Guten Tag,
ich bin ein männlicher Mitleser von Nr. 40563 und interessiere mich dafür, auf welchen Fragesteller sie bzw ihr ("Der Fragesteller, auf den du dich vermutlich beziehst, schreibt sehr emotional und provokant. Das löst natürlich auch beim Lesen starke Emotionen aus. Nimm das nicht persönlich. Er schreibt aus seiner eigenen Frustration heraus und spricht nicht dich persönlich an.") euch bezieht, weil sie und ihr einige pauschale Aussagen tätigt, mit denen ich nicht einverstanden bin.
Die Fragestellerin sagt, Männer würden "Vieles verdrehen" und sich als Opfer von Diskriminierung sehen. Könnte sie konkrete Beispiele nennen? Ich bin nicht einverstanden, dass ihr diese Pauschalaussagen ohne nachzufragen stehen und euch zu einem diskriminierenden Satz hinreißen lasst: "Ich kann sehr gut verstehen, wie frustrierend es für dich ist, zu lesen, wie Männer sich selbst in einer Opferrolle wahrnehmen." Möchtet ihr damit wirklich in Abrede stellen, dass Männer (in den letzten 5-10 Jahren besonders zunehmend) gesellschaftlich diskriminiert werden? Eure Autoren*innen bemühen sich in den meisten Antworten um eine zumindest noch halbwegs differenzierte Betrachtungsweise und Geschlechterverständigung.
Da die Fragestellerin pauschale Vorwürfe über Männer mit Aussagen über ihre Familie vermischt, ist schwer zu erkennen, auf wen sich ihre Aussage "patriarchale Privilegien und Macht geniessen, ohne sie zu sehen (weil selbstverständlich), Gewalt ausüben und Kinder ausbeuten, nur um sich dann gekränkt als Opfer darzustellen?" bezieht. Ich hoffe, es bezieht sich ausschließlich auf die Männer ihrer Familie (ob berechtigt oder unberechtigt entzieht sich unserer Kenntnis, weil wir nur ihre Aussage kennen).
"ich bin mir bewusst, dass auch Männer Gewalt erleben (meist durch Männer)": Worauf stützt die Fragestellerin ihre Behauptung? Bei körperlicher Gewalt würde ich mit Betonung auf "meist" zustimmen, obwohl mich interessieren würde, wie viele Übergriffe von Frauen verharmlost, relativiert oder aus Scham von Männern nicht angezeigt werden. Bei psychischer Gewalt stimme ich ihrer Aussage nicht zu. Tut ihr das?
"dass Männer für ihre Taten verantwortlich sind" -> Korrektur: "dass Männer und Frauen für ihre Taten verantwortlich sind".
Falls der Fragestellerin Leid von Männern zugefügt wurde, wünsche ich ihr aufrichtig alles Gute bei der Bewältigung des Erlebten.
Unsere Antwort
Ich habe meine Antwort auf diesen Abschnitt in Frage 40563 bewusst in zwei Teile geteilt um allgemeine Aussagen von persönlichem Erleben zu unterscheiden. Im ersten Abschnitt bin ich darauf eingegangen, was das Lesen der anderen Frage mit der Fragestellerin gemacht hat. Und danach bin ich auf ihre persönliche Situation und die Menschen in ihrer Umgebung eingegangen.
Mit meinem Satz "Ich kann sehr gut verstehen, wie frustrierend es für dich ist, zu lesen, wie Männer sich selbst in einer Opferrolle wahrnehmen" wollte ich nicht sagen, dass Männer keine Opfer sein können. Du hast aber Recht, dass dieser auch so gelesen werden kann. Das war nicht meine Absicht.
Natürlich erleben auch Männer Diskriminierung und Gewalt. Aber Vergleiche, welches Geschlecht „mehr“ davon erlebt, bringen niemanden weiter. Wenn über die Diskriminierung von Frauen gesprochen wird, bedeutet das nicht, dass Männern abgesprochen wird, ebenfalls betroffen zu sein. Und umgekehrt genauso wenig. Wer wirklich etwas gegen Diskriminierung und Gewalt verändern will, muss die jeweiligen Situationen genau betrachten und auch den Kontext nicht ausser Acht lassen. Denn bei Diskriminierung und Gewalt spielt meistens nicht nur das Geschlecht eine Rolle, sondern auch Dinge wie Alter, Herkunft, soziale Lage, Machtverhältnisse usw.
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