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Frage Nr. 40748 von 27.01.2026

Hallo Lilli. Ich habe eine Frage zu mir, meinem Schamgefühl und meiner Beziehung. Ich bin weiblich und seit zwei Jahren mit einem Mann zusammen der täglich pornos konsumiert, wie auch sexuell erfahren ist. Ich bin grundsätzlich unheimlich brav erzogen, Sex war ein großes Tabu in der Familie. Ich entwickelte jedoch schnell Interesse mehr zu erfahren. Ich schaute in jungen Jahren viele Pornos, laß Bücher und fing auch an mich mit BDSM stark zu beschäftigen. Somit kenne ich mich schon relativ gut aus. In meinen letzten Partnerschaften stieß das jedoch auf Abneigung und mir wurde oft gesagt, das ich nicht normal wäre. So wie ich es auch im Elternhaus lernte.

Nun ist mein aktueller Partner aber sehr freudig im ausprobieren. Sagt aber das er seine sexuellen Bedürfnisse nur mit mir teilen möchte. Wie z.B Pornokinos oder Glory Holes für mich. Er möchte mich bei meiner sexuellen Orientierung beobachten und es mache ihn wahnsinnig an, mich beim Sex mit anderen zu sehen. Selbst will er jedoch keine andere Frau. Es geht ausschließlich um unsere partnerschaftliche Sexualität. Er kauft mir Kleidung oder Sextoys, erstellt und Partnerkanäle bei z.B JoyClub. Das finde ich grundsätzlich auch toll. Nur sitzt mir meine Vergangenheit so sehr im Nacken. Ich werde diese Scham nicht los. Bin verklemmt und irgendwie steif. Dabei würde ich das gerne loswerden und einfach frei meine durch die Jahre aufgestaute Lust ausleben. Und einen perfekten Partner dazu habe ich ja auch.

Er ist behutsam aber einfach sexuell absolut erfahrener. Er hat keine Scham und will mir seine Welt zeigen. Ich stehe so im Zwiespalt meiner Gefühle und möchte mich gerne locker machen. Manchmal kommen dann wieder Zweifel ob das richtig und normal oder ob meine Fantasien pervers sind. Einfach weil ich mich nie austoben konnte und mit 40 Jahren beginne Sex neu definieren zu wollen.

Wie komme ich aus diesem Strudel? Warum sieht mein Mann mich gerne mit anderen, will aber selbst absolute „Treue“ und sagt mir ständig „ich möchte meinen Schwanz nur noch in einer Frau sehen, in der die ich von Herzen liebe“? Ist es normal als Frau in GloryHoles zu gehen, täglich Sex haben zu wollen? Ich glaube es liegt auch daran, das ich mich als Frau nie besonders begehrenswert empfand und immer zugeknöpft war. Ich konnte mich nicht mal im Bikini am Strand sehen und soll jetzt beim Sex beobachten werden…das sind ziemlich große Schritte.

Unsere Antwort

Frauen sind lustvolle und sexuelle Wesen. Ich freue mich mit dir, dass du dich bei diesen Erfahrungen als begehrenswert erleben kannst.

Es spricht nichts dagegen, dass du Sexualität auf diese Weise auslebst, solange du auf deinen Schutz und dein Einvernehmen und das aller Beteiligten achtest. Gerade bei sexuellen Begegnungen mit wechselnden Partner*innen könntest du dich mit einer sexuell übertragbaren Infektion anstecken. Der Schutz darf neben dem Vergnügen nicht zu kurz kommen.

Du scheinst bereits gut über deine Situation zu reflektieren. Ich finde dein letzter Satz beschreibt es sehr gut. Das sind ziemlich große Schritte. Da kann ich gut nachempfinden, wenn du dich aktuell herausgefordert fühlst. Insofern war es in den vorherigen Beziehungen leichter für dich, da du nicht herausgefordert warst, dich mit deiner Scham näher auseinanderzusetzen. Du stehst also vor einem Lernprozess. Wie bei anderen Lernerfahrungen auch wird es mit Wiederholung leichter.

Du schaust bereits auf viele sexuelle Lernschritte zurück. Trotz der tabubehafteten Haltung in deinem Elternhaus, hast du deine ganz eigenen sexuellen Interessen gepflegt und nun einen Partner mit dem du diese teilen kannst.

Mir fällt dazu ein, dass du die Schritte selbst gestalten kannst. Was sind die Dinge, die innerhalb deiner Komfortzone liegen? Auf welche Dinge hast du aus dir heraus Lust? Es könnte dir leichter fallen, wenn du neben der Scham auch das, was dich lockt, gut spüren kannst. Es könnte hilfreich für dich sein, immer mal wieder zwischen Wohlgefühl und Überwinden der Scham zu wechseln. Gemischte Gefühle gehören bei neuen Erfahrungen in aller Regel dazu. Was bei dir herausfordernd sein könnte, ist, dass du nicht so viel Begleitung bekommen hast, um deine Wünschen und Grenzen in der Sexualität kennenzulernen. Denn eine tabuisierte Sexualität bietet in der Regel wenig bis keinen sicheren Rahmen für das Entdecken. Du wirst nach und nach lernen zu unterscheiden zwischen moralischen Zeigefingern deiner Eltern, die du überwinden möchtest und eigenen Grenzen, die du wahren möchtest.

Du tust dir keinen Gefallen, wenn du ignorierst, welche Vorerfahrungen du mitbringst. Du als erwachsene Frau darfst dich entscheiden, neue Wege zu gehen. "Richtig", "normal", "pervers" sind Bezeichnungen, die nicht viel Information liefern. Man könnte nachfragen: Für wen? Unter welchen Umständen?

Eine sinnvollere Orientierung bietet dir dein Gefühl der Stimmigkeit. Dann schaust du nicht im Außen nach Orientierung, sondern guckst ob es für dich passt. Das erlaubt dir deutlich mehr Sicherheit, wenn du das ein wenig geübt hast. Du könntest dich zum Beispiel immer mal wieder fragen: Will ich das? Will ich das jetzt oder lieber später? Wenn du auf diese Weise mit dir selbst in engem Kontakt bleibst, würde ich vermuten, dass sich das Gefühl eines Strudels legt.

Wenn du mehr darüber erfahren willst, wieso dein Mann bestimmte Dinge möchte, können wir dir keine Auskunft geben. Es könnte aber ein spannendes Gesprächsthema für euch werden.

Schau mal, was du mit diesen Gedanken anfangen kannst. Ich lade dich auch dazu ein, mir wieder zu schreiben, was dir nach dem Lesen meiner Antwort durch den Kopf ging.

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