt zu besprechen. Also wenn dir unklar ist, weshalb der Hausarzt etwas tut, frag am besten direkt nach und falls es dir erst später einfällt, dann melde dich noch einmal dort.
Es klingt für mich auch so, als wäre es gut für dich, weitere Ansprechpersonen zu haben neben deinen Eltern. Wer könnte das sein?
Unser Fragefenster macht jetzt Sommerpause. Gerne sind wir nach der Sommerpause wieder für deine Anliegen da.
Diese Antwort gilt auch für die Fragen 41560 und 41561.
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Frage Nr. 41545 von 19.07.2026
Weshalb wurde in der ICD-11 der Grad der Einsicht in die Unsinnigkeit von Zwängen als Spezifier eingeführt (6B20)?
Im ICD-10 musste die Einsicht nämlich zwingend vorhanden sein damit die Diagnose gestellt werden konnte.
Erfahrungsgemäß vermute ich das es dadurch einige Fehldiagnosen gab.
Unsere Antwort
Die Änderung von Diagnosen im ICD ist nicht unser Spezialgebiet.
So wie ich das verstehe, ist der Grund für diese Änderung eine vorsichtigere und genauere Unterscheidung zwischen Zwangsstörung und Psychose. Lies doch bitte in diesem Text nach.
Außerdem beschreibt ocdland die Änderung als hilfreich für die Behandlung mit kognitiver Verhaltenstherapie.
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Frage Nr. 41537 von 18.07.2026
Hallo, ich bin eine Frau Ende 30 und habe eine Frage dazu, wie ich besser reagieren kann, wenn jemand meine Grenzen überschreitet. Ich habe bei mir Folgendes bemerkt: Wenn jemand meine Grenzen überschreitet, nehme ich das häufig entweder erst mit Verzögerung wahr, reagiere erst später darauf oder manchmal gar nicht.
Ein Beispiel: Ich war auf einer Veranstaltung und habe in einer Runde von meiner Trennung erzählt. Später kam ein Mann (den ich zwar kenne, aber mit dem ich nicht besonders vertraut bin) noch einmal auf mich zu und sprach mich darauf an. Er wollte mir tröstende Worte sagen, obwohl ich in dem Moment weder traurig war noch nach Trost gefragt hatte. Während des Gesprächs legte er seine Hand auf meine Schulter.
Für mein Empfinden wäre – wenn überhaupt – ein kurzes Auflegen der Hand völlig ausreichend gewesen. Er ließ seine Hand jedoch während des gesamten Gesprächs auf meiner Schulter. Ich hatte die ganze Zeit ein ambivalentes Gefühl: Einerseits mag ich Körperkontakt und die Wärme eines anderen Menschen. Andererseits habe ich deutlich gespürt, dass seine Hand viel zu lange dort blieb und sich Druck und Wärme zunehmend zu intim und unangenehm anfühlten.
Zwischen diesen beiden Empfindungen bin ich innerlich hin- und hergependelt. Ich konnte weder in dem Moment noch danach sagen: „Bitte frag mich vorher, bevor du mich berührst“ oder „Mir ist der Körperkontakt gerade zu viel.“ Ich konnte mich auch nicht einfach lösen und habe stattdessen weitergeredet. Es fühlte sich an, als wäre meine Reaktion wie eingefroren oder für mich nicht zugänglich.
Immerhin habe ich schon währenddessen beziehungsweise kurz danach gemerkt, dass mir sein Verhalten nicht gefallen hat. Es hat sich angefühlt, als wäre mein Körper gleichzeitig mit zu vielen Dingen beschäftigt gewesen: das Gespräch führen, die Situation einschätzen, in mich hineinspüren, wie sich die Berührung anfühlt – und gleichzeitig nicht handlungsfähig sein.
Wie kann ich trainieren, in solchen Situationen unmittelbarer zu reagieren und auszusprechen, wenn mir etwas nicht passt, damit ich meine Grenzen besser wahren kann?
Ich habe Ähnliches auch in vielen anderen Situationen erlebt: Oft merke ich erst Stunden oder sogar Tage später, dass etwas für mich nicht stimmig war oder dass mich jemand verletzt hat. Falls mein Beispiel nicht ausreicht, kann ich gern noch weitere Situationen schildern.
Danke für eure Antworten!
Unsere Antwort
Du beobachtest dich gut und hast ein Muster in deinem Verhalten entdeckt. Das ist gut. Jetzt kannst du den Ablauf in Ruhe studieren. Du magst Körperkontakt. Auch das ist gut. Darum dürfen dir Menschen nahe kommen. Du merkst aber auch, dass du selbst den Kontakt wünschen musst, wenn es sich gut anfühlen soll. Der Mann ist seinen Bedürfnissen gefolgt. Und er hat dich nicht gefragt. Schon kommt in dir Abwehr-Gedanken hoch: ‚zu intim‘ ‚zu lange’ ‚zu warm‘ etc. Wie ist das jetzt bei dir? Gehen nur deine Gedanken einen Schritt zurück und wünschen die Hand weg? Oder könnte dein Körper mitgehen? Wenn du in einer unangenehmen Situation Abwehr-Gedanken hast, aber mit dem Körper nicht Ausweichen reagierst, ist es doch eigentlich logisch, dass du dich wie eingefroren fühlst. Du kannst weder vor noch zurück. Mit so einem eingefrorenen Körper fehlen dir logischerweise auch die richtigen Wörter.
Du nimmst deine Befinden, Bedürfnisse und deine Grenzen sehr gut wahr. Du hast aber wohl gelernt, nicht mit einer Bewegung zu reagieren. Du könntest jetzt die Eigenbewegung trainieren. Beobachte mal in allen Situationen in der nächsten Zeit, welche Impuls dir dein Körper zeigt. Möchte er eher näher an die andere Person heran? Oder stehst du gern neben der Person und möchtest da bleiben? Oder brauchst du mehr Abstand? Gib dem Impuls mal soweit nach, wie du es dir zutraust. Zunächst werden dir solche regulierenden Bewegungen vielleicht fremd vorkommen. Vielleicht findest du sie auch ungehörig. Wir ermutigen dich, diese Regulierungen so lange zu üben, bis sie dir normal vorkommen. Du wirst merken: wenn du deine inneren Impulse ernst nimmst, kannst du einen Teil der Regulierung selbst übernehmen. Das macht selbstsicher. Und wenn jemand immer nachrückt, wenn du etwas zurück gehst oder dir mit der Hand auf deine Schulter folgt, wenn du sie wegziehst, fallen dir mit der Zeit auch die richtigen Abgrenzungs-Wörter ein.
