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Frage Nr. 41189 von 14.05.2026

Hi Lilli,
inzwischen bin ich siebzig und ja, weiblich.
Seit vielen Jahren bin ich verheiratet, vor einigen Jahren mal ausgezogen aus dem eigenen Haus und jetzt lebe ich wieder mit meinem Mann zusammen

Ich würde gerne frei mit ihm leben, meine eigenen Interessen leben und ihm seine überlassen. Allein es geht nicht. Mitunter bin ich mir sicher, dass ich gerne wieder alleine leben möchte, dann wieder sehe ich, was wir hier (unser Zuhause) alles gemeinsam aufgebaut haben und dass ich sehr viel Zeit, Liebe und Energie reingesteckt habe - genauso wie er auch - und weiß nicht wie ich mich entscheiden soll.

Was mir meine Entscheidung massiv erschwert ist die Tatsache, dass er mir glaubhaft versichert, sich umbringen zu wollen, wenn ich gehe. Das turnt mich total ab, inzwischen bin ich zum Schlafen in ein anderes Zimmer umgezogen und mir fehlt inzwischen auch jegliche Lust auf Sex mit ihm, den er doch so gerne hätte! Ich habe mich inzwischen auch anderweitig beraten lassen und mich von der Belastung durch seine Suizidabsichten distanzieren können, dennoch triggern sie mich und eigentlich will ich das auf keinen Fall.

Wenn ich darüber nachdenke, es könnte sich doch alles wieder einrenken und ich mit gewissen "Verhandlungen" meine Vorstellungen von freiem, gemeinsamem Leben verwirklichen, so bemerke ich, dass ich nicht wirklich glücklich damit wäre - es wäre immer ein selbstbetrügerischer Kompromiss, oder doch nicht??? Ich bin noch ziemlich fit und gesund und habe Lust auf "Leben", allerdings würde mir auch vieles fehlen, was ich/wir bisher aufgebaut habe/n.

Ich habe mir auch schon eine rechtliche Beratung gegönnt, so dass ich weiß, dass ich finanziell nicht völlig abstürzen würde und wohl mein Auskommen hätte, aber das wiegt die immer noch emotionale Bindung nicht auf. Meine Angst ist auch ein bisschen die: Dann bin ich ganz allein und wer weiß, ob sich nochmal eine neue Partnerschaft ergibt, in der ich mich wieder wohlfühle. Oft werde ich das Gefühl nicht los, dass mein Mann, im Falle einer Krankheit und Beeinträchtigung bei mir, dem relativ hilflos gegenüber stehen würde und ich nicht "aufgehoben" bin bei ihm. Er widerspricht dem.

Jedenfalls bin ich ständig hin- und hergerissen, frustriert und tue auch zu Hause nur noch das Nötigste, was eigentlich gar nicht meine Art ist. Meinen persönlichen Interessen allerdings gehe ich gerne und intensiv nach und auch mit Freundinnen bin ich aktiv und berede mich.

Aber die Situation bedrückt mich sehr. Vielleicht können Sie mir einfach mal Ihren Eindruck von "außen" schildern, damit ich mal wieder klarer sehen und mich entscheiden kann.
Das würde mir total helfen.
Viele liebe Grüße,

Unsere Antwort

Du steckst in einem echten Dilemma, so sehe ich das. Beides hat Vor- und Nachteile – mit deinem Mann zusammen leben und ausziehen. Egal, für was du dich entscheidest, etwas anderes kommt zu kurz. Zur Zeit entscheidest du dich dafür, mit ihn zusammenzuleben.

Du schreibst, dass dein Mann dir versichert, sich umbringen zu wollen, wenn du gehst. Dieser Satz scheint mir die Spitze eines Eisberges zu sein. Ich meine damit, dass ich überhaupt nichts über eure Beziehung weiß. Ich weiß nicht, warum du ausgezogen bist, und was du eigentlich unter einem freien, gemeinsamen Leben verstehst, und warum du das mit deinem Partner nicht leben kannst. Ich weiß auch nicht, was sich alles einrenken muss bei euch. Aber so wie du schreibst, würde ich dir echt eine Paartherapie empfehlen. Mit fachlicher Unterstützung könntet ihr in der Beziehung vermutlich dahingehend weiterkommen, dass dir ein Entscheid einfacher fällt. 

Wenn der Partner nicht bereit ist für eine Paartherapie – also in die Beziehung zu investieren –, hilft dir das möglicherweise auch bei der Entscheidung, ob du mit ihm zusammen bleiben möchtest oder nicht.

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