Hallo liebes Lilli Team
Ich bin aktuell zufrieden mit mir selbst, mit meinem Dasein, meinem Umgang im Kontaktaufbau mit Frauen sowie allgemein mit meinem Datingleben.
Jedoch merke ich, dass ich immer dann unsicher werde, wenn es darum geht, jemanden näher kennenzulernen und es gut läuft. Ich denke dann oft daran, dass der nächste Schritt Sex sein könnte. Dabei fühle ich mich nicht wohl damit, mich komplett nackt zu zeigen. Für mich braucht es mehr Vertrautheit, um mit jemandem Sex zu haben.
Das führt dazu, dass ich den Kontakt oft abbreche, wenn es ernster wird oder darauf hinauslaufen könnte. Mir ist bewusst, dass ich damit Menschen verletzen kann, und genau das möchte ich nicht.
Ein wesentlicher Teil meiner Unsicherheit betrifft meinen Körper. Mein Penis ist etwa 13 cm lang und eher schmal. Obwohl ich weiss, dass dies grundsätzlich im normalen Bereich liegt, habe ich damit grosse Mühe. Ich vergleiche mich häufig mit dem, was man in sozialen Medien, Pornografie oder durch Erzählungen mitbekommt, und habe Angst, den Erwartungen einer Frau nicht gerecht zu werden.
Aktuell lerne ich jemanden kennen, den ich wirklich toll finde. Ich möchte mir diese Chance nicht wieder durch meine Ängste verbauen. Die Person hat ebenfalls ein eher langsames Tempo, was das Thema Sex betrifft, und das finde ich sehr angenehm. Trotzdem beschäftigt mich die Angst vor dem Moment, an dem das Thema Sex konkreter wird oder wir intim werden könnten.
Ich frage mich deshalb, wie ich damit umgehen soll, wenn in Gesprächen das Thema Sex aufkommt. Darf ich mich als Mann bei diesem Thema verletzlich zeigen und offen über meine Unsicherheiten sprechen, oder ist das eher etwas, das ich für mich behalten sollte?
Besonders beschäftigen mich folgende Ängste:
* Angst vor Ablehnung.
* Angst, den Erwartungen nicht gerecht zu werden.
* Angst davor, mich nackt zu zeigen.
* Angst, dass eine Frau nach dem ersten intimen Moment das Interesse verliert.
* Angst, dass ich aktuell selbstbewusst wirke, aber später nicht mehr ernst genommen werde, wenn meine Unsicherheiten sichtbar werden.
Ich befinde mich gerade in einer Phase, in der ich mich nach einer schwierigen Zeit wieder aufbaue und überhaupt erst wieder den Mut gefunden habe zu daten. Deshalb habe ich grosse Angst davor, in diesem Bereich verletzt oder zurückgewiesen zu werden.
Ich kann meine Frage nicht ganz konkret formulieren. Vielleicht geht es weniger um ein einzelnes Problem und mehr darum, wie ich mit diesen Ängsten umgehen kann, ohne erneut Menschen wegzustossen oder mich selbst zu sabotieren.
Vielen Dank für eure Zeit und eure Einschätzung.
Unsere Antwort
So wie du schreibst, kannst du deine Frage sehr deutlich formulieren – du bist sehr reflektiert. Das kann dir auf jeden Fall auch später helfen, gerade im Umgang in Beziehungen.
Dass du Vertrautheit brauchst, um mit jemandem Sex zu haben, geht vielen Menschen so. Ich lese aus deinem Text, dass du das als Schwäche siehst – ist das so? Wie ist das bei dir? Aus unserer Beratungspraxis kann ich dir sagen: Es geht vielen Menschen so, und das ist vollkommen okay und gut. Es gibt kein "richtiges Tempo" – nur dein Tempo.
Du schreibst, dass du dich viel vergleichst. Vergleiche – ob mit Pornografie, sozialen Medien oder Erzählungen anderer – führen oft dazu, dass wir uns schlecht mit unserem eigenen Körper fühlen. Wenn du an die Vergleiche denkst, die dir am meisten zu schaffen machen – woher kommen diese Bilder genau, und wie realistisch sind sie eigentlich? In diesem Text kannst du etwas darüber erfahren, was du machen kannst, um dich wohler in deinem Körper zu fühlen.
Deine Gefühle und Ängste sind normal und verständlich, besonders wenn es um intime Beziehungen und Sexualität geht. Viele Menschen fühlen sich unwohl damit, sich anderen nackt zu zeigen. Es macht uns etwas aus, was andere Leute von uns denken – insbesondere dann, wenn wir mit ihnen in einer Liebesbeziehung sind. Das ist normal und kann sehr verunsichernd sein.
Ein bisschen Unsicherheit gehört bei jeder neuen Erfahrung oder Begegnung dazu. Je öfter du die Erfahrung machst, umso sicherer wirst du. Wir haben dazu den Text „Wie kriege ich Lust darauf, mich der*dem anderen zu zeigen?" geschrieben.
Du kannst auch mit deinen Gedanken dazu beitragen, dass du dich sicherer fühlst. Erinnere dich: Eine Person, die dich mag und schätzt, liebt dich nicht nur für dein Aussehen oder die Form deines Penis, sondern für die Person, die du bist. Anziehungskraft hat viel mehr mit Ausstrahlung zu tun als mit Aussehen. Wenn jemand dich wirklich mag, wird sie dich als Gesamtperson sehen und schätzen – einschliesslich deiner Stärken und Schwächen, nicht nur aufgrund deines Körpers oder eines Körperteils.
Denk an die Teile von dir, die du schön findest. Und versuche auch, die Teile zu akzeptieren, die du vielleicht erstmal nicht so schön findest. Was ist das Besondere an deinen Körperteilen? Es macht attraktiv, wenn du dich in deiner Haut wohl fühlst. Dadurch verändert sich auch die Art, wie du dich selbst siehst und wie du dich anderen zeigst. Lies dazu gerne diesen Text.
Es ist schön, dass du gerade jemanden kennengelernt hast, mit dem du gerne zusammen bist – und dass ihr beide ein ähnliches Tempo mögt, ist eine gute Basis.
Vielleicht könnte es helfen, im Gespräch mit deiner Partnerin nicht nur darüber zu sprechen, ob oder wann ihr eventuell Sex haben werdet, sondern darüber, wie ihr körperliche Nähe leben wollt: Wie fühlt sich Nähe und Körperlichkeit für euch beide sicher und schön an? In diesem Text findest du Tipps für das Reden über Sex. Über Unsicherheiten zu sprechen macht uns oft sehr viel attraktiver – nicht weniger. Verletzlichkeit wird von den meisten Menschen als Stärke und als Zeichen von echtem Interesse wahrgenommen, nicht als Schwäche.
Wenn du möchtest schreib mir gerne nochmal. Gib dann die Nummer dieser Antwort an.
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