Hallo Lilli,
vielen Dank für Nr. 39807 und 39775. :-) Ihr habt da ein großes Thema angesprochen: mich in meiner Haut wohler fühlen. Damit hatte ich schon vor der Erkrankung große Probleme. Auch meine Sexualität war immer schon wackelig, wie ihr es nennt. Eure Tipps zum Reden mit dem Partner finde ich viel besser als die aus dem Podcast, und auch eure Zurechtrückung meiner Wahrnehmung dieser Weltsicht empfand ich als hilfreich. Vielen Dank dafür.
Ihr habt nach meiner Vulvodynie-Therapie gefragt. Leider konnte ich mir keine privat bezahlte Sexualtherapie leisten, denn die spezielle Physiotherapie, die auch von innen am Beckenboden arbeitet, verschlingt schon ziemlich viel Geld und muss leider in Deutschland privat bezahlt werden. Außerdem habe ich noch weitere Erkrankungen, für die teilweise privat zugezahlt werden muss, um die beste Behandlung zu erhalten...
Ich war drei Monate in einer Schmerzklinik, die viel Körperarbeit gemacht hat: Feldenkrais, Fußreflextherapie, verschiedene andere Physio- und Körpertherapien. Dort wurde ich auf Schmerzmedikamente eingestellt, und erhielt auch Psychotherapie. Daheim habe ich dann über Jahre normale Kassenpsychotherapie gemacht. Aber im Rückblick erkenne ich bei der Therapeutin einige Dinge, die ich nicht hätte hinnehmen sollen. Im Grunde ging es mir durch die Psychotherapie psychisch schlechter. Meine tolle Physio und selbst entwickelte Entlastungskissen haben mich dann aus einer wirklich schweren Pudendusneuralgie zu fast vollständiger Schmerzfreiheit im Alltag gebracht, das hat fast fünf Jahre gedauert.
Als es mir besser ging, wollte ich auch die Sexualität zurück. Auch wenn das bedeutet, dass ich im Alltag durch diese Belastung der Vulva etwas weniger schmerzfrei bin, trotz der Medikamente. Ich habe nach Anleitung des Vereins und amerikanischer Youtube-Vulvodynievideos mit Dilatoren und Wands gearbeitet, sowie mit speziellen Meditationen der Pelvic Pain Foundation Australia und mit euren Berührungsübungen das Schmerzgedächtnis umtrainiert. Ich habe auch meine Erregungstechnik mit euren Übungen umtrainiert, von früher mit viel Druck und Spannung auf minimale Klopf- und Streichelbewegungen. Das hat nochmal ein, zwei Jahre gedauert.
Inzwischen kann ich manchmal GV haben, aber oft reiße ich dabei ein, auch wenn es während des Sex nicht wehtut. Ich bekomme dann von dem schmerzenden Riss einen Rückfall. Am Anfang konnte ich mich der Vulvina mit meiner Dehnern liebevoll zuwenden in der Vorfreude auf Sexualität, und es wurde ja immer besser. Inzwischen hab ich so eine innerliche Wut und Frustration und Angst vor dem Verlassenwerden, darauf dass ich feststecke im Fortschritt, und einreiße beim GV egal was ich versuche. Ich habe auch das Gefühl meine Beziehung leidet. Ich glaube, mein Partner kam besser klar, als Sex einfach tabu war. Und so ist es ein "Wann geht's wieder, wann nicht" und ein "Mist, sie ist schon wieder gerissen und ich bin schuld"...
Inzwischen habe ich daheim alleine mit meinen Dilatoren mehr Schmerzen, als damals als die Vulvodynie noch schlimmer war. Ich führe das tatsächlich auf die Psyche zurück. Mir kommt es vor, als müsste ich auf eine Prüfung hinarbeiten, deren Datum ich mir allerdings wie in einem Fernstudium selbst aussuchen kann. Dieses Datum ist der nächste Sex. Die Vulvina macht einfach dicht bei dem Gedanken an die "Prüfung", ich werde ungeduldig, drücke den Dehner rein, was man ja gerade nicht tun soll. Und mache mir dann für Tage Schmerzen. Ich kann auch nicht mehr richtig hinatmen, da ist irgendwas in mir blockiert. Auch die kleinen Bewegungen sind statisch und nicht mehr fließend... verkrampft. Wie bei Prüfungsangst. Ich weiß ja, der Sex wird wieder nicht "gut", mein Partner wird enttäuscht...
