Guten Tag,
Ich (m, 35) suche eine alternative zum Kondom für die Verhütung, wo ich die Kontrolle behalte. Obwohl ich keine Kinder haben möchte, fällt mir schwer mich für eine Vasektomie zu entscheiden, weil es dann wirklich definitiv ist.
Gleichzeitig wurde mein ganzes Sexualleben immer von der Angst geprägt, dass meine Partnerin schwanger wird. Ich geniesse Sex deswegen nicht so sehr wie ich es möchte: Ängste im Nachhinein, ab und zu Vertrauensprobleme mit der Partnerin (Was wenn die Verhütung mal nicht klappt und sie das Baby behalten will?), und vor allem der Verlust an Nähe und Spontaneität.
Ich habe gelesen, dass es Forschung gibt um thermische Methode bei denen die Hoden warm gegen dem Körper gehalten werden.
Ich überlege auch, mein Sperma einfrieren zu lassen und dann doch eine Vasektomie zu machen.
Es scheint mir einfach abnormal einen Eingriff in meinem Körper zu machen, "nur" weil ich mehr Lust (Nähe, spontaner Sex) haben möchte.
Ich würde immer noch Kondome verwenden wenn ich nicht in einer festen Beziehung bin, wegen der STI, aber zumindest wäre das Thema Schwangerschaft definitiv weg.
Unsere Antwort
Momentan sind das Kondom und die Vasektomie die einzigen wirklich wissenschaftlich gesicherten und etablierten männlichen Verhütungsmethoden. Für die thermische Methode, die du ansprichst, sind die Studien viel zu klein und zu heterogen. Deshalb gilt diese Methode im Moment als eine experimentelle Methode. Derzeit wird dazu vermehrt geforscht, sodass in den nächsten Jahren möglicherweise etwas neues auf den Markt kommt.
Wenn du dir sicher bist, dass du tatsächlich keine Kinder haben möchtest, wäre die Vasektomie für dich die sicherste Verhütungsmethode. Natürlich ist das ein körperlicher Eingriff, aber er ist sehr klein, geht sehr schnell (15 min) und wird in lokaler Betäubung durchgeführt.
Allerdings scheinst du dir ja nicht ganz so sicher zu sein, sonst würdest du dir ja nicht überlegen, Spermien einfrieren zu lassen.
Prinzipiell sollte man eine Vasektomie eigentlich nur ins Auge fassen, wenn man sich sicher ist, dass die Familienplanung abgeschlossen ist. Es gibt aber immer wieder Situationen, wo das so schien, aber später dann eine erneute Operation gewünscht wird, in der die Durchgängigkeit der Samenleiter wieder hergestellt wird (das nennt man dann Vasovasostomie).
Das ist in vielen Fällen möglich und es können danach dann oft auch wieder Spermien im Ejakulat nachgewiesen werden. Aber auch wenn Spermien nachgewiesen können, hängt die Schwangerschaftsrate davon ab, wie lange die Vasektomie zurückliegt. Je länger das her ist, desto weniger wahrscheinlich ist mit dem Eintritt einer Schwangerschaft zu rechnen. Wenn es nicht gelingt, die Durchgängigkeit der Samenleiter wiederherzustellen, dann können in einem kleinen operativen Eingriff auch Spermien aus dem Nebenhoden oder aus Hodengewebe gewonnen werden. Und damit kann man eine künstliche Befruchtung durchführen, wobei das Spermium in der Regel direkt in die Eizelle injiziert wird.
Aber wie gesagt, man sollte eine Vasektomie eigentlich nur dann machen lassen, wenn man sicher ist, dass man tatsächlich keine Kinder mehr möchte. Der Weg zum eigenen Kind nach einer Vasektomie ist mit erheblichem Aufwand und Kosten verbunden.
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