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Frage Nr. 39710 von 03.05.2025

Liebes lilli-Team,
ich weiß gar nicht so richtig wo ich anfangen soll. Ich bin weibl., 23 Jahre alt und mittlerweile ist ein ganzes Jahr vergangen, was wirklich schlimm für mich war. Im Sommer 2024 ging ich eine Beziehung mit einem Mann ein, für den ich unglaublich viele Gefühle hatte. Wir waren sofort auf einer Wellenlänge und hatten eine sehr schöne Zeit.

Eigentlich sollte man seinen Partner gerade in der Anfangsphase so oft wie möglich sehen wollen, doch schon nach kurzer Zeit waren ihm andere Sachen wichtiger. Seine Werkstatt, sein bester Freund gingen vor, er meldete sich tagsüber gar nicht, war ständig online und rief nur spät am Abend mal an. Ich war diejenige, die immer nach Treffen gefragt hat. Habe in dieser Zeit meine Freundinnen öfter gesehen als ihn. Kurz gesagt, ich war alleine, obwohl ich in einer Beziehung war. Das Ganze ging auch nicht lange, nach 2 Monaten zog ich den Schlussstrich, bin dann aber schon am nächsten Tag wieder hin, weil ich es bereut habe. Da hieß es seinerseits er hätte Zeit für eine Beziehung, er kann mir nicht das geben, was ich verdiene.
Es sind Wochen vergangen, in denen es mir so schlecht ging wie noch nie. Ich saß nur noch rum und hing am Handy, konnte meine eigenen Hobbys nicht ausleben, weil ich mich nicht aufraffen konnte und floh von einem Treffen mit Freunden ins Nächste. Gab es kein Treffen und ich war alleine zu Hause, hatte ich das Gefühl durchzudrehen. Ich konnte nicht mehr alleine sein und kann es bis heute nicht.

Eigentlich geht es mir immernoch genauso, nur mit dem Unterschied, dass er sich wieder gemeldet hat. Im Herbst fragte er nach Treffen, wir könnten Freunde sein und immer mal was unternehmen. Weil ich das Gefühl hatte, es würde mir damit besser gehen, sagte ich zu. Es war ein ewiges Hin und Her meiner Gefühle. Ich liebe ihn immernoch und ich weiß nicht wieso. Meine Laune änderte sich von Hass, zu Trauer, zu glücklich, wenn ich wusste, ich sehe ihn bald. Ich musste immer wissen wann unser nächstes Treffen anstand, um mich auf etwas Kommendes zu freuen. Um die Weihnachtszeit war es besonders schlimm, viele freie Tage und er fragte immer weiter.

Wir schliefen wieder miteinander und ich muss sagen, dass es bis heute anhält. Anfang 2025 war es wieder so gut, dass wir es nochmal mit einer Beziehung versuchten. In dieser Zeit sahen wir uns nicht oft, ich fragte, er hatte keine Zeit. Am Anfang hieß es er nimmt sich jetzt die Zeit. Ich sollte mir jeden Samstag Abend etwas vornehmen, da macht er immer was mit seinen Jungs. Er ging oft feiern und ich erinnere mich an einen Abend. Ich wollte auf ihn warten, weil keiner meiner Freundinnen Zeit hatte. Bin dann irgendwann schlafen gegangen und als ich gegen 6.00 Uhr wach wurde, war er immernoch nicht da. Gegen 7 kam er dann irgendwann und ich merkte immer wieder, ich bin alleine, obwohl ich in einer Beziehung bin. Nicht zu wissen, wann wir uns sehen machte mich fertig, mich zurückzustellen und immer andere zu fragen um etwas zu unternehmen, obwohl ich eig etwas mit ihm machen wollte, machte mich fertig. Nach ein paar Wochen an einem Freitagabend (kurz bevor ich zu ihm wollte) schrieb er mir eine Nachricht. Ich frage und frage und frage und er hat keine Zeit. Er fühlt sich gestresst von mir und kommt zu nichts in seiner Werkstatt. Daraufhin war er 4 Tage wie vom Erdboden verschluckt.

Dann wieder eine Nachricht, wir können nochmal reden aber das macht er nur für mich, nicht für sich. Hab dann gesagt nein danke und mich distanziert. Immer, wenn ich mich distanziere, kommt er wieder. Also ging es jetzt wieder los und ich stehe wieder vor dem gleichen Punkt. Er schreibt, wir machen was, weil es mir auf diese kurze Zeit besser geht wenn ich weiß, ich sehe ihn. Aktuell meint er immer wir können jetzt öfter was machen und dann kann man mal schauen, was daraus wird. Ich hab mich in dieser ganzen Zeit sehr viel mit Bindungsstilen beschäftigt. Ich bin ängstlich, er vermeidend. Zumindest trifft immer alles darauf zu. Oder kann es sein, dass es schon narzisstische Züge sind?
Ich komme nicht davon los, habe aber auch das Gefühl, dass ich es gar nicht will. Dass ich eig will, dass er sich ändert und alles einfach gut ist. Aber dennoch weiß ich, wie dumm das eigentlich ist. Ich weiß nicht mehr weiter.

Unsere Antwort

Sicher ist, dass du sehr unglücklich bist. Du trägst dieses Unglück jetzt schon fast ein Jahr. Du hast dich mit dem neuen Freund auf gleicher Wellenlänge gefühlt und mit ihm eine schöne Zeit erlebt. War die Zeit so schön, weil du so unglaublich viele Gefühle fühlen konntest? Das wäre verständlich und kommt relativ häufig vor. Du hast dich zu einer jungen Erwachsene entwickelt, die sich eine Beziehung wünscht. Deine Gefühle haben dir deine Bereitschaft dafür gezeigt. Da deine Gefühle sind im Kontakt mit deinem Freund entstanden, hast du gedacht, er hätte genauso viele Gefühle für dich, wie du für ihn. Das hast du nicht mehr überprüft. Das ist normal, wenn man selbst so viele Gefühle hat. Er hat dir allerdings von Anfang an deutlich gezeigt, dass er sich nicht viel Zeit nehmen wird und ihm Vieles wichtiger ist als du. Deine Gefühle haben das nicht verstanden. Sie haben sich nicht von ihm zurück gezogen und wurden zu Hoffnungen und Wünschen. Das erklärt, warum du es mit dir allein nicht so gut aushältst. Darum stehst du unter Dauerspannung, ob und wann er sich meldet und ob er vielleicht doch so viel fühlt wie du. Nach fast einem Jahr Prüfungszeit hast du wohl gelernt, dass er andere Bedürfnisse hat als du. Lies dazu bitte auch diesen Text.

Wie wäre es, wenn du deine Gefühle zu deinen Fähigkeiten zählst? Du bist die, die tief fühlen kann. Mit so einer Fähigkeit muss man sorgfältig umgehen. Das hast du gemerkt. Wenn die tiefen Gefühle an der falschen Person kleben bleiben, fühlt man sich allein. Wenn die tiefen Gefühle von der Beziehungsperson beantwortet werden, fühlt man sich glücklich.

Wir raten dir, dein Gefühl als eine Fähigkeit anzusehen, die dir gehört und die du selbst verwaltest. So könnten dir deine Gefühle helfen, dich zu trösten und einen eigenständigen Weg zu gehen. Um dir den Weg zu erleichtern, könntest du dir eine Psychotherapeutin suchen, die dich unterstützt. 

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