Hallo ihr Lieben,
ich bin m25 und seit mehreren Wochen mit einer Frau zusammen und sexuell aktiv.
Wir befriedigen uns nur mit den Händen - also kein Geschlechtsverkehr oder Oralsex. Das passt für uns beide.
Wir sehen uns ca. einmal pro Woche und haben dann auch Sex.
Für meine Partnerin ist das ein Problem, weil sie Angst hat, dass Sex zur "Pflicht" oder Erwartung werden könnte, wenn es bei jedem Treffen stattfindet.
Für mich ist das Körperliche sehr wichtig. Darauf will ich nicht verzichten. Ich brauche das Kuscheln und die Nähe. Dass ich dabei sexuell erregt werde und wir dann auch Sex haben, ist für mich nur eine Folge daraus.
Den Sex an sich finde ich nicht soo toll. Wir sind beide nicht so gut darin. Aber ich will auch nicht meine Lust verbergen oder unterdrücken müssen.
Ich habe auch schon versucht, herauszufinden, was sie genau am Sex stört. Nach dem Motto "wenn der Sex gut ist, dann will sie auch Sex"... aber ich denke, es ist vor allem die Angst vor Erwartungen und dass es zum Standard wird.
Ich glaube, es wäre schöner für sie, wenn ich nicht zum Orgasmus komme. (Weil es dann ja nur Kuscheln mit Erektion ist) Das war auch schon ein paar Mal der Fall.
Ich würde gerne bei der Masturbation üben, Lust zu haben und trotzdem nicht zu kommen, damit es ein wenig gewohnter wird.
Kann das auf Dauer schlecht für den Körper sein?
Kann es sonst irgendwelche negativen Folgen haben, wenn ich meinen Orgasmus bewusst nicht erreiche, obwohl ich könnte/wollte? (Körperlich, Psychisch, für diese/zukünftige Beziehungen) Es ist ja schon ein eher unnatürliches Verhalten...
Unsere Antwort
Es ist ein spannender Gedanke, dass du beim Masturbieren (oder Solosex) üben möchtest, erregt zu sein, ohne einen Orgasmus zu bekommen. Das kann dir tatsächlich dabei helfen, besser zu spüren, wo deine Grenze liegt – wann Lust in Druck umschlägt, oder wann du Lust einfach nur genießen kannst, ohne ein Ziel zu brauchen. Das ist kein „unnatürliches Verhalten“, sondern ein bewusster und achtsamer Umgang mit deiner Sexualität.
Es ist medizinisch unbedenklich, bewusst nicht zum Orgasmus zu kommen, obwohl Lust da ist. Auch wenn es dauerhaft ist. Viele Menschen machen das. Zum Beispiel im Tantra, um Lust ohne Orgasmus zu erleben. Manchmal kann es zu Druckgefühlen oder nächtlichen Samenergüssen kommen. Das ist aber völlig normal.
Schwierig kann es werden, wenn du das Gefühl hast, deine Lust ständig unterdrücken oder dich dauerhaft für jemanden verbiegen zu müssen. Das sollte auf Dauer nicht der Fall sein, denn in einer gesunden Beziehung dürfen beide ihre Bedürfnisse zeigen, ohne sich verstellen zu müssen. So wie du es aber beschreibst, seid ihr nicht an diesem Punkt– du gehst sehr reflektiert und offen mit dem Thema um, was eine tolle Basis für eure Beziehung ist. Für eure Partnerschaft selbst könnte es hilfreich sein, im Gespräch mit deiner Partnerin nicht nur über das Ob des Sex zu sprechen, sondern darüber Wie ihr körperliche Nähe leben wollt: Wie fühlt sich Nähe und Körperlichkeit für euch beide sicher, freiwillig, lebendig an? Wie könnt ihr zusammen nah sein, ohne dass sich einer von euch verpflichtet oder zurückgehalten fühlt? In diesem Text findest du Tipps für das Reden über Sex.
Ein Gedanke der dir vielleicht helfen kann: Gerade für uns Männer ist es – auch aufgrund unserer gesellschaftlichen Sozialisation – eine wertvolle Erfahrung und Übung Nähe und Intimität zuzulassen, ohne dass daraus automatisch Sex oder ein Orgasmus werden muss. Viele Männer lernen von klein auf, dass Körperkontakt und Zärtlichkeit nur im Kontext von Sexualität akzeptiert und gelebt werden kann. Umso wichtiger ist es, bewusst zu üben, wie schön und erfüllend Nähe auch ohne Sex sein kann. Das erweitert nicht nur das eigene Erleben, sondern kann auch die Beziehung bereichern. Und den Druck herausnehmen, dass jede körperliche Begegnung zwangsläufig in Sex münden muss.
Du gehst mit diesem Thema schon sehr verantwortungsvoll um. Bleib dabei ruhig neugierig – auf dich, auf sie, auf eure gemeinsame Entwicklung. Langfristig ist es wichtig, dass ihr beide Raum habt, euch selbst und einander mit euren Gefühlen zu zeigen. Nähe bedeutet eben nicht nur Körperkontakt – sondern auch, verletzlich zu sein, Unsicherheiten mitzuteilen, Wünsche auszusprechen. Und genau das tust du schon. Vielleicht kann euch helfen, das Thema „Nähe + Sex“ als etwas Gemeinsames zu sehen – etwas, das sich entwickeln darf, Schritt für Schritt. Es muss nicht perfekt sein, nicht immer gleich, nicht immer vollständig. Ihr könnt gemeinsam erforschen, was sich gut anfühlt – auch außerhalb von Erwartungen.
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