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Frage Nr. 39955 von 27.06.2025

Zu 37071
Ich finde es sehr schwierig, wie ihr die Frage des Mannes beantwortet.
Der letzte Absatz klingt, als würde man sich abmühen müssen, um dann Sex zu haben. Man müsste sich paar Mal treffen, um das endlich zu bekommen, wie anstrengend.
Das macht mich als Frau wütend. Auch dass ihr dann käuflichen Sex so leicht anbietet, ohne darauf hinzuweisen, wie diese Milieu ist. Worauf man achten sollte, was damit für Konsequenzen zusammen hängen. Wie man weiß, ob das jemand freiwillig verkauft.
Ich bin sehr enttäuscht, da ich bis jetzt alles immer so toll fande, was ihr geschrieben habt.
Es gibt sehr viele Frauen, die mit einem Mann niemals zusammen sein wollen würden, der sich Sex kauft und es anstrengend findet, dass er mehrere Dates braucht, um Sex zu kriegen.
Sex kriegt man nicht, das ist etwas, was man erleben kann, zusammen erschafft.
Wenn Menschen dies auf andere Weise erleben wollen, ok, dann finde ich aber, dass Ratschläge differenzierter mit einem Auge auf die Gefahren erfolgen sollten. Es leiden so viele Frauen in der Sexarbeit. Die sich bestimmt wünschen würden, dass man da mehr aufklärt. Es ist auch gefährlich, wenn diese Aussagen von jungen Menschen so öffentlich gelesen werden können. Gerade durch die Sexindustrie, auch online, werden so viele Frauen gedemütigt. Es werden Haltungen verbreitet...
Ich kann verstehen, wenn ihr meine Meinung dazu nicht gerechtfertigt findet, aber mir war es ein Anliegen, das zu schreiben. Kritik heißt ja auch, etwas von einer anderen Seite zu beleuchten.
Das gilt auch, wenn dies einer Frau geschrieben worden wäre oder einem schwulen Mann!

Unsere Antwort

Wir bedanken uns für deine konstruktive kritische Rückmeldung.

Der Satz, den du kritisierst, steht im Kontext einer ausführlichen Antwort, in der wir auf respektvolles Verhalten eingehen. Wenn jemand unbedingt Sex mit einer anderen Person möchte, und sich diesen Wunsch nicht erfüllen kann, finden wir den Frust nachvollziehbar. Unsere Haltung ist, dass wir den Mann in seinem Wunsch, sich ein sexuelles Bedürfnis zu erfüllen, ernst nehmen. Käuflicher Sex stellt für uns eine valide Option dar. Es gibt sehr viele professionelle Bordelle, in denen sexuelle Dienstleistungen angeboten werden.

Wir geben dir vollkommen Recht, dass Haltungen zu Sexarbeit unterschiedlich sind. Sie werden sehr kontrovers und mitunter auch sehr emotional debattiert. Wir nehmen deine Rückmeldung zum Anlass innerhalb des Teams zu reflektieren, welche zusätzlichen Hinweise uns sinnvoll erscheinen. In der Zwischenzeit habe ich schonmal einen Hinweis auf den respektvollen Umgang eingefügt in unserer ursprünglichen Antwort.

Sicher ist uns wichtig, dass Sexarbeiter*innen mit Respekt behandelt werden. Wir halten es für wichtig, dass Menschen, die Sex kaufen, auf Schutz vor STI und Schwangerschaften achten, um sich selbst und die Sexarbeiter*in zu schützen. Und selbstverständlich sollten sie die Sexarbeiter*in mit Respekt behandeln. Ausserdem sollten keine Angebote in Anspruch genommen werden, bei denen die Umstände zwilichtig erscheinen. Ich gebe dir Recht, dass diese Dinge aufgrund hoher Stigmatisierung nicht selbstverständlich sind und daher ein expliziter Hinweis darauf sinnvoll ist.

Womit du ebenfalls Recht hast, ist, dass Sexarbeiter*innen ein höheres Risiko haben, Gewalt zu erfahren im Kontext ihrer Arbeit und die Arbeitsbedinungen häufig prekär. Das trifft allerdings auch auf viele andere Berufe zu. Zum Beispiel in der Pflege beim Umgang mit dementen Patient*innen. Eine hohe Arbeitsbelastung emotional und körperlich unter unsicheren Bedingungen finden wir ebenfalls in vielen anderen Berufen.

Wo wir dir allerdings klar widersprechen, ist, dass Sexarbeit gleichzusetzen ist mit Gewalt. Dabei orientieren wir uns vor allem an den Aussagen von Betroffenen. Selbst Menschen, die ursprünglich über Menschenhandel in die Sexarbeit gelangt sind, kehren manchmal wieder zur Tätigkeit der Sexarbeit zurück, nachdem sie sich aus den missbräuchlichen Bedingungen befreit haben.

Sexarbeiter*innen (es gibt einen erheblichen Anteil an trans Personen unter Sexarbeiter*innen) werden häufig als Opfer dargestellt und Menschenhandel und Sexarbeit werden fälschlicherweise häufig gleichgesetzt. Wenn Sexarbeiter*innen selbst befragt werden, bezeichnen sie ihre Arbeit als Arbeit. Und sie wünschen sich auch eine Anerkennung dessen. Zu diesem Thema möchte ich dir die kürzlich veröffentlichte Studie der Deutschen Aidshilfe empfehlen "Was brauchen Sexarbeiter*innen?".

Wir finden, es gibt grundsätzlich unterschiedliche Beweggründe, Sex zu haben. Hinter der Auffassung, Sexarbeit sei per se gewaltvoll, steckt in der Regel die Überzeugung, dass Sex nicht gegen Geld getauscht werden sollte, sondern nur gegen Liebe oder Lust. Es geht hierbei um moralische Überzeugungen, die man teilen kann oder nicht. Hinter diesen moralischen Überzeugungen stecken Vorstellungen davon, was eigentlich die Ware ist, bei einer sexuellen Dienstleistung. Es gibt Formulierungen, die Ware sei "der Körper". Das ist jedoch nicht sachlich richtig. Die Dienstleistung ist eine Tätigkeit, die die Person gegen Bezahlung ausführt.

Ja, es gibt Frauen, die niemals einen Partner wollen, der in seinem Leben schon einmal Sex gekauft hat. Es gibt auch Frauen, die niemals einen Partner wollen, der Fleisch isst oder der innerhalb von Europa ein Flugzeug benutzt. Hier gibt es sehr große Unterschiede was als moralisch richtig und falsch eingeschätzt wird.

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