Du könntest auch noch studieren, wie du das Einfrieren und Aushalten gelernt hast.
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Frage Nr. 41509 von 10.07.2026
Ich weiß inzwischen, das ich Afantasie habe, sie bezieht sich auf ALLE Sinne und ich kann mir auch nicht vorstellen, wie ich im Körper etwas wahrnehmen soll (keine - geringe Interozeption) eventuell auf Grund einer Neurodiversität (Alexithymie - Autismus)
Gibt es irgendwo Literatur oder Therapeuten, die helfen könnten?
Unsere Antwort
Hast du dich schon auf auf aphantasie.org umgeschaut? In Bonn (D) beschäftigt sich Merlin Monzel intensiv mit dem Thema. Eine Therapie wurde wohl noch nicht entwickelt, weil Afantasie nicht als Krankheit angesehen wird. Wenn du nach Psychotherapeut*innen suchst, müssten diese bereit sind, ihre therapeutischen Methoden deinen ganz speziellen Bedürfnissen anzupassen. Sowohl Gespräche wie auch Interventionen dürften nicht auf inneren Vorstellungen basieren.
Überlege mal selbst wie bei dir Erinnerung funktioniert. Brauchst du Gespräche, die auf Logik basieren? Hilft dir Faktenwissen? Dann könnte die Verhaltenstherapie mit ihrer kognitiven Umstrukturierung ein Weg sein. Wie nimmst du dich selbst wahr? Wenn aktuelle Sinnesempfindungen dir etwas bringen, könnte das Neuro-Biofeed-Verfahren hilfreich sein. Dort werden physiologische Prozesse, die innerhalb deiner Körpers ablaufen, auf Bildschirmen abgebildet. Du siehst also einen aktuellen Vorgang und seine Veränderungen direkt auf dem Bildschirm. Und du lernst, die inneren Vorgänge zu beeinflussen und siehst das Ergebnis auf dem Bildschirm.
Arbeitest du gut mit schriftlichen Reflexionen oder brauchst du detaillierte Beschreibungen, um dich und die Welt zu verstehen? Kannst du was mit physischen Symbolen anfangen? Wir halten wir es für sinnvoll, wenn du deine eigenen Stärken studierst und auf ihnen aufbaust.
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Frage Nr. 41504 von 09.07.2026
Herzlichen Dank für eure ausführliche Antwort auf meine Frage Nr. 41489 vom 04.07.2026. Dazu noch einige Anmerkungen:
Ihr schreibt, dass ich jede (körperliche) Berührung mit dem Mädchen vermeiden soll. Abgesehen davon, dass es mir sowieso nicht in den Sinn kommen würde, sie in einer sexuellen Weise anzufassen, muss ich erwähnen, dass ihre Familie aus einem Land kommt, in dessen Kultur es durchaus üblich ist, sich bei passender Gelegenheit, wie etwa bei der Begrüßung oder Glückwünschen zu umarmen oder in anderer Weise zu berühren, ohne dass man dann etwas Schlechtes hineininterpretiert.
Eine andere Sache ist die Art, wie sie mich manchmal ansieht. In diesen Momenten habe ich den Eindruck, dass sie meine Gedanken errät. Ich werde dann ziemlich unsicher, weil ich mich dabei ertappt fühle, Gefühle der Liebe und eben auch sexueller Art für sie zu haben.
Gestern habe ich eine Einladung zu ihrem 13. Geburtstag Anfang August bekommen. Morgen fährt sie mit ihrer Cousine zwei Wochen ans Meer, irgendwie hoffe ich, dann etwas ruhiger zu werden. Meine Fantasien über sie sind ziemlich aktiv und wenn ich dann masturbiere, habe ich nachher ein schlechtes Gefühl
+++
Nochmal eine Ergänzung zu meiner Frage Nr. 41489 von 04.07.2026
Ich lebe in der BRD und habe heute erfahren, dass das Schutzalter bei uns 14 Jahre beträgt. Wenn also ein gegenseitiges Einverständnis herrscht, sind Beziehungen gesetzlich erlaubt.
Unsere Antwort
Das mit dem Schutzalter hast du falsch verstanden. Solange die Tochter deiner Nachbarin unter 14 Jahre alt ist, machst du dich mit sexuellen Annäherungen strafbar.
Und auch wenn sie 14 Jahre alt ist, ist nicht automatisch alles erlaubt: In Deutschland können sexuelle Handlungen zwischen einer Person über 21 und einer Person unter 16 strafbar sein, wenn dabei die fehlende Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung ausgenutzt wird. Wenn sie jetzt 12 ist und du 19 bist, wirst du wahrscheinlich 21 sein, wenn sie 14 ist. Du bist ihr Nachhilfelehrer. Dadurch hast du ihr gegenüber eine besondere Verantwortung. Lies dazu bitte diese beiden Wikipedia-Artikel über das Schutzalter und über sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen. Wenn du dich genauer mit dem Gesetz auseinandersetzt, wirst du merken, dass du grosse Probleme bekommen kannst. Du kannst nicht nur ihr, sondern auch dein Leben sehr belasten oder gar zerstören, wenn du diese Grenzen überschreitest.
So wie du schreibst, könnte ich mir vorstellen, dass du zwei Seiten in dir hast: Eine Seite ist sich der Folgen bewusst und möchte auf keinen Fall eine Straftat begehen. Sie sagt dir, dass es nicht richtig ist. Sie ist eine Art innerer Kompass über das, was richtig und was falsch ist. Eine andere Seite wünscht sich eine sexuelle Beziehung mit der Tochter deiner Nachbarin. Sie sucht nach Rechtfertigungen für körperliche Annäherung, hinter der sexuelle Bedürfnisse stehen. Falls diese Seite in dir ist, falls sie stärker ist, und vor allem falls sie droht, deinen inneren Kompass zu übertönen, brauchst du dringend mehr Unterstützung. Ich empfehle dir für diesen Fall das Angebot "Kein Täter werden". Du kannst auch uns jederzeit wieder schreiben.
Hast du übrigens das Gefühl, dass du grundsätzlich auf sehr junge Mädchen stehst? Dann kannst du auch lernen, dass du mehr sexuelles Begehren für Frauen in deinem Alter entwickelst. Falls dich das interessiert, kannst du uns wieder schreiben, und dann erklären wir dir, wie du da vorgehen könntest.