Ich kann auch ganz schwer annehmen, dass mein Partner genug Vorspiel macht. Ich merke schon, dass er nur mir zuliebe kein klassisches Vorspiel macht, was die Erregung steigert, sondern die Massagegriffe zum Lösen der Vagina, die ich ihm beigebracht habe. Das ist natürlich nicht erotisch, denn Erregung geht bei dem Druck bei mir nicht. Ich will einfach nur keine Schmerzen und die Intimität genießen, irgendwann kommt die Erregung dann sogar manchmal. Ich denke immer, wie lang das schon war, ob es wohl zu lang war, ob es ihn jetzt die Erregung kostet... auch generell gebe ich lieber, z.B. Massagen, Streicheln, und kann gar nicht gut annehmen, weil ich immer denke, den anderen nervt es sich um meinen nicht funktionierenden und nicht mehr schönen Körper zu kümmern.
Irgendwann kommt dann der Sex, und ich bin schon so angespannt, dass es nicht richtig geht. Wenn ich direkt davor mich zurückziehe um mit den Dehnern vorzulockern, macht die Vulvina komplett dicht. Weil ja der Druck herrscht, werde jetzt locker, damit es nachher klappt. Interessanterweise ist das beim Frauenarztbesuch nicht so. Ich habe eine tolle Ärztin, die mich immer als letztes drannimmt damit genug Zeit für meine Atemübungen auf dem Stuhl ist und vorher darf ich mich im Stillraum der Praxis mit meinen Dehnern auf die Untersuchung vorbereiten. Deshalb denke ich, es ist die Psyche.
Als ich noch dachte, wenn das Aufnehmen klappt, dann wird alles gut, war die Vulvina freudig und eifrig dabei. Dann merkte ich, das bloße Aufnehmen können reicht nicht, ich enttäusche trotzdem, und oft muss ich nach dem Sex deswegen weinen.
Die Blockade ist: ich vermisse Intimität, trotz viel Kuscheln und massieren. Dann kommt die Prüfung, der nächste Sex. Wenn ich sie bestehe, dann habe ich Initmität und einen glücklichen Partner. Was aber passiert, ist dass ich wieder und wieder und wieder durch die Prüfung falle... und jedesmal wird die Blockade mit den Dehnern schlimmer. Sie helfen nicht mehr, meine Muskulatur zu lockern wie früher, als es mir nach den Sessions besser ging. Das Gegenteil ist der Fall....
Ich stecke einfach fest, obwohl ich auf dem Heilungsweg schon so viele Hürden überwunden habe.
Als ich eure Antworten auch auf andere Fragen las, fand ich euren Ansatz toll, und dachte, dass da vielleicht was für mich dabei sein könnte.
Da fiel mir auch auf, dass der Podcast kritisch zu sehen ist. Einmal ging es um Erektions- und Orgasmusprobleme, und ich dachte direkt an eure Texte mit den den Erregungstechniken etc. Aber der Podcaster redete immer nur so tiefenpsychologisches Zeug...
Vielen Dank für eure Mühe!
Unsere Antwort
Ich bin beeindruckt davon, wie viel Ausdauer, Geduld und Kreativität sowie Eigeninitiative du aufgebracht hast bisher auf deinem Weg.
Meine Empfehlung ist: lass die Dilatoren ab sofort weg. Nutze nur deine eigenen Hände.
Was du jetzt brauchst, ist auf dich zu hören. Nicht auf irgendwelche Podcaster oder Methoden, die dir schonmal geholfen haben.
Du hast bereits ein gutes Gespür dafür, was du möchtest. Gönn dir das. Genau das. Nicht noch dazu irgendetwas leisten müssen. Einfach nur das, was du willst. Das kann auch eine Pause sein.
Wie ist das, wenn du das liest?
Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema