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Frage Nr. 40754 von 28.01.2026

Das mit der Frage 40708 zur Blutung ist einfach auch weil ich immer wieder höre, dass Frauen "fast verblutet" sind während der Geburt.
Und eine Hebamme(?) hat mal kommentiert das bei Frauen deren Plazenta sich nicht löst oder es atonische Probleme gibt, die Blutung unter Geburt läuft wie ein offener Wasserhahn.
Ich bin echt verzweifelt wegen diesen Ängsten.
Vielleicht könnt was dazu sagen

Unsere Antwort

In Frage 40708 bin ich bereits darauf eingegangen, wie du mit deiner Angst umgehen und ihr begegnen kannst. Solltest du dazu noch explizitere Fragen haben, antworte nochmals und nehme Bezug auf die Frage Nummer 40754. 

So wie ich dich verstehe, möchtest du explizit wissen, was bei einer so genannten atonischen Nachblutung oder postpartalem Hämorrhagie gemacht wird, um zu verhindern, dass es zu einem erhöhten Blutverlust kommt? 

Vorne weg: Wir gehen davon aus, dass ein weiblicher Körper stark ist, da er natürlich schwanger wurde und ein Kind in sich wachsen lassen konnte. Zudem ist er fähig, Wehen auszulösen und das Kind zu gebären. Somit ist die Gebärmutter ebenfalls im Stande, sich genügend zu kontrahieren (zusammen zu ziehen), damit die Plazenta genau so korrekt abgestossen wird, wie dies von der Natur eingerichtet wurde. Dadurch wird die entstandene natürliche Wunde in der Gebärmutter verschlossen. Die natürliche Oxytocin-Ausschüttung nach der Geburt ist sehr hoch. Das Oxytocin ist ein wichtiges Hormon, welches die Gebärmutter dazu bringt, sich nach der Geburt zu kontrahieren. Stillen, also die Stimulation der Brustwarzen durch das Saugen, schüttet zudem noch mehr Oxytocin aus.

Es ist jedoch normal, dass es bei diesem Vorgang zu einem Blutverlust kommt. Bei einer vaginalen Geburt geht man von einem normalen Blutverlust von 500ml aus und bei einem Kaiserschnitt von einem Blutverlust bis zu 1000ml. Dies ist kein Problem für den Körper, da in der Schwangerschaft bis zu einem Liter mehr Blut im Kreislauf der Mutter ist und ein Blutverlust eingeplant ist.

Kommt es nun zu Komplikationen, gibt es diverse Erstmassnahmen, welche vom Fachpersonal getroffen werden können. Erst einmal ist es höchst selten, dass es direkt nach der Geburt zu einer starken Blutung kommt. Oft liegen hier bereits weitere Risiken vor, wie ein sehr hoher Einsatz von Wehenmittel, Schwangerschaften ab dem 4. Kind, eine sehr lange Geburtseinleitung, eine grosse Geburtsverletzung, Gerinnungsstörungen im Blut der Mutter. Diese Risiken lassen sich durch eine fachkundige Schwangerschaftsvorsorge senken. Weitere wichtige Punkte dazu habe ich bereits in Frage Nummer 40708 beantwortet. 

Gerade weil es bekannt ist, dass der Blutverlust auch mal erhöht sein kann, wird in Krankenhäusern vorsorglich eine Dosis künstliches Oxytocin gespritzt, damit sich die Gebärmutter kräftig zusammen zieht und die Plazenta effizient abstösst. Dazu wird regelmässig kontrolliert, ob sich die Plazenta gelöst hat. Sobald sich eine so genannte physiologische (also gesunde) Lösungsblutung zeigt, wird die Plazenta von der Frau geboren. Dieser Prozess wird aktives Plazentamanagement genannt. Liegen oben genannte Risiken vor, wird dieses Management empfohlen. Oft gehört es auch zum Standart Prozedere der Kliniken, ein aktives Plazentamangement durchzuführen. Studien zeigen, dass dank diesem Management die Blutungsmenge im Schnitt bei allen Gebärenden reduziert werden konnte. 

Kommt es nach der Geburt der Plazenta trotzdem zu einer verstärkten Blutung, werden Gerinnungsbildende Faktoren gespritzt und die Dosis des Oxytocins erhöht. Alle diese Medikamente wirken äusserst schnell. Da sie bereits lange erforscht und gut entwickelt sind, ist ihre Wirkung sehr gut. Zudem gibt es noch einige Handgriffe, die einen grösseren Blutverlust verhindern können. Dazu gehört der Créde-Handgriff. Dieser ist etwas unangenehm, da man mit der Hand auf die Gebärmutter drückt, kann jedoch äusserst effizient sein. 

Es ist enorm selten, dass das Blut rausläuft, wie wenn ein Wasserhahn aufgedreht ist. Die oben genannten Massnahmen greifen in den allermeisten Fällen. Oft sind die Blutungen eher ein raussickern, welches kontinuierlich ist. Manchmal liegt eine Geburtsverletzung vor oder es gibt noch Reste von der Plazenta in der Gebärmutter. Sollte die Blutung also weiter fortbestehen, wird eine Curettage durchgeführt. Diese erfolgt im Operationssaal unter Narkose. Dabei wird die Gebärmutter mit dünnen langen Instrumenten ausgeschabt. Danach stoppt die Blutung meistens. Vorsorglich gibt es spezielle Kompressen, welche in die Gebärmutter eingelegt werden können, damit sie sich weiterhin gut zusammen zieht.

Es kommt wirklich äusserst selten vor, dass alle vorher genannten Massnahmen nicht greifen. Dann wird die Gebärmutter erst mit Nähten unterstützt oder im äussersten Fall entfernt. Dies ist jedoch wirklich extrem selten und meistens lagen hier schon bekannte Risiken vor. 

Sollten diese Erklärungen noch mehr Ängste auslösen, empfehle ich eine psychologische Beratung oder ein Gespräch mit einer Fachärztin oder einem Facharzt. In einem Gespräch kannst du individuell heausfinden, ob bei dir Risiken für eine Blutung vorliegen und wie du deine Sorgen angehen kannst. 

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