Hallo liebes Team! Ich bin 32 Jahre, weiblich und habe 2 Kinder geboren. Bei der letzten Untersuchung hat die Frauenärztin gesagt, dass meine Vagina glatt wäre. Ist das nicht was pathologisches? Liegt sie nicht normalerweise gefaltet vor? Kommt das von den Geburten? Die letzte ist 6 Jahre her. Ich nehme auch Dienogest wegen Endometriose.
Seit den Geburten verunsichert mich einfach alles an meinem Körper und ich schäme mich extrem für meinen Intimbereich, da er Spuren davon trägt. Über eine kurze Erklärung würde ich mich sehr freuen. Viele Grüße!
Unsere Antwort
Ich weiss jetzt nicht genau, was die Frauenärztin ausdrücken wollte, als sie sagte, dass die Vagina glatt wäre. Für mich tönt es so, als wollte sie sagen: Es sieht alles normal aus. Und es liegen zum Beispiel keine Senkungen/Vorwölbungen der Vaginalwände vor.
Du hast natürlich recht, dass insbesondere die vordere Vaginalwand bei genauer Betrachtung Querrillen hat. Aber ich denke, dass die Frauenärztin grundsätzlich sagen wollte, dass alles in Ordnung war.
Ich kann verstehen, dass du dich schnell verunsichert fühlst, insbesondere, wenn du viele Schamgefühle in Bezug auf deinen Intimbereich hast und du das Gefühl hast, dass deine Geburten negative Spuren an deinem Körper hinterlassen haben. Es ist wichtig, dass du deine schwierigen Gefühle ernstnimmst. Gleichzeitig möchte ich dich ermutigen, zu beginnen, dein Selbstbild in eine positivere Richtung aufzubauen. Das ist möglich, wenn du daran glaubst und etwas Zeit und Energie darin investierst.
Im Moment schaust du dich mit der Negativ-Brille an, mit der «Scham»-brille, vielleicht auch mit der «Beschädigt durch Geburt»-Brille. Sie ist aber nicht die Wahrheit, sondern deine subjektiv negativ gefärbte Wahrnehmung. Es gäbe ebenso die «Stolz»-Brille. Dein Körper konnte zwei Kinder zeugen, austragen und gebären. Allfällige Spuren davon an deinem Körper erinnern dich eher daran, was für eine ausserordentliche Leistung dein Körper vollbracht hat. So wie vielleicht in alten Zeiten Krieger ihre Narben gerne zeigten als Zeichen ihrer Stärke und ihres Muts. Du könntest deinen Körper auch durch die «Wertschätzungs»-Brille anschauen, durch die du sehen könntest, was für ein Wunderwerk dein Körper ist mit all seinen Fähigkeiten. Es ist wirklich erstaunlich, wie stark unsere Wahrnehmung eingefärbt ist dadurch, wie wir uns sehen und mit welcher Einstellung.
Anstatt unsere weibliche Intimregion weiterhin mit Schamwörtern benennen zu lassen wie Schamlippen, Schambein etc. könnten wir uns klar davon abgrenzen und uns bessere Bezeichnungen wählen wie Geschlechtslippen, Vulva oder wir entwickeln noch neue Wörter. Und das beginnt mit einem Umdenken. Es gibt im Patriarchat leider eine jahrtausendalte gesellschaftliche Abwertung der Frau und ihres Körpers. Aber nun ändern sich die Zeiten und wir Frauen können vorausgehen und beginnen, Stolz für unsere Körper und dessen erstaunliche Fähigkeiten zu entwickeln, statt ständige Scham.
Es ist mir klar, dass es ein Prozess ist, der seine Zeit dauert, aber ich möchte dich sehr ermutigen, diesen Weg zu gehen – von der Scham zur Wertschätzung und Verbundenheit mit deinem Körper.
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