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Frage Nr. 40000 von 10.07.2025

39985: Ich bin sehr enttäuscht über eure Antwort. Nicht nur, dass ihr über 80% meiner Nachricht zensiert habt, sondern auch mit "Wir teilen deine Ansichten nicht", ohne jede Argumente und Begründung, jede Diskussionsbereitschaft abschneidet :-( Was genau davon teilt ihr nicht? Könntet ihr wenigstens zu meinen Punkten kurz Stellung beziehen?

Mein ganzer Kommentar war darauf ausgerichtet, dass ich unsere faktisch völlig gegensätzliche sexuelle Sozialisierung von Männern und Frauen als Kernproblem für Sexismusprobleme identifiziere und mir wünschen würde, dass wir diese Ungerechtigkeit zum Wohle ALLER Geschlechter überwinden, dass Männer wie Frauen mit gleichem Respekt behandelt würden, damit wir diese Missstände überwinden und sowohl Männer als auch Frauen eine ungehemmte, lustvolle und respektvolle Sexualität miteinander erleben können. Wirklich erstaunlich, dass ihr mir dazu empfehlt, mir Hilfe zu suchen und dass ihr meine Ansichten nicht teilt. Das muss ich erstmal verdauen.

Dass es Doppelmoral von beiden Geschlechtern gibt, habe ich kritisiert. Sexismus könnte morgen vorbei sein, wenn wir uns nicht mehr daran beteiligen. Und das betrifft eben nicht nur Männer, sondern auch Frauen.

Gerade Sex sollte etwas so intimes, persönliches und vertrauliches zwischen zwei Menschen sein, dass es von gegenseitigem Respekt geprägt ist. Dass beide Menschen ihre Körper als gegenseitiges Geschenk ansehen und sich begehrt und wertgeschätzt fühlen. Dort muss niemand Geld bezahlen, weil jeder in der Währung des eigenen Körpers und der eigenen Zuneigung bezahlt und in gleichem Maße zurück erhält.

All das wird bei der Prostitution mit Füßen getreten, weil mit Geld aufgewogen werden soll, was kein ausreichend gewürdigter Gegenwert ist: Sein/ihr Körper ist nicht liebens- und begehrenswert, der eigene Körper und die Zuneigung ist nicht genug, sein/ihr Körper ist kein Geschenk. Das ist doch Gift für jede Selbstachtung und Selbstliebe, die ihr so hoch haltet. Dass ihr diese psychischen Narben, die das bei jedem fühlenden Menschen hinterlässt, nicht sehen wollt und das stattdessen leichtfertig für schnellen Sex empfehlt, ist enttäuschend, aber mir zu raten, ich solle mir Hilfe suchen, ist kränkend und hätte ich nie von euch erwartet.

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Noch ein Nachtrag zu 40000:

Nochmal: Ich schätze eure Arbeit sehr! Dass ihr zum Thema Prostitution eine völlig andere Haltung habt, muss ich akzeptieren, auch wenn ich mir wenigstens Offenheit gewünscht hätte, dass ihr auch auf die (psychologische) Seite guckt, was das mit Menschen macht, die so etwas in Anspruch nehmen. Jeder Mensch möchte und ist es Wert bedingungslos (und damit auch ohne Geld zu bezahlen) (körperlich) geliebt, begehrt, angenommen und wertgeschätzt zu werden. Kein Mensch bezahlt Geld für Sex, weil er/sie das wirklich will. Dass ihr diese tiefe psychologische Selbsterniedrigung und -verletzung überhaupt nicht sehen wollt, obwohl ihr an anderer Stelle immer für Selbstliebe und ein wertschätzendes Verhältnis zum eigenen Körper eintretet, dann aber es als "valide Option" betrachtet, für Sex zu bezahlen, der all dies mit Füßen tritt, ist schwer zu begreifen.

Was aber wirklich unfair ist, ist dass ihr meine Ausführung zum Thema Sozialisierung nahezu vollständig zensiert habt und so nicht nur bestimmt, was veröffentlicht wird, sondern auch welche Wirkung in Verbindung mit eurer völlig verkürzten Antwort erzielt wird. Ihr nehmt allen Mitlesern/innen die Möglichkeit, sich selbst eine Meinung zu meiner unzensierten Aussage zu bilden und verdreht es so, dass es in die Schublade "Männer in der Opferrolle" passt. Es schmerzt mich, weil ich nie so ein Denken und den völligen Mangel an differenzierter Auseinandersetzung von euch erwartet hätte.

