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Frage Nr. 39752 von 12.05.2025

Hallo liebes Lilli-Team,
ich (30) mag es nicht, wenn Menschen in meiner Anwesenheit über ihre Sexualität, sexuelle Aktivitäten, Vorlieben usw. sprechen. Neulich hatte ich für einige Tage eine Freundin besucht, die sehr offen über Sexualität, Beziehungen usw. spricht. Sie hat an einem Abend von einem Sexclubbesuch mit Freund*innen erzählt. Auf meine Nachfrage beschrieb sie mir, wie es innen aussieht und wie man sich da verhält. Das hatte mich interessiert und deshalb fragte ich auch nach. Das war interessant und damit war an dem Abend das Thema für mich erledigt.
Zwei Tage später trafen wir einen Freund von ihr, der auch bei dem Clubbesuch anwesend war (das sagte sie mir vorher). Wir saßen zu dritt in einem Café und recht bald unterhielten sich beide länger über ihren gemeinsamen Sexclubbesuch. Das war mir sehr unangenehm, ich saß daneben und habe nichts gesagt. Ich hätte gern gesagt, dass es mir unangenehm ist, wollte aber auch nicht irgendwie prüde oder verklemmt oder sexfeindlich erscheinen. Dazu muss ich sagen, dass ich aus verschiedenen Gründen (sexueller Missbrauch in Kindheit und Jugend, Erziehung, asexuelles Spektrum) nicht gern mit Menschen außerhalb meiner Beziehung über (meine) Sexualität spreche und es unangenehm finde, wenn es andere in meiner Gegenwart tun und dabei ins Detail gehen. Ich respektiere die Orientierungen/Praktiken anderer Menschen und dass sie zu Sexualität eine andere Einstellung haben als ich. Gleichzeitig will ich auf meine Grenzen achten und mag einfach nicht mit dem Thema unvorbereitet konfrontiert werden, da es mich auch triggern kann.

(Ich habe eine andere Freundin, die in die Richtung auch sehr offen ist, allerdings hatte ich ihr schon vor einiger Zeit gesagt, dass mir das unangenehm ist. Das hat sie akzeptiert, auch wenn sie sagte, dass es ihr schwerfiele. Diese Freundin sehe ich aber auch regelmäßiger.)

Wie hätte ich mich in der Situation verhalten können? Was kann ich in kommenden Situationen tun, ohne dass ich sofort anfange, mich zu rechtfertigen und ohne dass ich mich schlecht fühlen muss?

Unsere Antwort

Es ist in Ordnung, wenn du diese Gespräche nicht führen möchtest. Wie du dich verhalten kannst, hängt ein wenig von der Situation ab. Mit Freund*innen kannst du das ja besprechen, so wie du es auch mit der einen schon getan hast. Du kannst ihnen erklären, dass dir dieses Thema schwerfällt. Vielleicht kannst du mit ihnen verabreden, wie du signalisierst, dass es dir zu viel wird und du gern das Thema wechseln würdest. Wenn die andere Person das im Vorhinein weiß, wird sie sich dann nicht vor den Kopf gestoßen fühlen. 

In Situationen, in denen du mit Menschen zusammen bist, die das nicht wissen, kannst du entweder offen sein und sagen: „Ich merke, dass ich mich mit diesem Thema gerade unwohl fühle. Könnten wir vielleicht über etwas anderes sprechen?“ Mehr musst du nicht sagen, du musst dich dafür nicht rechtfertigen und die allermeisten Menschen werden das respektieren und das Thema wechseln. Eine andere Möglichkeit ist, dich aus der Situation rauszunehmen, zum Beispiel, indem du auf die Toilette gehst, dir was zu Trinken holst oder ähnliches. Du könntest beides auch kombinieren und sowas sagen, wie „Ich fühle mich mit dem Thema ein bisschen unwohl. Das ist bei mir manchmal so. Ich werde einfach kurz was anderes machen gehen / vor die Tür gehen / etc. und dann wiederkommen.“

Vielleicht möchtest du aber auch lernen, wie solche Gespräche weniger unangenehm für dich sein könnten? Dann könntest du das mal ausloten, am besten gemeinsam mit guten Freund*innen, die deinen Background kennen. Versuch mal, in Gesprächen mit ihnen herauszufinden, an welchen Stellen genau es für dich unangenehm wird und wieso. Im nächsten Schritt könntest du ausprobieren, was dir in solchen Momenten hilft, deine Gefühle etwas zu regulieren. Tiefes Atmen? Ein bisschen Bewegung? Da du schlimme Erfahrungen im Bereich Sexualität gemacht hast, ist das vielleicht sehr schwierig für dich. Dann könnte professionelle psychologische Unterstützung für diesen Prozess sicher hilfreich sein.

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