Diese Antwort gilt auch für Frage 41506.
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Frage Nr. 41500 von 08.07.2026
Wie kann ich weniger mit KI über meine eigenen Gefühle sprechen? Ich rede sehr philosophisch mit KI über alles mögliche. Wie kann ich damit aufhören. Rede viel über die Manosphere und meine eigene Behinderung.
Unsere Antwort
Dass du dir darüber Gedanken machst und hier schreibst, ist bereits ein wichtiger erster Schritt. Bei Lilli antworten dir Menschen – und du kannst mir jederzeit noch einmal schreiben.
Ich bin Berater bei Lilli und lebe selbst mit einer Behinderung. Deshalb kann ich manches vielleicht gut nachvollziehen. Erzähl mir gerne mehr darüber. Je genauer du deine Situation beschreibst, desto besser kann ich dich unterstützen.
Grundsätzlich kann ich gut verstehen, dass Gespräche mit einer KI Spaß machen und kurzfristig hilfreich sein können – auch wenn es um philosophische Fragen oder persönliche Gedanken geht. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass sich solche Gespräche oft im Kreis drehen und eine KI den Austausch mit anderen Menschen nicht ersetzen kann. Wenn dich die Themen der Manosphere interessieren, findest du in diesem Kapitel interessante Infotexte dazu.
Vielleicht helfen dir zwei kleine Schritte:
Nimm dir bewusst Zeiten vor, in denen du keine KI nutzt, und versuche stattdessen, deine Gedanken in einem Notizbuch oder auf dem Handy aufzuschreiben.
Wenn du merkst, dass du die KI öffnen möchtest, frage dich kurz: „Was würde mir sonst noch gut tun?“ Manchmal hilft schon ein Gespräch mit einer vertrauten Person oder eine andere Beschäftigung, die dir Spaß macht.
Schreib mir gerne nochmal. Gib dann die Nummer dieser Antwort an.
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Frage Nr. 41495 von 06.07.2026
Liebes Lilli-Team,
ich bin w, 19, und schreibe euch, weil ich in letzter Zeit mit einem Gefühl umgehen muss, bei dem ich nicht weiß, wie ich damit umgehen soll. Ich war schon immer eine Person, die gerne unter Menschen ist. Ich brauche den sozialen Kontakt, damit es mir gut geht und ich mich nicht alleine fühle. Mit den richtigen Menschen habe ich Spaß und verbringe sehr gerne Zeit mit ihnen.
Jedoch gibt es auch eine Seite an mir, die gerne Zeit mit sich selbst verbringt. Ich liebe es, alleine zu sein, mich selbst zu beschäftigen, und ich genieße die Zeit mit mir wirklich sehr. Wenn ich alleine bin, fühle ich mich frei. Ich kann das machen, worauf ich Lust habe, muss mir keine Gedanken über die Bewertungen anderer machen und kann generell entscheiden, was ich tun will, ohne die Kriterien von jemand anderem berücksichtigen zu müssen. Das heißt nicht, dass ich nur alleine glücklich bin oder dass meine Freundschaften und meine Familie ein Problem für mich sind. Diese Menschen sind mir wichtig, und nach einer Weile spüre ich auch wieder den Drang, mit jemandem zusammen zu sein. Trotzdem brauche ich einfach oft eine Pause von der Welt, um einfach mit mir selbst zu sein.
In letzter Zeit ist der Drang nach solchen Momenten, die ich mit mir selbst verbringen will, viel stärker geworden. Schon seit einigen Wochen nerve ich mich fast schon, wenn gewisse Menschen in meine „Me-Time“-Momente eindringen. Als Beispiel: Ich gehe regelmäßig im Gym Sport machen. Eine Kollegin hat mich gefragt, ob sie auch mitkommen könnte, um zu schauen, wie es ist. Ich habe versucht, ihr indirekt zu sagen, dass das Gym nicht so viel Spaß macht und dass es sicher bessere Optionen gibt – nicht, weil ich das wirklich denke, sondern einfach, weil ich nicht wollte, dass sie mitkommt. Ich investiere diese Zeit eben gerne in mich und will sie mit niemandem teilen. Sie ist trotzdem mitgekommen und kommt jetzt regelmäßig einmal in der Woche mit mir. Ich habe das aber nicht gerne. Sie ist nett und ich verbringe eigentlich sehr gerne Zeit mit ihr, aber ich weiß nicht wieso: In dieser Situation will ich sie einfach nicht dabeihaben.
Genau das Gleiche ist mit einer anderen Kollegin passiert. In letzter Zeit kommt es auch vor, dass ich in die Bibliothek lernen gehe, und oft fragen mich Kolleginnen, ob wir zusammen gehen wollen. Dabei kommt es auf die Person an. Es gibt eine, die mich einfach fragt, wo ich bin, und dann von sich aus entscheidet, zu mir zu kommen. Es gibt eine andere, die mich fragt, ob ich in die Bibliothek gehe und ob wir zusammen lernen wollen. Im ersten Fall mache ich nichts – ich nerve mich nur in meinen Gedanken, weil ich eben nicht will, dass sie kommt (zumindest meistens nicht), aber ich tue so, als ob ich mich freuen würde. Im zweiten Fall sage ich einfach, dass das Lernen alleine besser klappt und dass ich lieber alleine in der Bibliothek sein möchte.
Vor allem in der Situation mit dem Gym habe ich mir überlegt, ihr zu sagen, dass ich nicht mehr mit ihr gehen will. Jedoch habe ich danach gedacht, dass ich einfach undankbar für das bin, was ich habe. In meiner Kindheit war ich oft alleine, weil ich von anderen ausgeschlossen wurde bzw. aufgrund der Sprachbarriere gar nicht kommunizieren konnte. Lange habe ich mir gewünscht, Freunde zu haben, mit denen ich Momente teilen und – als ich noch ein Kind war – spielen konnte. Jetzt, wo ich diese Freunde habe, fühle ich mich so kalt und will sie in gewissen Situationen gar nicht dabeihaben. Ist es normal, dass es mir so geht? Wieso ist dieser Drang alleine zu sein so stark geworden, dass ich mich manchmal sogar nerve, wenn anderen mit mir sein wollen? Bin ich eine schlechte/böse Person?
Unsere Antwort
Nein, du bist keine schlechte oder böse Person. Im Gegenteil, ich habe Mitgefühl mit dir.
