Hallo Lilli Team,
Letztes Jahr habe ich die gynäkologische Vorsorgeuntersuchung gehabt. Dieses Jahr hatte ich einen Termin abgemacht mit der Gynäkologin, für ein Beratungsgespräch für die Klärung persönlicher Fragen. Ich entschloss mich, kein neues Medikament zu nehmen, es blieb beim Alten. Gegen Ende des Termins forderte sie mich auf, mich bereit zu machen für den Untersuch (Ultraschall und Abstrich). Ich sagte nein. Da seufzte sie, verdrehte die Augen und forderte mich nonverbal auf, Platz zu nehmen. Ich fühlte mich unter Druck gesetzt und willigte ein. Nun geht es mir nicht gut.
Unsere Antwort
Erstmals tut es mir leid, dass es dir nach dieser ärztlichen Untersuchung nicht gut geht.
Was du beschreibst, ist leider ein häufiges Problem. Als Patientin im medizinischen System fühlt man sich oft unter Druck gesetzt, eine Untersuchung mitzumachen, die man in diesem Moment nicht möchte oder auch den Sinn dafür nicht versteht. Es ist in solchen Situationen schwierig, für sich und seine Anliegen einzustehen. Ungünstig ist natürlich auch, dass die Ärztin dich anscheinend nicht ernst genommen hat oder nicht wirklich verstanden hat, dass du keine Untersuchung möchtest und dich nonverbal unter Druck gesetzt hat.
Du spürst jetzt, dass es dir nach dieser Situation nicht gut geht. Deshalb ist es gut, wenn du darüber reflektierst und dir Hilfe suchst. Du hast also schon gut daran getan, es bei uns in die anonyme Online-Beratung zu schreiben.
Fragen, die du dir jetzt stellen kannst, sind: Wie kannst du dieses unangenehme Erlebnis einordnen? Wie kannst du dich regulieren, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen? Und was kannst du tun, dass du bei einer nächsten solchen Situation genügend zentriert und selbstbewusst bleibst, um klar auszudrücken, was für Untersuchungen du in einer Situation möchtest oder nicht möchtest, und dies der Ärztin verständlich vermitteln kannst?
So unangenehm diese Situation auch war – du hast nun die Wahl, daraus einen persönlichen Entwicklungsschritt zu machen. Die Situation hat dir gezeigt, dass deine Grenzen überschritten wurden, beziehungsweise dass du eine Untersuchung über dich hast ergehen lassen, die du in dieser Situation nicht wolltest. Du kannst dich dazu entscheiden, der Ärztin ein Feedback zu geben, wie unangenehm du ihr Vorgehen erlebt hast. Und/oder du kannst deine eigenen Möglichkeiten explorieren, wie du in Zukunft eine solche Situation anders lösen könntest. Dafür braucht es ein Entwickeln einer guten eigenen Verankerung, ein Erkennen der eigenen Grenzen und ein Einstehen für diese, sowie das Einüben einer Kommunikation, mit welcher du anderen klar vermitteln kannst, was du brauchst und möchtest beziehungsweise nicht möchtest. Das ist alles nicht einfach und in Systemen, in welchen eine gewisse Hierarchie besteht und wir auch nicht genau wissen, was auf uns zukommt, ist es besonders schwierig. Aber es ist möglich, es zu üben und immer besser darin zu werden, wenn wir die klare Absicht dafür haben.
Wenn du solche oder ähnliche Situationen schon mehrmals erlebt hast, könnte es sinnvoll sein, dir auf diesem Entwicklungsweg therapeutische Hilfe zu holen.
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