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Frage Nr. 39874 von 12.06.2025

Hallo Lilli,
Ich hatte Frage Nr. 39827 gestellt. Herzlichen Dank für eure Antwort. Ihr habt mich auch gefragt, was es mit mir macht, wenn ich solche Gedanken habe, wieso sie mich stressen und warum ich möchte, dass das aufhört.

Ich gehe mal der Reihe nach durch:

1. Wie schon gesagt, es stresst mich. Und es macht mir ehrlich gesagt Angst. Außerdem ich schäme mich deswegen.

2. Das Beispiel aus meiner vorigen Frage war eins der (zum entsprechenden Zeitpunkt) aktuellsten, aber bei Weitem nicht das schlimmste. Letzten Montag bspw. war ich unterwegs und so empfindlich ("auf 180"), dass ich mehrmals einen starken Drang verspürt habe, jemanden umzubringen. (Und dann mich selbst. Ich habe Depressionen). Ich bin froh, dass ich keine Waffe oder so besitze.
Ich bin im Allgemeinen äußerst konfliktscheu. Ich versuche, andere Leute nicht zu stören und mich deshalb insbesondere in der Öffentlichkeit (in der Straßenbahn bspw.) zurückhalten. Und ich finde, dass andere das auch tun sollten, aus Rücksicht und Höflichkeit. (Wenn das jemand dann nicht macht, gerate ich in der Regel wiederum sehr schnell in Wut.) Und jemanden zu beleidigen oder anzugreifen (wie ich es mir vorstelle) ist ja ebenfalls nicht gerade rücksichtsvolles Verhalten.^^
Es ist auch schon vorgekommen, dass jemand mein tatsächliches Verhalten als unhöflich empfunden hat, obwohl ich mich gar nicht aggressiv verhalten habe. (Ich habe im Zug Leute die neben mir saßen um Ruhe gebeten.) Da war ich dann sowohl wütend (und hätte dem Typen am liebsten vor allen Leuten die Kehle aufgeschlitzt) als auch verunsichert, weil ich mich unwillkürlich hinterfragt habe - "war ich vielleicht wirklich unhöflich?".
Dazu kommt, dass ich körperlich einfach nicht stark oder trainiert bin, d.h. wenn jemand tatsächlich gewaltätig werden sollte, hätte ich schlechte Karten. Auch deshalb möchte ich die Situationen, die ich mir da vorstelle, nie erleben.

3. Warum ich möchte, dass das aufhört, sollte sich aus den vorigen Antworten erschließen, denke ich. Aber um es nochmal auf den Punkt zu bringen: a) Es passiert sehr oft (mehrmals pro Woche), b) es erzeugt jede Menge unangenehme Gefühle und c) ich komme mir dem Ganzen ausgeliefert vor. Es ist d) also mehr als nur harmloses Kopfkino wenn mein Gehirn gelangweilt ist. Zumindest laufen - um im Bild zu bleiben - die falschen Filme.

Bitte helft mir, das Ganze macht mich z.T. echt fertig. Vielen lieben Dank euch!

Unsere Antwort

Vielen Dank, dass du nochmal geschrieben hast. Das Ausmass war mir aus deiner letzten Beschreibung tatsächlich nicht klar. Die weiteren Informationen helfen mir, deine aggressiven Gedanken besser einzuordnen. Die Herangehensweise bleibt jedoch im Wesentlichen die gleiche. Diese Gedanken sind nicht gefährlich und du musst sie nicht loswerden. Stattdessen geht es darum, deine Verunsicherung durch die Gedanken zu mildern. Ich halte es daher für sinnvoll, dass du dich mit deiner Abwehr von Aggression beschäftigst.

Das wichtigste vorweg: Du bist kein schlechter Mensch wegen dieser Gedanken. Die Häufigkeit und das Ausmass dieser Gedanken erhöht nicht die Wahrscheinlichkeit dafür, dass du diese in die Tat umsetzt. Wenn du versuchst, die Gedanken und Vorstellungen loszuwerden, wirst du eher mehr statt weniger davon bekommen. Wenn du die Gedanken und Vorstellungen akzeptierst, werden die unangenehmen Gefühle durch die Gedanken und Vorstellungen weniger und du kannst dich schneller wieder anderen Dingen zuwenden. Auch die unangenehmen Gefühle wie Angst und Scham sind normal. Auch das kannst du lernen. Das ist nicht ganz einfach, aber zu schaffen.

Seit wann hast du das eigentlich? Und wie alt bist du? Nimmst du wegen der Depression Medikamente?

Depression und Aggression können sehr nah aneinander sein. Bist du in Behandlung? Wenn du Aggression angehen willst, dann ist es wichtig auch die Depression anzugehen und umgekehrt. Hast du in der Therapie von den Gewaltfantasien gesprochen? Wie wurde damit therapeutisch umgegangen? Hat das was bewirkt?

Du schreibst von Konfliktscheue und dass du dich häufig zurücknimmst. Und dass die Gewaltfantasien ja genau das Gegenteil davon sind. Damit liegst du ganz richtig. Das Runterschlucken und Abwehren von Aggression kann ausserdem deine Depression begünstigen.

Beim Umgang mit Verhaltensweisen, die du an dir seltsam findest, kann es helfen, die Logik dahinter zu suchen. Woher kommt deine grosse Konfliktscheue und Höflichkeit? Ordne sie in deine ganz persönliche Lebensgeschichte ein. Du hast das offensichtlich hervorragend gelernt und du kannst auch wieder neues lernen.

Aggression bedeutet eigentlich "auf etwas zugehen". Das kannst du wohldosiert, sozialverträglich und konstruktiv für dich einsetzen. Du kannst lernen mit deiner Aggression in Beziehung zu treten. Dabei könnte dir zum Beispiel ein Selbstbehauptungstraining helfen oder ein Kampfsport. Generell stelle ich es mir hilfreich vor für dich, dass du dich in deiner Kraft erlebst - bei welchem Sport oder welcher Tätigkeit auch immer.

Ich lade dich dazu ein, uns wieder zu schreiben. Gib dann bitte wieder die Nummer dieser Frage an.

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