Für dich scheint es zur Zeit ein kniffliger Moment zu sein, wenn deine Freunde eine Verabredung mit dir wollen und du lieber allein wärst.
Könnte es sein, dass du dich dafür abwertest, etwas anderes zu wollen als deine Freunde?
Deine Freunde ahnen womöglich gar nicht, wie es dir mit euren Treffen geht. Möglicherweise wären sie traurig darüber, dass du dich mit ihnen triffst, obwohl du lieber allein sein möchtest.
Mich interessiert: Was geht dir durch den Kopf, wenn deine Freunde Zeit mit dir verbringen wollen? Schreib doch mal 2-3 Gedanken auf, die du dann über dich selbst hast.
Und was glaubst du, was deinen Freunden durch den Kopf geht, wenn sie sich mit dir verabreden wollen? Schreib auch da mal 2-3 Gedanken auf.
An der Stelle kann es gut sein, dass Erlebnisse aus deiner Kindheit das Heute beeinflussen. Dabei ist heute eine andere Zeit. Die Gegebenheiten haben sich verändert, wie du schon selbst bemerkt hast. Heute hast du stabile Freundschaften. Du bist nicht mehr allein und ausgeschlossen.
Was wir denken, beeinflusst unser Handeln. Überleg dir doch mal, wie du in Zukunft gerne handeln möchtest rund um deine Alleinzeit und gemeinsame Zeit. Und dann schau, welche Gedanken über dich selbst und die anderen dir dabei helfen könnten. Das könnte zum Beispiel so etwas sein wie "Ich bin liebenswert, auch wenn ich viel allein sein möchte" oder "Unsere Freundschaft hält es aus, wenn es Phasen gibt, in denen ich viel allein sein möchte" Gut möglich, dass dir da ganz andere Dinge einfallen.
Schau doch mal, wie das für dich ist. Und beobachte, was du selbst verändern kannst und welche Wirkung das hat. Dabei wünsche ich dir alles Gute.
Falls du dir weitere Unterstützung von uns wünschst, schreib uns einfach wieder. Gib dann bitte die Nummer dieser Frage an.
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Frage Nr. 41488 von 04.07.2026
Ich bin weiblich und 24 Jahre alt. Ich bin vor drei Jahren ausgezogen. Es fiel mir sehr schwer mich emotional von meinen Eltern zu lösen, auch wenn ein grosser unbewusster Wunsch da war mich zu lösen. Ich habe erst vor einigen Tagen bemerkt, was ich für einen Prozess durchlebt habe.
Zu Beginn war ich noch sehr mistrauisch gegenüber Menschen und hatte ständige Angst. Ich dachte ich müsste mich immer in Acht nehmen. Meine Eltern sind Personen, die immer irgendetwas haben und mir vermutlich bewusst oder unbewusst durch ihre eigenen Erfahrungen vermittelt haben, dass das Leben anstrengend ist und man immer kämpfen muss. Bei mir hat das zu sehr vielen Ängsten geführt und auch zu negativen Erfahrungen. Es gilt zu bemerken, dass meine Eltern vermutlich beide eine traumatische Kindheit hatten. Ich habe lange Zeit nicht bemerkt, wie mich die Situation zuhause belastet. Ich habe auch starke Selbstzweifel und Versagensängste etwickekt oder allgemein Ängste. Ich wollte dich fragen, ob es da einen Zusammenhang geben kann und ob meine Daueranspannung auch von zuhause kommen kann?
Unsere Antwort
Die kurze Antwort ist: ja, das familiäre Klima kann zu einer Daueranspannung führen. Auch Versagensängste und Selbstzweifel können damit zusammenhängen.
Ich weiß natürlich nur sehr wenig über dich. Es klingt aber jedenfalls nach einer wichtigen Entwicklung für dich, dass du dein eigenes entwickelst. Etwas, was für dich besser passt als das, was deine Eltern dir vorgelebt haben.
Aus deiner Beschreibung habe ich den Eindruck, dass du schon gut unterwegs bist. Du bemerkst nun, da du nicht mehr zuhause lebst, wie belastend es zuhause für dich war.
Ich bin mir sicher, dass du mit der Zeit Wege findest, wie es dir besser gehen kann. Gibt es denn Menschen, die dich auf diesem Weg unterstützen? Wie sieht dein Leben sonst so aus? Was macht dich und dein Leben neben den Belastungen von früher aus? Es ist ganz wichtig, das nicht aus dem Blick zu verlieren. Auch Kinder aus belastenden familiären Verhältnissen bringen viele Ressourcen mit, die ihnen helfen, ihr Leben gut zu bewältigen. Sie sind dein Rüstzeug, um mit den ungünstigen Startbedingungen einen guten Weg durchs Leben zu finden.
Du kannst uns gerne wieder schreiben. Gib dann bitte die Nummer dieser Frage an.
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Frage Nr. 41441 von 30.06.2026
Hallo Lilli, ich wollte Ihnen einfach so mitteilen, weil ich mich so darüber freue, dass ich heute meine Berufsausbildung bestanden habe. ????
Unsere Antwort
Das freut uns natürlich. Herzlichen Glückwunsch!
Frage Nr. 41440 von 29.06.2026
Ich möchte mich auf die Frage Nr. 39715 beziehen. Wie meint ihr damit: Kinder oft weniger Unterstützung und mehr Konflikte oder andere negative Ereignisse erleben.
Danke für eure Erklärung.
Unsere Antwort
Damit meinten wir: Es kann passieren, dass eine depressive Mutter wegen ihrer Erkrankung weniger Kraft und weniger innere Ruhe hat. Dann kann es zum Beispiel sein, dass sie weniger auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen kann. Vielleicht hört sie weniger zu, tröstet weniger oder hilft weniger bei Problemen. Vielleicht ist sie auch öfter gereizt, zieht sich zurück oder wirkt für das Kind schwer erreichbar.
Mit Konflikten meinten wir zum Beispiel mehr Streit, mehr Anspannung in der Familie oder Situationen, in denen das Kind das Gefühl hat, vorsichtig sein zu müssen. Mit negativen Ereignissen meinten wir belastende Erfahrungen wie Unsicherheit, Überforderung, Vernachlässigung oder dass das Kind zu früh zu viel Verantwortung übernimmt.
