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Frage Nr. 40979 von 17.03.2026

Ich lüge alle an und sage immer dass ich mein erstes Mal mit einem Mädchen hatte, nicht mit einem Jungen und ich weiß nicht, wieso ich das tue. Ich bin queer/lesbisch. Mein erstes Mal hatte ich mit einem Jungen, mein Ziel war offiziell keine Jungfrau mehr zu sein. Ich hab ihn nicht mal geküsst. Keine Ahnung ob er gemerkt hat, dass ich eigentlich nicht auf Männer / Jungs stehe, denke mal schon. Im wahrsten Sinne, war under einziger sexueller Kontakt dass er kurz rein und wieder raus ist, ich bin dann ins Badezimmer, habe sichergestellt ob ich keine Jungfrau mehr bin (was ich bestätigen konnte). Eine Woche später hat er sich nicht mehr bei mit gemeldet, kann sein, dass er mich fragte ob ich überhaupt auf Männer stehe und nicht gemerkt habe dass ich nein geantwortet habe. Meine Freunde meinten wenn man keine Jungfrau mehr ist, gilt man nicht als Außenseiter. Und dass nur Jungs ein Mädchen entjungern können.

Unsere Antwort

Diese Aussagen, die du gehört hast, sind so nicht richtig – aber sie können sich trotzdem sehr überzeugend anfühlen. Oft geht es beim „ersten Mal“ gar nicht so sehr um das eigene Gefühl oder Begehren – sondern um Druck von außen. Zum Beispiel durch Freund*innen oder Vorstellungen und Erwartungen darüber, wie Sex „sein sollte“. Annahmen wie: „Man muss entjungfert werden“ oder „sonst ist man Außenseiter“ können ziemlich stark beeinflussen, was wir tun – selbst wenn es eigentlich nicht zu uns passt.

In deiner Situation so zu handeln, war ein nachvollziehbarer Versuch, dazuzugehören und mit dem Druck umzugehen. Das sagt nichts darüber aus, auf wen du wirklich stehst. Deine sexuelle Orientierung wird nicht durch dein erstes Mal oder dein konkretes Erlebnis bestimmt. Mit der anderen Version deiner sexuellen Erfahrung versuchst du vielleicht deine Geschichte an das anzupassen, wer du heute bist. Dein Erlebnis zu „korrigieren“, das sich vielleicht nie richtig nach dir angefühlt hat. Eine Version zu erzählen, die sich stimmiger anfühlt.

Sexualität ist etwas, das wir lernen – durch Erfahrungen, durch andere Menschen, durch das, was wir hören und glauben. Gerade Freundeskreise können da viel Einfluss haben. Eine vollständige Wahrheit zu deinen sexuellen Erlebnissen bist du niemandem schuldig. Du kannst z.B. sagen: „Darüber will ich gerade nicht so ins Detail gehen.“ oder das Thema wechseln. Das ist kein Lügen, sondern Grenzen setzen. Du kannst eine ehrlichere und sichere Version finden, z.B.: „Mein erstes Mal war nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte.“. Oder du könntest es so betrachten: Es war eine Erfahrung unter Druck. Es hatte wenig mit deinem echten Begehren zu tun.

Du bist okay so wie du bist – unabhängig von diesem Erlebnis. Deine sexuelle Orientierung gehört dir – und du darfst sie selbst definieren. Sei neugierig mit dir, wozu du deine Geschichte manchmal anders erzählst, ohne dich dafür zu verurteilen. Was versuchst du damit für dich zu schützen oder herzustellen? Zugehörigkeit, Sicherheit oder ein stimmiges Bild von dir selbst? Was sagt das darüber aus, was du eigentlich brauchst? Mit solchen Fragen an dich gehst du freundlicher mit deinem Verhalten um. Vielleicht kannst du beim nächsten Mal, wenn das Thema aufkommt, bewusst ausprobieren, eine der für dich stimmigeren Antworten zu geben – und schauen, wie es sich anfühlt.

Diese Antwort gilt auch für Frage 40980.

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