Zu 40245: Hallo ich bins wieder. Ich hatte gestern richtig Sex mit ihm in seinem Bett. Fast 2 Stunden. Wir hatten gegeseitig Oralsex und Analsex jeweils aktiv und passiv. Ich fand es wieder extrem erregend. Jedoch bin ich auch wieder durcheinander. Ich jann mich selbst sexuell nicht einordnen. Ich würde nicht sagen, dass ich schwul bin, da ich vor 2 wochen auch noch genauso schönen Sex mit einer Frau hatte und bei ihr sogar aus Versehen in der Vagina gekommen bin, weil ich es so erregend fand, dass ich mich nicht kontrollieren konnte. Vielleicht ist sie sogar schwanger von mir. Wieso kann ich meine sexuelle Orientierung nicht definieren? Gibts da noch etwas neben homo, hetero und bi?
Unsere Antwort
Ja – aber das ist nicht der Punkt, der dich weiterbringen wird. Begriffe wie queer, pansexuell oder fluide helfen dir aktuell nicht. Erlaube dir lieber eine offene Entwicklung, setze weiter auf Körpererfahrungen und verhalte dich verantwortungsbewusst im Kontakt mit deinen Sexualpartner:innen. Noch nichts festlegen müssen, bringt dir weiterhin Freiheiten für deinen Entwicklungsprozess.
Neue Erfahrungen können aber auch Unsicherheit und Verantwortung mit sich bringen. Wenn du merkst, dass dich Sorgen (z. B. wegen möglicher Folgen von Sex) sehr belasten, ist es wichtig, mit einer erwachsenen Vertrauensperson oder einer Beratungsstelle zu sprechen. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortungsübernahme. Interessiere dich bei deiner letzten Sexualpartnerin dafür wie es ihr jetzt geht, ob sie die mögliche Schwangerschaft abklären hat lassen und ob du sie unterstützen kannst.
Noch ein Gedanke dazu: vielleicht löst deine Angst vor Konsequenzen einer möglichen Schwangerschaft aktuell noch mehr das Bedürfnis in dir aus, Halt zu finden? Die Konfrontation mit deinem Verantwortungsanteil könnte dein Bedürfnis derzeit unbewusst vergrößern, Klarheit zu gewinnen und Ordnung herzustellen, indem du ein Label für dich findest.
Doch was dich erregt, ist nicht automatisch das, was du bist. Viel wichtiger als die Frage „Was bin ich?“ ist das genaue Wahrnehmen und Reinspüren: „Was erlebe ich?“ – körperlich, emotional und bezogen auf den Kontakt mit Sexualpartner:innen.
Vielleicht helfen dir statt einer Kategorie eher diese Fragen: Bei wem fühle ich mich sicher und wohl? Was fühlt sich im Moment ehrlich und gut an – ohne Druck? Nimm dir Zeit. Du musst niemandem – auch dir selbst nicht – sofort eine Antwort geben. Du bist okay, so wie du bist.
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