Ich habe mir sehr viel Zeit genommen, um anhand vieler Beispiele die riesige Diskrepanz, wie Männer und Frauen von kleinauf im Bezug auf Sex sozialisiert werden, wie sehr das unsere Gesellschaft durchdringt und unser Denken beeinflusst und welche Probleme es für Männer und Frauen mit sich bringt, aufzuschlüsseln, weil ich mit euch in den Diskurs treten und die tiefen gesellschaftlichen Wurzeln unseres Sexismusproblems an die Oberfläche bringen wollte. Ich könnte hier zig Fragen von Männern heraussuchen, die exakt das beschriebene, sozialisierte Männerbild verinnerlicht haben, zig Fragen von Frauen, die unsere Sozialisierung widerspiegeln. Zusätzlich die Polarisierung zwischen Feministinnen (natürlich nicht alle!), die sich in ihrer Bubble aufstacheln und Männergruppen mit frauen- (und damit auch männer-)verachtenden Denkweisen, die exakt diesem Männerbild folgen. Wie banal offensichtlich muss das Problem noch werden?

Und eure Antwort auf eine Betrachtung, die hinter die Kulissen guckt und Doppelmoral kritisiert, statt einfach nur einseitig alles bequem auf "toxische Männlichkeit" zu schieben, sondern wagt, das Sexismusproblem viel tiefer gesamtgesellschaftlich zu entlarven und damit Frauen und Männer gleichermaßen in die Verantwortung zu nehmen, besteht darin, dass ihr alles zensiert und mich in die Ecke stellt, ich würde Männer in die Opferrolle stecken?

Gerade weil ich eure Seite und eure oftmals so empathischen und reflektierten Antworten schätze, enttäuscht mich eure Antwort, in der ihr erschreckend schubladenmäßig etwas isoliert lesen wollt, was ich nicht geschrieben habe und meine Nachricht komplett zensiert, damit auch Mitlesern die Chance genommen wird, zu erfahren, was ich geschrieben habe und ein eigenes Bild dazu zu machen. Insbesondere die derart kalte, respektlos-abwimmelnde Art und Weise eures letzten Absatzes finde ich auf menschlicher Ebene sehr bedauerlich.

Eine letzte Bitte: Bitte lest euch irgendwann in einer ruhigen Viertelstunde meine Ursprungsnachricht noch mal durch und überlegt, ob ihr eure Antwort noch mal so schreiben würdet. Ihr müsst dann gar nicht erneut antworten. Es würde mir schon reichen, wenn es beim zweiten, unbefangeneren Lesen vielleicht doch noch bei euch zu einer sachlicheren Auseinandersetzung damit kommen würde.

Unsere Antwort

Unsere Online-Beratung erfüllt primär den Zweck, Menschen bei persönlichen Anliegen Unterstützung zu bieten. Die Online-Beratung ist nicht der ideale Ort für ausführliche Debatten. Wir behalten uns grundsätzlich vor, Anfragen in der Online-Beratung zu kürzen. Dies auch zum Schutz der Privatsphäre der Menschen, die sich bei uns beraten lassen.

Deine Anfrage haben wir ausführlich besprochen, aber tatsächlich nur sehr kurz beantwortet. Es ist verständlich, dass das für dich unbefriedigend ist. Und wir verstehen, dass du das kränkend erlebt hast. Das tut uns natürlich leid. Wir gehen nun nachträglich ausführlicher auf deine letzte Frage ein. Wir fügen hier herausgekürzte Abschnitte aus deiner letzten Frage an und geben unseren Kommentar dazu:

"Ihr guckt immer nur auf die Seite der Prostituierten, aber ignoriert völlig, was das psychisch mit dem Freier macht. Warum kaufen viel viel weniger Frauen als Männer Sex? Weil sie weniger Lust haben? Ich glaube, gerade auf dieser Seite wird klar, dass das nicht stimmt. In eurer Umfrage haben 68% der Frauen angegeben ein- oder mehrfach täglich/wöchentlich zu masturbieren. Auch berichten immer wieder Frauen erfreulich ehrlich (aber häufig mit Scham) über Ihre (große) Lust. Außerdem, wenn Männer Sex "brauchen", warum würde sicher die Mehrheit niemals zu einer Prostituierten gehen? Die meisten Männer und die allermeisten Frauen schließen bezahlten Sex nicht aus mangelnder Lust oder Rücksicht auf Prostituierte, sondern aus Selbstachtung aus."

Wir sind hier nicht deiner Meinung. Hier bräuchte es eine representative Umfrage, warum Menschen für Sex (nicht) zahlen. Kennst du eine? Wir wären interessiert. Und dann müsste man diese Umfrage aus unserer Sicht noch erweiteren: Wer zahlt (nicht) für eine Tantramassage? Oder eine Massage überhaupt? Wie steht es mit der Selbstachtung von Menschen, die für irgend eine Form von Intimität, Zärtlichkeit oder Körper-Wellness Geld zahlen?

