Ich setz mal eben eine Trigger Warnung. Ich hab dieses sehr seltsame Problem, dass wenn ich als lesbische Frau irgendwo mitbekomme, dass eine lesbische Frau, was mit einem Mann hat, ich richtig wütend werde, obwohl ich die noch nicht mal kenne. Da ist so ein Drang, dass ich das auch unbedingt wissen will. Vor allem wenn die in der Öffentlichkeit stehen, dass ich mich direkt schützen will, dass die Leute nicht denken, dass ich das auch mache oder dass ich das jemals gemacht habe. Ich bin an einem Punkt, ich versteh mich selber nicht, mich belastet das. Ich möchte auch alle Frauen aussortiert aus meinem Leben, die sich als lesbische labeln und was mit Männern haben. Ich weiß nicht, warum ich dieses Bedürfnis habe. Für mich fühlt sich das an, als wäre ich die einzige lesbische Frauen, die noch nie was mit einem Mann hatte und deswegen stelle ich diese sexuelle Orientierung komplett infrage. Für mich wirkt das mittlerweile auch gar nicht mehr wie eine sexuelle Orientierung wie heterosexuell oder bisexuell, sondern einfach nur wie eine künstlich konstruierte politische Identität. Ich weiß, dass das schwierige Gedanken sind, die ich hier gerade äußere aber ich weiß nicht wohin damit und wie ich das ablegen kann.
Unsere Antwort
Danke, dass du das so offen ansprichst. Dass du bemerkst, wie stark dich das belastet und dass du es verstehen möchtest, ist erstmal etwas Wichtiges.
Es scheint dich nicht nur wütend zu machen, sondern auch tief zu verunsichern. Fast so, als würde das Verhalten anderer Frauen etwas in dir erschüttern oder bedrohen – vielleicht dein eigenes Verständnis davon, was lesbisch sein bedeutet oder was deine eigene Identität für dich sicher macht.
Du beschreibst auch einen starken Wunsch nach Abgrenzung und Eindeutigkeit. Das kann manchmal entstehen, wenn etwas innerlich sehr fragil oder existenziell erlebt wird. Dann wirkt jede Ausnahme plötzlich wie eine Gefahr für das eigene Gefühl von Orientierung oder Zugehörigkeit.
Dass andere Frauen andere Erfahrungen gemacht haben als du, bedeutet aber nicht automatisch, dass deine eigene sexuelle Orientierung weniger real oder weniger gültig ist. Menschen kommen auf sehr unterschiedliche Weise mit ihrer Sexualität, ihrem Begehren, gesellschaftlichem Druck oder ihrer Biografie in Kontakt. Daraus lässt sich keine allgemeine Regel ableiten, die deine eigene Erfahrung entwertet.
Außerdem wichtig: Auch schwierige oder widersprüchliche Gedanken und Gefühle dürfen sein. Entscheidend ist der Umgang damit: sich so zu verhalten, dass es andere nicht verletzt, sondern sich eher für die eigenen Reaktionen zu interessieren.
Vielleicht lohnt es sich, den Blick weniger auf andere Frauen zu richten und mehr darauf, was innerlich in dir passiert, wenn du mit solchen Geschichten konfrontiert wirst. Sehr starke emotionale Reaktionen entstehen oft dort, wo etwas Eigenes berührt wird – zum Beispiel ein Bedürfnis nach Sicherheit, Eindeutigkeit, Zugehörigkeit oder danach, mit der eigenen Identität gesehen und ernst genommen zu werden.
Und gleichzeitig möchte ich dir sagen: Für die meisten lesbischen Frauen ist Lesbischsein keine „künstliche“ oder rein politische Identität, sondern ein sehr tiefes persönliches Erleben von Anziehung, Verbundenheit und innerer Stimmigkeit. Dass manche trotzdem Erfahrungen mit Männern gemacht haben oder machen, kann ganz unterschiedliche Gründe haben und nimmt anderen lesbischen Frauen ihre Realität nicht weg.
Du musst diese Gedanken auch nicht sofort loswerden oder dich dafür verurteilen. Vielleicht kann es erstmal reichen, ihnen mit etwas Neugier zu begegnen und herauszufinden, was sie über deine eigenen Ängste, Bedürfnisse oder Verletzungen erzählen möchten.
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