Wichtig ist: Das kann passieren, muss aber nicht so sein. Und es ist keine Schuldzuweisung an depressive Mütter. Depression ist eine Erkrankung. Nicht jedes Kind erlebt das gleich. Viel hängt davon ab, wie schwer die Depression ist, ob die Mutter Hilfe bekommt und ob es andere verlässliche Bezugspersonen gibt.
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Frage Nr. 41432 von 29.06.2026
Ich möchte nicht mehr sprechen, folgen: sind Angstzustände Panik und vielleicht habe ich eine Depression, denn alle Symptome sprechen dafür. Was soll ich tun, sobald ich sprechen MUSS ist es ein Weltuntergang. Bitte gebt mir Tipps! Und wie finde ich heraus ob ich an eine Depression leide? Ich bin Teenager und weiblich.
Danke für eure schnelle Hilfe.
Unsere Antwort
So wie du uns dein Schweigen beschreibst, würden wir dir unbedingt raten, in eine Psychotherapie zu gehen. Du beschreibst, sehr starke Gefühle wie Weltuntergang. Die Gefühle sind also grösser als du. Darum wäre es sehr sinnvoll, du holst dir therapeutische Hilfe. Allgemein können wir dir keinen wirklich guten Rat geben, weil dein Schweigensicher eine sehr persönliche Ursache hat. Du weisst entweder, warum du nichts mehr sagen kannst oder mindestens seit wann du schweigst. Das ist für die Therapie ein Ansatz, zum Reden zurückzufinden. In einer Therapie musst du auch nicht gleich reden. Therapeut*innen können auch andere Ausdrucksformen wie Gesten, Mimik, Zeichnungen, Körperhaltungen etc. verstehen. Vielleicht können wir dich etwas beruhigen. Deine Gefühle sind nicht so stark, dass die Welt wirklich untergeht. Du hast aber sicher einen guten Grund, bestimmte Sachen nicht zu sagen. Wenn du lernst, dich selbst besser zu verstehen, wirst du den guten Grund auch herausfinden. Dazu ist eine Psychotherapie notwendig.
Wenn dein Schweigen eher eine Spechangst vor Bewertung und Kontrollverlust ist, wird dein Körper mit starken Stresssymptomen reagieren. Man nennt das auch Lampenfieber. Bei Lampenfieber hilft Selbstberuhigung und Fokussierung auf deinen Körper. Zentral ist die Atmung: Atme tief durch die Nase in den Bauch ein und langsam wieder aus. Das signalisiert dem vegetativen Nervensystem, dass keine tatsächliche Gefahr droht. Falls du etwas sagen möchtest, atme ruhig und denk nur noch an den Inhalt deiner Nachricht. Lenke deinen Fokus auf, was du mitteilen willst. Und wenn das schwierig ist, atme erstmal wieder ruhig. Gib dir selbst Raum. Versuch mal zu denken: 'Es ist richtig, zu reden.' 'Ich weiss, was ich sagen will.' Wenn deine Innenwelt sich dann immer wieder aufregt und deine Gedanken stört, fang wieder mit dem ruhigen Atmen an. Dein Bauch soll merken, dass du für ihn sorgst und er genügend Luft bekommt. Vielleicht helfen dir unsere Infotexte «Wie beruhige ich mich selbst?» und «Wie kriege ich mein Nervensystem in den Griff?»
Wie gesagt, die Selbstberuhigungsübungen helfen. Wenn du aber sehr fest im Schweigen drinsteckst, ist eine Psychotherapie der beste Weg, um dein Problem zu lösen.
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Frage Nr. 41396 von 23.06.2026
Ich (w 57) lebe zusammen mit meiner 28-jährigen Tochter. Sie ist Autistin mit einer sozialen Phobie, weswegen sie es nur schafft maximal 30 Stunden in der Woche zu arbeiten. Dabei verdient sie leider nur den Mindestlohn, der bei uns in Deutschland nicht wirklich hoch ausfällt. Bisher habe ich kein Kostgeld von ihr verlangt, da ich selber finanziell ausreichend gut aufgestellt war - jedoch hat meine Tochter regelmäßig die Kosten für den Wocheneinkauf übernommen oder spontan sonstige Besorgungen bezahlt. Leider sind nun einige größere Summen auf uns zugekommen, die wir in den nächsten Monaten abbezahlen dürfen, weswegen ich eigentlich auf Kostgeld von meiner Tochter angewiesen wäre, um diese zusätzliche Belastung halbwegs auszugleichen. Gleichzeitig fühlt es sich jedoch "schäbig" an, Geld von meinem Kind zu verlangen, obwohl es selbst kaum etwas hat. Wie würdet ihr mit dieser Situation umgehen?
Unsere Antwort
Für deine Frage sind wir nicht wirklich geeignet. Unsere Recherche ergab, dass es gesetzlich in Deutschland keine Festlegung von Kostgeld für Kinder, die eigenes Einkommen haben, gibt. Deine Tochter ist aber nicht mehr in Ausbildung, sondern teilt den Haushalt mit dir.
Wir würden dir darum zu einem Gespräch mit deiner Tochter raten. Wenn sie Wocheneinkäufe und ab und zu Besorgungen bezahlt, weiss sie, dass euer Haushalt etwas kostet. Wenn ihr nun besondere Ausgaben habt, könntest du ihr das doch erklären. Du könntest sie um einen Anteil bitten. Möglich wäre aber auch, ein regelmässiges Kostgeld zu vereinbaren, damit du nicht bei jeder grösseren Ausgabe wieder fragen musst. Wichtig ist, dass du transparent bist. Wenn du auf sie angewiesen bist, wird sie dich wahrscheinlich unterstützen.
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Frage Nr. 41375 von 18.06.2026
Ich nehme Bezug auf due Frage Nr. 39211. Eure Antwirt ist untergegangen. Ich habe es mit meiner Therapeutin besprochen. Sie meinte es sei bei mir vermutlich eine Strategie, die ich als Kind entwickelt habe.
Ich habe meinen Hausarzt gewechselt, da ich mich nicht wohl fühlte bei meiner alten Hausärztin. Meine jetzige Hausärztin hört mir zu und ich habe nicht das gefühl verurteilt zu werden. Zuvor war ich bei zwei anderen Hausärzten. Die einte meinte meine körperlichen Probleme seien mit meinem Gewicht erklärbar. Sie erklärte mir, dass ich am Abend fast nichts mehr essen sollte. Sie hat mir nie die Frage gestellt ob es psychische Ursachen haben könnte. Ein anderer Arzt meinte eifach ich solle keine Süssigkeiten mehr essen. Beides hat nur bedingt geholfen, da hinter dem Konsum von Nahrung für mich mejhr steckt.
