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Frage Nr. 40054 von 18.07.2025

Ich (w,32) bin in ambulanter Therapie (PTBS, seit 2 Jahren) und muss zwischen den wöchentlichen Sitzungen immer an meinen Therapeuten denken, z.B. was er so von mir denkt/ was er von mir und meinen Problemen hält; ob ich ihm "wichtig" bin oder nur eine gewöhnliche Patientin mit der er Geld verdienen kann; was ihn insgesamt so beschäftigt; wie er seine Freizeit gestaltet...

Ich bin selbst seit Jahren in einer glücklichen Partnerschaft und habe kein Interesse an meinem Therapeuten, deshalb verstehe ich auch nicht, warum er in meinen Gedanken immer soviel Platz einnimmt. Zeitweise bin ich sehr genervt von meinen Gedanken und dass ich nicht einfach zu einer Sitzung gehen kann und in der wöchentlichen Pause nicht weiter über Therapie nachdenken muss. Habt ihr einen Tipp für mich?? MfG

Unsere Antwort

Mein Tipp ist: Sieh das gelassen an. Therapeut*innen können in den Köpfen der Klient*innen einen grossen Raum einnehmen. Sie können Vorbilder sein, sie können "Testbeziehungspersonen" sein, ja, und man kann für sie schwärmen. Sie können als Person interessant und wichtig werden. Es ist die Rolle der Therapeut*innen, die professionelle Distanz aufrechtzuerhalten. Dein Therapeut scheint das gut zu machen.

Du könntest dir überlegen, welche Aspekte du an deinem Therapeuten so faszinierend findest, und was er für dich verkörpert. Und dann schau dir die therapeutische Beziehung an: Was erlebst du in der Beziehung, was du in anderen Beziehungen nicht erleben kannst? Vielleicht kannst du dich auf eine Weise öffnen, wie du das noch nie konntest. Oder er strahlt dir gegenüber eine Ruhe aus, die du noch nie erlebt hast. Es kann auch sein, dass da ganz alte Sehnsüchte in dir wachwerden, die deine Eltern nie erfüllt haben.

Und dann ist da die grosse Sehnsucht, ein ganz besonderer Mensch zu sein. Herauszustehen und einzigartig zu sein. Wirklich wichtig zu sein. In einer therapeutischen Beziehung bist du während der Sitzung die wichtigste Person, aber du bist ausserhalb der Sitzungen eine von Vielen. Daher ist es wichtig, dass du lernst, auch im Privatleben und bestimmten privaten Beziehungen zu diesem Gefühl zu kommen, dass du einzigartig und wichtig und wertvoll bist. Ein Ziel der Therapie ist, dass du das lernst.

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