Im Übrigen müsste man das auch folgendermassen erweitern: Wie steht es mit der Selbstachtung von Menschen, die sexuelle Handlungen als private Tauschgeschäfte machen, weil sie sich davon etwas erhoffen? Es gibt unglaublich viele Gründe, warum Menschen Sex haben. Die bekannte Sexologin Cindy Meston hat dazu ausführliche Studien gemacht. Du kannst das im Artikel Why Humans Have Sex: Development and Psychometric Assessment of a Short-Form Version of the YSEX? Instrument von 2020 nachlesen. Schau dir bei den Resultaten insbesondere die Kategorien "Social Status", "Resources" und "Utilitarian" an, und überleg dir wie das mit der Selbstachtung ist. Wir finden, dass es jedem Menschen frei steht, warum er in einer Situation Sex hat, und wir werten das nicht ab. Entscheidend ist für uns, dass alle Beteiligten aus freien Stücken mitmachen.

"Frauen werden jedoch so sozialisiert, dass sie die begehrten und umworbenen Sexobjekte sind und Männer minderwertige Menschen sind."

Wir finden, du verallgemeinerst hier auf eine nicht konstruktive Weise. Auch hier bräuchte es representative Umfragen. Zum einen über die Sozialisation von Männern und von Frauen. Bei dieser Umfrage sollten viele Faktoren berücksichtigt werden, z.B. physische Fitness, finanzieller Status, Beruf, Aussehen, Intelligenz, Alter. Zu all diesen Faktoren könntest du Aussagen machen, die analog deiner Aussage über Frauen und Männer sind. Du könntest z.B. genauso sagen, dass junge Frauen sozialisiert werden, dass sie begehrt und umworben sind, aber ältere Frauen keines Falls. Oder du könntest Frauen fragen darüber, wie viel sie verdienen und was ihre Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt, rund um Beförderung etc. sind, und wie sie aus dieser Sicht zu der Aussage, dass Männer als minderwertige Menschen angesehen werden, stehen. Was du schreibst, hängt möglicherweise mit deiner persönlichen Erfahrung zusammen. Wenn du dich als Mann minderwertig fühlst, kannst du etwas tun, damit du dich mehr wertschätzt. Du kommst nicht weiter, wenn du von dir auf alle anderen schliesst. Das meinten wir in der letzten Antwort, als wir fachliche Beratung erwähnt haben.

"Die Hürde, sich 180° entgegen des Gesellschaftsbilds zu verhalten und als Frau unterwürfig einem Mann Geld für Sex zu bezahlen, ist maximal hoch. Männer hingegen werden genau gegenteilig sozialisiert."

Das Wort "unterwürfig" befremdet uns. "Mutig" oder "selbstbewusst" könnte man auch schreiben. Es gibt nicht wenige Frauen, die gern für einen Callboy oder eine Tantramassage zahlen würden – wenn sie das Geld hätten. Schau dir mal an, wie teuer das ist. Übrigens gibt es auch nicht wenige Paare, die gern für Sex zahlen (würden, wenn sie das Geld hätten). Das kann etwas Spannendes, Bereicherndes sein.

"Schon als Kinder lernen Mädchen "Du bist aber hübsch" (Standardbegrüßung von Bekannten/Verwandten). Jungs lernen, dass sie keine Komplimente bekommen. Ab der Pubertät vergrößert die Modeindustrie die Kluft: Frauen sexy und körperbetont, Männer körperverhüllend. Wie oft sehen wir Männer in Filmen als sexy Objekt der Begierde, wie oft sexy halbnackt in der Werbung, wie oft in engen Hosen, bauchfrei oder in Minirock? Klingt komisch? Daran sieht man, wie sehr uns unsere Sozialisierung prägt. Denn all das ist 0% Biologie und 100% Sozialisierung."

Woher hast du all das? Auch hier: Schau dir Studien an. Die erste Studie, auf der wir bei einer sehr schnellen, unvollständigen Recherche bei Google gestossen sind, war diese Studie, die widerlegt, dass der Gender-Gap in Sachen Sexualitisierung heute so hoch ist.

"Neben der nahezu kompletten Unerotisierung des männlichen Körpers wird uns ein Bild von primitiven, triebgesteuerten Menschen eingetrichtert, für die es nicht nur das Höchste ist Sex mit Frauen zu haben, sondern die als Versager gelten, wenn sie zu wenig/keinen Sex haben und nicht jede Frau ins Bett kriegen (wollen)."

Auch hier: Woher hast du das? Wir fügen die weiteren Abschnitte deines letzten Schreibens hier nicht an. Denn sie beziehen sich alle auf die Aussagen, die du in den hier publizierten Abschnitten gemacht hast. Wenn du uns wieder schreiben möchtest, bitten wir dich, Umfragen/Studien/Literatur zu zitieren, auf die du deine Aussagen abstützt.

Wir wünschen dir einen schönen Sommer!

Diese Antwort gilt auch für Frage 40001.

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