Ich habe gemerkt, dass sich mein Verhalten in Bezug auf Essen verändert hat, sobald ich mich mit meiner Geschichte auseinandergesetzt habe. Ich frage mich ob ich dennoch einen Ernährungsberater oder eine Fachstelle aufsuchen sollte. Was meinst du, wann sollte man eine Fachstelle aufsuchen?
Unsere Antwort
Zunächst mal: Super dass du mit deiner Therapeutin geredet hast. Toll auch, dass du zu einer neuen Hausärztin gewechselt bist. Du stehst für dich ein und sorgst für dich. Das ist wirklich gut.
Dein Verhalten in Bezug auf Essen hat sich verändert. Es ist gut, dass du dich mit der Geschichte auseinandergesetzt hast, und deine Therapeutin scheint dafür eine gute Kontaktperson zu sein. Solang das so gut läuft, brauchst du keine weitere Unterstützung.
Schau doch mal, wie sich das jetzt entwickelt. Vielleicht merkst du, dass dich gewisse Verhaltensweisen immer wieder einholen. Wichtig ist es, dass du mit der Therapeutin weiter dran bleibst und mit ihr besprichst, woran das liegt und mit ihr schaust, was du tun kannst, damit das besser wird.
Es kann dann allenfalls auch hilfreich sein, zusätzlich zur Therapie eine ernährungspsychologische Beratung zu machen oder eine Ernährungsberatung bei einer Fachperson, die sich mit Essstörungen, insbesondere Binge Eating, gut auskennt. Denn Ernährungsberaterinnen können gezielter mit dir am Essverhalten arbeiten wie das Psychotherapeutinnen in der Regel tun. Ich finde das eine gute Ergänzung. Falls du und deine Therapeutin findet, dass das eine gute Idee wäre, würde ich dir empfehlen, über die Arbeitsgemeinschaft Ess-Störungen AES eine Fachperson zu suchen.
Ein weiterer Grund für das Kontaktieren der AES wäre, wenn du mit deiner Therapeutin nicht mehr weiterkommen würdest. Aber das schreibe ich jetzt nur der Vollständigkeit halber, weil du gefragt hast. Es sieht aber wirklich so aus, als seist du auf einem guten Weg mit deiner Therapeutin.
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Frage Nr. 41364 von 14.06.2026
Hallo ich schreibe Ihnen weil es einen fraglichen Trend gibt die Zunge für 40 Sekunden rauszustrecken. Dies soll bezwecken das sich der Vagusnerv streckt, der mit der Zunge verbunden ist. Es soll Cortisol senken.
Ich frage mich ob was dran ist. Placebo?
Unsere Antwort
Ich kenne diese Technik nicht. Ich verstehe nicht, wieso der Vagusnerv gestreckt werden soll. Sicherlich dehnst du bestimmte Muskeln und beeinflusst Hirnnerven. Wie der Zusammenhang hier genau sein soll, weiss ich nicht. Sicher ist: Der Cortisolspiegel steigt und senkt sich nicht abrupt, sondern zeitverzögert etwa 20 Minuten später. Du würdest also frühestens dann einen Effekt bemerken.
Es gibt viele Techniken und Trends, die den Vagusnerv direkt oder indirekt beeinflussen sollen. Es gibt solche, die besser erforscht sind als andere. Grundsätzlich steckt hinter derartigen Trends aber oft eine Fehlüberlegung: Man berücksichtigt nicht, dass der Mensch und sein autonomes Nervensystem äusserst komplex sind und der Vagusnerv nicht einfach per Knopfdruck an einer Stelle beeinflusst werden kann, unabhängig davon, was du mit dem Rest des Körpers machst.
Nehmen wir das Beispiel des Zunge-Rausstreckens: Sell dir vor, du strecktst sie 40 Sekunden lang raus. Möglichst weit. Durch die Anstrengung kommen dein Nacken und dein Kiefer in eine Anspannung. Du konzentrierst dich und vergisst, zu atmen. Durch all das beeinflusst du deine Nerven mindestens genauso wie durch die hinausgestreckte Zunge – und zwar in die gegensätzliche Richtung, d.h. dein Nervensystem wittert jetzt eher Stress.
Für die schnelle Beruhigung des autonomen Nervensystems kann ich zum Beispiel Atemtechniken empfehlen. Es ist zum Beispiel belegt, dass die 4:6-er Atmung beruhigend ist. Also Einatmen und auf 4 zählen und Ausatmen und auf 6 zählen. Mehr über Atmung liest du in diesem Text.
Wenn du weitere Techniken suchst, die gut gegen Stress und gut für dein autonomes Nervensystem sind, interessiert dich vielleicht das Buch "Die polyvagale Hausapotheke" von Herbert und Larissa Grassmann. Darin werden Zusammenhänge gut erklärt und Übungen vorgestellt (und erklärt!), die diese Zusammenhänge berücksichtigen.
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Frage Nr. 41363 von 14.06.2026
Ich bin gestern auf der Strasse umgefallen. Ich habe mir dadurch den Fuss verknickt. Ich kann es mir nicht genau erklären, was genau passiert ist. Anschliessend war ich am Boden und es überkam mich eine Welle von Schmerz. Ich hatte das Gefühl ich muss irgendwie aufstehen und sofort wieder belasten, da mir dies meine Mutter so gesagt hat. Es hat sehr geschmerzt, aber ich dachte ich muss irgendwie aufstehen, Anschliessend bind ich aufgestanden und hatte das Gefühl ich bekomme Panik, ich kann nicht mehr atmen und sprechen. Es war sehr beängstigend.
Die Menschen um mich herum haben dies mitbekommen und meinte ob alles okey ist, da ich bleich aussehe. Ich hatte das Gefühl noch eine halbe Stunde zu zittern und konnte nicht richtig zuhören oder sprechen. Ich habe gar nicht realisiert was passiert ist. Dann habe ich nur daran gedacht, dass wenn ich nachhause komme Vorwürfe hören von meinen Eltern. Ich begann mich abzuwerten etc.
