Ich bin weiblich und 30 Jahre alt. Ich habe ein Problem, wenn es darum geht, meinem Freund einen zu blasen. Wenn ich ganz ehrlich bin ekelt mich das irgendwie ein Stück weit an. Wir sind schon lange zusammen und haben auch öfter darüber gesprochen. Er geht da sehr verständnisvoll mit um und setzt mich da nicht unter Druck. Trotzdem fragt er mich ab und zu danach und ich weiß wie wichtig es ihm ist, ab und zu Oralsex zu haben. Und ich würde mir wünschen, da mehr auf ihn zugehen zu können.
Wir haben uns zum Beispiel auch schon darauf geeinigt, dass er vorher duscht oder seinen Penis wäscht. Aber sobald dann beim Oralsex etwas Lusttropfen rauskommt, löst das bei mir wieder Ekelgefühle aus. Meine Frage deswegen: was kann ich tun um Oralsex mit meinem Freund mehr zu genießen, und keine Ekelgefühle mehr zu haben?
Und darüber hinaus weiß ich, dass mein Freund es sehr mögen würde, auch in meinem Mund zu kommen. Das ist für mich natürlich momentan gar nicht möglich. Habt ihr Tipps für mich, wie ich vielleicht auch das irgendwann genießen sogar könnte?
Vielen Dank!
Unsere Antwort
Dein Ekel wird sich verändern, wenn du deine Perspektive wechselst. Jetzt stehst du unter dem Druck, dass du etwas nicht kannst. Druck ist zusammen mit Hilflosigkeit ein bewährter Ekel-Verstärker. Dein Freund wünscht sich Oralsex. Du möchtest ihm das Geschenk machen und setzt dich so selbst unter Druck. Da du nicht weisst wie du das bewerkstelligen könntest, wirst du hilflos. Damit ist der Weg zu deiner sexuellen Erregung verschlossen. Ohne erotische Stimmung ist der Penis zum Urinieren da. Urin gehört nicht in den Mund, sagt das Ekelgefühl und hat recht. Da nützt es nicht viel, wenn dein Freund sich wäscht.
Die Frage ist also, wie du deine erotische Stimmung unterstützt. Ein Helfer könnte dein Wunsch sein, ihm ein Geschenk zu machen. Du schenkst ihm ein intensives sexuelles Erlebnis. Könntest du dich von dieser Intensität anstecken lassen? Schliesslich bist du die ‚Steuerfrau’ seiner Erregung.
Perspektivwechsel kannst du üben. Offensichtlich beschränkt sich dein Ekelgefühl ja auf die Ausscheidungen des Penis, wenn er in deinem Mund ist. Du könntest also mal beobachten, wie und durch was du sexuell erregt wirst. Ist der Penis deines Partners eine sexuelle Erregungsquelle für dich? Schaust du ihn an? Mit welchen Körperteilen berührst du ihn? Mit der Hand? Mit der Wange? Kannst du ihn im trocknen Bereich küssen und lecken? Beobachte mal, wie weit du deine eigene sexuelle Erregung im Kontakt mit dem Penis mitnehmen kannst. Vielleicht hilft dir auch, mit einem Kondom zu üben.
- Einschub: Auch beim Oralsex können Infektionen übertragen werden. Hier findest du dazu Infos.
Der nächste Schritt wäre, mit dem Sperma fertig zu werden. Magst du Sperma auf deinem Körper? Kannst du es anfassen, verreiben etc. und dabei erotisiert zu bleiben? Kannst du Sperma an deiner Hand ablecken?
Lernen gelingt am besten, wenn du interessiert und neugierig sein kannst. Dabei kann auch dein Partner helfen, wenn er seinen Penis zeigt und du mit ihm üben kannst. Vielleicht könnte auch dein Geschlecht als Gesprächspartnerin mitspielen. Schliesslich handelt es sich beim Sex um eine Kommunikationsform. Vielleicht gibt unser Kapitel «Wie macht Sex zu zweit mehr Spass?» dazu Ideen.
Wir haben dir einen methodischen Weg beschrieben, wie du Oralsex lernen könntest. Ebenso wichtig ist aber auch, dass du den Druck los wirst. Wenn du merkst, dass Oralsex für dich überhaupt nicht geht, musst du das auch nicht können oder tun. In allen Beziehungen bleiben einige Wünsche unerfüllt. Vielleicht hattest du auch schon Herzenswünsche, die dir nicht erfüllt wurden. Dein Partner hat für seinen Wunsch die richtige Form gefunden. Jetzt möchtest du ihm gern seinen Herzenswunsch erfüllen. Und du bist bereit, in deine Beziehung zu investieren. Vielleicht redet Ihr mal miteinander darüber, wie Ihr es mit den Wunscherfüllungen halten wollt. Was macht er, wenn du einen Wunsch hast, den er nicht mag, nicht erfüllen kann oder blöd findet? Was machst du im gleichen Fall?
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