Hallo Lili
Ich habe ein etwas komplexeres Anliegen und mir ist vollkommen bewusst, dass es von aussen schwer ist, dieses zu beeurteilen.
Ich habe folgendes Problem: Ich bin weiblich und 22 Jahre alt. Ich befinde mich in einer Ausbildung. Ich habe vor gut einem Monat eine schlechte Note erhalten. Ich wollte zuerst meinen Eltern nichts sagen. Ich hatte vermutlich Angst vor der Reaktion. Ich habe dann doch meine Note mitgeteilt.
Mein Vater meinte er und ich sollten geneinsam mit der Lehrerin sprechen gehen. Ich meinte, dann dass ich alleine gehen möchte. Mein Vater meinte ich sei zu aufgebracht und könne dies nicht. Meine Mutter meinte ich müsste seine Hilfe annehmen. Die Lehrerin fand es komisch und meinte auch es sei ungewöhnlich. Ich meinte erneut, ich müsse dies alleine tun, da ich das Lernen muss.
Mein Vater meinte, ich könne dies nicht, da ich zu unerfahren bin und mich überschätze. Es ist sehr schwierig für mich, mich durchzusetzten, da meine Mutter ebenfalls meint ich sollte mir von meinem Vater helfen lassen. Ich habe auch nichts dagegen, dass er mir hilft, aber ich finde es nicht gut, dass er das Gespräch übernehmen möchte.
Ich habe Mühe mich durchzusetzten und schäme mich auch dafür, dass das andere auch sehen. Zudem zweifle ich auch stark an mir, obwohl ich das vermutlich alleine hinkriegen würde dorthin zu gehen. Ich finde es auch wichtig. Ich weiss einfach nicht, wie ich mich da durchsetzten kann, da gefühlt niemand meine Autonomie unterstützt und mich ermutigt alleine zu gehen und mir das Vertrauen gibt. Ich habe auch Angst, dass wenn es schief läuft, dass ich Vorwürfe erhalte, wie ich es eh immer erhalte, wenn etwas schief läuft. Hättest du einen Tipp, damit ich mich in meiner Autonomie mehr entfalten kann?
Ich schäme mich zudem, da mir früher Menschen bereits geraten haben, dass ich autonomer werden müsste, aber das irgendwie nicht konnte und nicht wirklich einsah. Ich hatte früher noch stärkere Selbstzweifel und Versagensängste. Ich fühle mich dafür schuldig und verurteile mich stark dafür. Ich fühle mich auch häufig hilflos und sehe keine Handlungsmöglichkeiten. Wie kann ich mich in meiner Selbstwirksamkeit unterstützen?
Danke für deine Hilfe!
Unsere Antwort
Du bist bereits 22 Jahre alt. Seit 4 Jahren bist du volljährig und deine Eltern behandeln dich, als wärst du noch ein Kind, das auf sie angewiesen ist.
Aus deiner Beschreibung nehme ich bei dir eine gute Beobachtungsgabe wahr und du hast ein sehr gutes Gespür dafür, was du brauchst und was in dir vorgeht. Du bringst also Stärken mit, die deine Eltern scheinbar nicht sehen.
Ich kann deine Selbstzweifel vor dem Hintergrund dessen, was du beschreibst, gut nachvollziehen. Deine Eltern zweifeln offen an dir und nehmen deine Rückmeldung nicht ernst. Auch die Vorwürfe klingen sehr unangenehm.
Du fragst nach Unterstützung für deine Autonomie. Autonomie bedeutet Ablösung, sich frei machen von etwas.
Es gibt verschiedenes, was dir dabei helfen könnte. Wohnst du noch zuhause? Könntest du dir vorstellen, mehr räumlichen Abstand zu deinen Eltern zu haben? Das macht eine Ablösung leichter. Du brauchst ihnen auch nicht alles erzählen. Ich vermute, du hattest da ein gutes Gefühl mit der Note.
Ich frage mich, wie beharrlich du bei deinem Standpunkt bleibst, wenn von deinen Eltern Gegenwind kommt. Wiederholst du, wie du es haben möchtest oder gibst du schnell auf? Du könntest dich auf solche Gespräche vorbereiten, indem du dir die Reaktion deiner Eltern ausmalst und schon vorweg formulierst, wie du dich dann verhalten wirst zu deren Reaktion.
Auf wessen Meinung legst du Wert? Mit wem könntest du sprechen statt mit deinen Eltern? Du kannst dir dein eigenes unterstützendes Umfeld aufbauen und es pflegen.
Du schreibst, dass die Selbstzweifel und Versagensängste früher stärker waren. Wie hast du das geschafft, dass die geringer geworden sind?
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