Mir ist das gleiche als Kind einmal passiert und anschliessend habe ich meinem Vater angerufen. Es war an diesem Tag erster April und er meinte es sei ein Aprilscherz. Danach habe ich als ich gesagt habe es schmerze von ihm gehört er tue sein möglichstes. Als wir dann beim Arzt waren und mir dieser nur ein Verband gab und ich mich nicht ernst genommen fühlte und ihm sagte ich müsste bald wieder laufen und zur Schule gehen und dies sei nur mit einem Verband nicht möglich machte sich meine Mutter zuhause darüber lustig und meinte es sei unpassend gewesen, dass ich gesagt habe ich müsse meine Tasche tragen. Dann war sie am seufzen und meint sie müsse mich jetzt jeden Tag fahren. Diese Erinnerung taucht jetzt immer wieder auf und ich weiss nicht so recht was ich tun soll.
Unsere Antwort
Du bist verletzt, sowohl körperlich als auch seelisch. Für beides kannst du etwas machen. Dein Unfall ist nun ein paar Tage her. Wie geht es dir in der Zwischenzeit?
Grundsätzlich ist ein Schockzustand, wie du ihn beschreibst, bei einem Unfall normal und häufig. Also das Zittern und blass werden ist grundsätzlich normal. Bei dir scheint es über den konkreten aktuellen Unfall gleichzeitig verbunden zu sein mit einer alten traumatischen Reaktion. Das macht das Erleben umso unangenehmer und das Gefühl der Bedrohung und die aufgewühlten Gefühle grösser. Ich habe grosses Verständnis, dass dich das mitnimmt und du dir Unterstützung bei der Verarbeitung wünschst. Toll, dass du dich an uns gewendet hast.
Ich finde die Ratschläge deiner Mutter ausgesprochen fragwürdig. Deine Mutter geht nicht auf dich und auf deine Verletzung ein. Jetzt ist es wichtig, dass du dich wirklich gut um deine Verletzung kümmerst. Einen verknickten Knöchel sollte man nicht sofort belasten. Bist du wegen dem Knöchel zum Arzt/Ärztin gegangen? Wenn er weiterhin weh tut, mach das bitte. Bitte höre darauf, was dir die Ärzt*innen und das medizinische Personal sagen. Sie haben dein Wohlergehen und deine Gesundheit im Blick und begleiten dich, damit du schnell wieder gesund wirst. Häufig gehört Schonen zur Heilung.
Wie alt bist du? Du lebst offenbar noch bei deinen Eltern. Du hast trotzdem ein Recht selbst für deine Gesundheit zu sorgen, selbst wenn du noch nicht 18 Jahre alt bist. Schau dazu bitte in unseren Text Müssen meine Eltern vom Arztbesuch erfahren? Falls du über 18 Jahre alt bist, bist du sowieso mündig und kannst selbständig zum Arzt.
Soweit zur körperlichen Seite deines Unfalls. Nun zur seelischen: Was du erlebt hast, klingt für mich sehr nach Flashbacks. Das heißt durch den Schock und die ähnliche Unfallsituation ploppen bei dir Gefühle und Erinnerungen von damals auf, die dich in diesen Zustand zurückversetzen. Damals warst du jünger und hilfloser als heute. Heute stehen dir ganz andere Möglichkeiten zur Verfügung. Bitte lies dazu unseren Text über Flashbacks.
Ich finde es wichtig, dass du Unterstützung bekommst, dich von deiner Mutter zu emanzipieren. Denn deine Mutter schadet dir. Ihre Reaktion auf deinen Unfall damals war vollkommen unangemessen. Und dein Vater bietet dir da auch nicht genug Schutz und Verständnis. Ich kann mir vorstellen, dass du dich sehr allein fühlst. Möglicherweise ist das, was dir in Erinnerung kam nach dem Unfall, nur ein Beispiel von vielen schädlichen Dingen, die du als Kind in deiner Familie erlebt hast. Das kann Folgen bis ins Erwachsenenalter haben. Mehr dazu schreiben wir in unserem Text Womit tun mir meine Eltern nicht gut? Falls es dir weiterhin ziemlich schlecht geht, lies den verlinkten Text erst in ein paar Tagen. Ich möchte dir nicht zu viel auf einmal zumuten.
Wenn du in deiner Familie subtile Gewalt erlebt hast, kann regelmäßige Unterstützung sehr gut tun. Uns hast du dich bereits anvertraut, deshalb bist du mit deinen Fragen weiterhin willkommen und wir unterstützen dich gerne weiterhin. Bei uns ist eine schriftliche Unterstützung sehr gut möglich und vielleicht ist es genau das, was du dir gerade wünschst. Denn es erlaubt etwas mehr Abstand und Anonymität. Wenn du dir hingegen vorstellen kannst, dich von Berater*innen vor Ort unterstützen zu lassen, würde ich dir sehr empfehlen, dich an eine Jugendberatungsstelle zu wenden. Du kannst ihnen dein Anliegen so schildern, wie du es uns beschrieben hast.
Mich interessiert: Wie haben deine Eltern reagiert, als du nach Hause kamst? Und wie geht es dir sonst im Leben? Wenn du uns wieder schreiben möchtest, erzähle doch bitte ein bisschen was zu deiner aktuellen Lebenssituation. Dann kann ich mir ein besseres Bild davon machen, wie es dir gerade geht und wie wir dir weiterhelfen können. Gib bitte die Nummer dieser Frage an, wenn du uns nochmal schreibst.
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Frage Nr. 41358 von 12.06.2026
Guten Morgen Nochmal
Hab noch ein zweites Anliegen zwecks Antidepressiva
Warum ist das heute so das so viele Leute das brauchen ?
Ich kenne mittlerweile 3-4 die Antidepressiva nehmen, ob regelmäßig oder nicht.
Mein bester Freund (auch 31 jahre alt) hatte auch letztes Jahr eine depressive fase wo auch mal beim Psychologen war. Zur Tagesklinik ist es nicht gekommen.
Der Exfreund meiner Cousine ist ihr mit ihrer besten Freundin fremd gegangen und meine Cousine bekommt vom Arzt mit 21 Jahren antidepressiva verschrieben.
Meine Mutter war in einer psychischen Klinik weil wegen ihrer Arbeit wurde der Druck so hoch wurde und mies behandelt worden ist (seit ihrer Ausbildung in der Firma, also sehr viele Jahre). Ist das heute zur Mode geworden das Menschen labil sind ?
