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Frage Nr. 39689 von 28.04.2025

Hallo liebes Lilli Team,
ich bin 24 Jahre alt und hatte noch nie Sex. Das liegt vermutlich daran, dass ich sehr lange dafür gebraucht habe, um mich selbst als schwul zu akzeptieren. Leider habe ich seit längerem die sexuelle Fantasie Frauenunterwäsche und speziell Spitzenunterwäsche zu tragen. Der Gedanke andere Männer so zusehen erregt mich zwar, aber am stärksten ist er, wenn ich selbst welche tragen würde. Dazu zwei Fragen:
1. Ich schäme mich dafür sehr und ich versuche diese Phantasien loszuwerden. Meinen Sie, dass das nur eine Phase ist und vielleicht wieder vorbeigeht oder ob das eine permanenter Teil meiner Sexualität ist? Falls zweiteres der Fall sein sollte, habe ich große Angst von anderen schwulen Männern dafür abgelehnt zu werden und noch länger „Jungfrau“ zu bleiben. In meinem Umfeld gibt es nur sehr „männliche“ schwule Männer und ich habe niemanden mit dem ich darüber reden kann.
2. Ich habe auch Angst, dass falls ich anfange Frauenunterwäsche zu tragen, als pervers abgestempelt zu werden und dass ich danach nur noch stärkere Phantasien habe. Seit etwa einem Jahr trage ich Nagellack was mich sehr glücklich macht und ich stehe auch dazu, aber vermute, dass das der Ursprung für diese Phantasien sind. Können sich sexuelle Phantasien potenzieren und noch stärker werden?
Danke im Voraus.

Unsere Antwort

Antwort 1: Es wird dir auch nicht gelingen, die Fantasien mit deinem Willen ‚loszuwerden’. Du möchtest, dass deine jetzige Erregungsquelle eine Phase deines sexuellen Lebens sein soll. Dann nimm dich ernst und setz dich dafür ein. Da du noch nicht auf Erinnerungen an partnerschaftliche sexuelle Erfahrungen aufbauen kannst, ist die Frauenunterwäsche im Moment eine starke und vielleicht deine einzige Erregungsquelle. Wenn du sie durch häufige Wiederholungen festigst, bleiben sie dir erhalten. Du würdest dich dafür schämen und immer weniger Mut haben, eine reale  Beziehung zu einem Mann einzugehen. Diesen Entwicklungsweg möchtest du nicht einschlagen. Um dein Erregungsquelle-Spektrum zu erweitern, raten wir dir, dich um dein Selbstvertrauen zu kümmern. Wir empfehlen dir unser Kapitel «Beziehungen eingehen» in Ruhe zu lesen.

Frage 2: Wenn du dich mit Frauenunterwäsche zeigst, kann es sein, dass du abgelehnt wirst. Du erkennst auch richtig, dass du dadurch sehr gekränkt und entmutigt sein könntest und dich mit den Fantasien tröstest. Dann werden sie zu tröstenden Rückzugsorten. Deinem Selbstvertrauen und deinen Beziehungswünschen hilft das nicht. Wir raten dir, deine Fantasien zu lesen und zu deuten. Sie zeigen dir eigentlich, was für ein Mann du bist. Du liebst feine Stoffe und Spitze. Wenn du sie am eigenen Körper trägst, möchtest du Männer erregen. Ist dir nur diese erregende Wirkung wichtig? Oder hast dein Körper, bzw. deine Haut auch Freude an den Stoffen? Du magst Nagellack und kannst dies offen zeigen. Hier hast du dir den Mut und das Selbstvertrauen erarbeitet. Nagellack gehört jetzt zu deiner Identität. Wir wollen dir damit sagen: Was für ein Mann du bist und wirst, ist nicht irgendwo festgeschrieben. Du hast viele Gestaltungsmöglichkeiten für deine Identität. Etliche Modemachende z.B. wollen mit Mode&Gender die Stereotypen der Männer- und Frauenkleidung auflösen. Damit möchten sie Wege für die individuelle Gestaltung öffnen. Du bist also gar nicht allein unglücklich mit den engen Vorschriften von Männer- und Frauenbildern. Für deine Entwicklung kannst du in drei Schritten vorgehen:

  1. Nimm dich selbst so an wie du jetzt bist. Versuche respektvoll und wertschätzend zu bleiben.
  2. Was könnte aus dem Mann, den du gut kennst (also dir), werden. Was für ein Mann möchtest du werden? Bleib dabei so realistisch wie möglich.
  3. Mach einen Plan für deine Entwicklung, den du ernst nehmen kannst. Gib beim Lernen nicht auf. Es geht nicht darum, ob du etwas kannst oder nicht. Frag dich, wie du deine Ziele erreichst.

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