Danke euch nochmals
Unsere Antwort
Wie du selbst schon beobachtet hast, nehmen viele Menschen Psychopharmaka. Sie helfen, die eigenen Stimmungen zu regulieren, was sich positiv auf die Lebensqualität auswirkt. Medikamentenkonsum ist heute sehr üblich. Wenn du Kopfschmerzen hast, nimmst du wahrscheinlich auch ein Schmerzmittel. Du vermutest nicht sofort an eine schwere Kopfkrankheit. Medikamente sind bei schweren Krankheiten wichtig. Sie helfen aber auch bei leichten Verstimmungen. Wie du am Beispiel deiner Mutter sehen kannst, ist die medizinische Behandlung in einer sehr belastenden Lebenssituation sehr wichtig. Es ist wohl weniger die steigende Labilität der Menschen, sondern der Fortschritt in der Medizin, der mehr Behandlungen ermöglicht. Es ist auch eine gesellschaftliche Übereinkunft, Massnahmen anzubieten, die das persönliche Leiden eines Menschen lindern oder sogar verhindern. Dazu gehört z.B. der Schutz der Arbeitnehmenden im Arbeitsrecht, der Zugang zu medizinischer Behandlung bei Krankheit, die Erziehung zu sozial verträglichem Verhalten in der Schule etc.
Anschlussfrage zu 41357.
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Frage Nr. 41346 von 08.06.2026
Ich werde mich mit einer etwas komplexeren Angelegenheiten an dich. Mir ist aufgefallen, dass du auch Psychologen im Team hast, weshalb ich dir schreibe. Ich bin männlich und 25 Jahre alt. Ich habe letztes Jahr meine erste Stelle an einer Schule angetreten.
Eigentlich bin ich voller Motivation angetetreten. Ich hatte während des Jahres ein paar Probleme mit der Koordination mit meiner anderen beruflichen Tätigkeit. Ich habe dies der Schule mitgeteilt und gesagt, dass ich die Lektionen nicht weiter übernehmen könne und etwas abgetauscht werden müsse. Mein Vorgesetzter blockte ab und meinte es sei nicht möglich Lektionen zu verschieben. Er entdeckte dann einen Fehler im Vertrag. Er sah, dass der Vertrag zwei Lektionen zu viel drinnen hatte. Mein Vorgesetzter wurde dann total übergriffig und meinte ich hätte Betrug begannen und dies melden müssen etc.. Ich habe darauf dann gekündigt, da ich mir diese Situation nicht länger bieten lassen wollte.
Ich habe zum Glück in der Zwischenzeit eine bessere Anstellung erhalten. Es gab dann aber einen Konflikt mit der Rückzahlung. Die Schule forderte das Geld zurück. Ich stellte mich auf den Standpunkt, dass ich das Geld gutgläubig angenommen hätte. Für mich war der Fehler nicht ersichtlich. Es geht für viele um keine grosse Summe. Für mich stellt die Summe jedoch eine erhebliche Belastung dar.
Zudem belastet mich die Situation auch psychisch. Ich habe bis jetzt eher mit weniger Personen über die Situation gesprochen. Ich kann mit meinen Eltern nicht offen darüber sprechen, da vermutlich nur Vorwürfe kommen würden. Ich bin mir nicht sicher, ob zudem etwas anderes noch mit dieser Situation zusammenhängt.
Meine Eltern geraten immer wieder in ähnliche Situationen, wie ich jetzt gerade. Es ist ein grosser Wunsch von mir nicht so zu leben. Ich würde eigentlich gerne meine berufliche Tätigkeit ohne grosse Schwierigkeiten ausüben und lösungsorientiert mit Konflikten umgehen können. Ich merke aber auch, dass ich Mühe habe mit genau solchen Situationen umzugehen, da ich nur weiss, wie meine Eltern mit solchen Situationen umgehen und ich dies als kontraproduktiv empfinde. Was würdest du mir raten?
Danke für deine Hilfe!
Unsere Antwort
Eigentlich ist deine Frage eher ein juristisches Problem. Dein früherer Arbeitgeber wirft dir Betrug vor und fordert Geld zurück. Beide Ansprüche solltest du juristisch prüfen lassen. Wenn dein Arbeitgeber Recht hat, zahlst du das Geld zurück und sonst nicht. Wenn du diese Klarheit nicht herstellst, regst du dich zu lange auf. Und in deiner Aufregung suchst du dann nach Gründen. Du machst es dir sehr schwer wenn du meinst, Missverständnisse mit Arbeitgeber*innen lägen in der Familie. Überall, wo Menschen in Beziehung stehen, gibt es Meinungsverschiedenheiten, die zu Streit führen können.
Du hast beobachtet, dass deine Eltern häufiger in Streitsituationen geraten. Du könntest lernen, dass du in strittigen Situationen die Eskalation vermeidest. Dazu gehört, dass du selbst übst, deine Erregung über (falsche) Beschuldigungen zu regulieren. Dabei können dir die Tipps in diesem Text helfen. Wenn du hoch erregt bist, kannst du nur angreifen oder fliehen. Beides führt eher zur Eskalation. In einer solchen Stimmung fühlst du dich hilflos. Darum suchst du nach Erklärungen. Beispiele: Gedanken wie ‚Ich bin einfach zu schwach, dumm, unfähig..’ richten sich gegen dich selbst. Damit schwächst du deine Urteilsfähigkeit. ‚Schon meine Eltern haben immer Streit‘ ist eine psychologische Erklärung, die persönliche Lösungen unmöglich macht. ‚Mein Vorgesetzter ist einfach unfähig, ungerecht…‘ richtet die Aggression nach aussen. Du beschäftigst dich dann in deinen Gedanken mit der Person des Vorgesetzten statt mit deinen Rechten.
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Frage Nr. 41333 von 06.06.2026
Hallo Lilli, danke für die Beantwortung meiner Frage Nr. 41256:)
Es ist die Mutter meines Vaters die eine Zwillingsschwester hat.
Meine Oma väterlichseits.
Unsere Antwort
Danke für die Ergänzung :)
Was vererbt werden kann ist die Veranlagung, in einem Zyklus mehr als eine Eizelle zu bilden. Und diese Veranlagung kann auch von deiner Oma väterlicherseits vererbt werden. Wenn du also selbst schwanger werden kannst, kann das die Wahrscheinlichkeit für Zwillinge etwas erhöhen. Das gilt aber nur, wenn deine Oma ein zweieiiger Zwilling ist. Wenn sie ein eineiiger Zwilling ist, erhöht das die Wahrscheinlichkeit nicht.
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