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Frage Nr. 41587 von 26.07.2026

Hallo Lilli,

Ich wollte mal fragen, kann man eure Übungen zu oft machen? Also kann es sein, dass das Gehirn manchmal auch ein/zwei Tage Pause braucht, um gelerntes zu verarbeiten oder kann ich am Tag so oft üben wie ich will, ohne dass es kontraproduktiv ist?

Zu den Übungen: ich möchte beim sex öfter kommen können und auch öfter für mich selbst Lust empfinden. Dafür will ich lernen auf neue Arten zum Orgasmus zu kommen. Gerade ist es für mich sowohl allein als auch beim sex schwierig zu kommen. Die Stimulation (kreisende Bewegungen auf meiner klit) fühlen sich fast die ganze Zeit nichtssagend und langweilig an und es wird für mich immer erst kurz vor dem Orgasmus lustvoll. Und das sind dann insgesamt wirklich so 3 sek vor dem Orgasmus und dann nochmal der Orgasmus auch 3 sek ca. Davor ist es anstrengend und wenn ich alleine bin auch langweilig. Dadurch dass ich die Erregung erst kurz vor dem Orgasmus spüre und er dann auch direkt kommt, wenn ich nicht sofort unterbreche, fällt es mir schwer, die Übungen zu machen. Wie genau würdet ihr mir das üben denn empfehlen?

LG, dankbarer Leser (w)

Unsere Antwort

Ich würde dir empfehlen, die Übungen vorerst mal ohne sexuellen Kontext beziehungsweise ohne sexuelle Erregung zu machen, und sie erst später in dein Selbstbefriedigungs-Ritual einzubauen.

So wie du es beschreibst, hast du dir einen «mechanischen» Erregungsmodus - wie wir ihn in der Sexocorporel-Therapie nennen - angeeignet. Dieser funktioniert gut, um in relativ kurzer Zeit zu einem Orgasmus zu kommen. Er ist aber etwas weniger geeignet, auch während der sexuellen Aufbauphase eine genussvolle Erregung zu erleben, die nachhaltig befriedigend wirkt. Das hast du ja selbst schon gut beschrieben, dass du nur die 3 Sekunden vor und während dem Orgasmus als wirklich erregend und spannend erlebst.
Es gibt andere Erregungsmodi, also andere Arten, deine Erregung wahrzunehmen und zu steigern, die zum Beispiel schon in der Aufbauphase erregender und genussvoller sind, und die zu einem Orgasmus führen können, der als intensiver, nachhaltiger und befriedigender erlebt wird und bei dem auch intensiveres emotionales Erleben möglich wird.
Genauso wie du dir deinen jetzigen (mechanischen) Erregungsmodus angeeignet hast, kannst du auch andere Erregungsmodi erlernen, wie zum Beispiel den wellenförmigen Erregungsmodus, welcher dir andere und erweiterte Erlebensmöglichkeiten bieten.

Aktuell nutzt du zur Erregungssteigerung das Reiben an deiner Klitoris auf eine mechanische Art (deshalb nennen wir ihn im Sexocorporel-Konzept den «mechanischen» Erregungsmodus). Das heisst, dass du deine Klitoris (w) oder Penis (m) mit wiederholten, gleichartigen Bewegungen stimulierst.  Wahrscheinlich hältst du deinen Körper ruhig und spannst Teile von ihm an, zum Beispiel die Beckenbodenmuskeln, Bauch, Po und/oder Beine, um die Erregung zu steigern. Deine Atmung ist wahrscheinlich relativ schnell und oberflächlich, insbesondere zum Orgasmus hin.

Beim «wellenförmigen» Erregungsmodus ist der Körper während der sexuellen Erregung in Bewegung (statt angespannt unbewegt), und zwar in Form der doppelten Schaukel, das heisst das Becken schaukelt vor und zurück und der Oberkörper bewegt sich ebenfalls fliessend öffnend und schliessend. Der Beckenboden wird bewusst wahrgenommen und mit ihm gespielt, in dem er wechselnd leicht angespannt und dann wieder losgelassen wird. Und der Atem fliesst bis tief in den Bauch - das hilft das genussvolle Empfinden im Beckenraum zu verstärken.
Ich empfehle dir, die verschiedenen Aspekte zuerst einzeln zu üben, ohne sexuelle Erregung. Also Bewegung in den Körper bringen mit der Beckenschaukel. Dann die Bauchatmung zu üben. Und das Spiel mit den Beckenbodenmuskeln. Diese Übungen kann man eigentlich nicht zu oft machen.

Das Stimulieren an der Klitoris, also Üben in sexueller Erregung im mechanischen Erregungsmodus, das kann schon zu viel werden, wenn es zu häufig gemacht wird. Das kann zu einer Überstimulation führen, und der Körper geht dann in einen Abwehrmodus, gibt also klare Zeichen, dass er nicht noch weiter stimuliert werden möchte. Es gilt also unbedingt, auf deine Körperzeichen zu achten und mit ihnen zu kooperieren.
Übe also zuerst die körperlichen Fähigkeiten "Bewegung", "Bauchatmung" und "Spiel mit dem Beckenboden" einzeln und ausserhalb von sexueller Erregung. Dann kannst du beginnen, sie miteinander zu kombinieren. Also zum Beispiel im Liegen in den Bauch einatmen und das Becken nach hinten schwingen, dann Ausatmen und das Becken nach vorne bringen. Wenn auch das gut geht, kannst du noch den Beckenboden anspannen beim Ausatmen und ihn locker lassen beim Einatmen. Wiederhole das regelmässig, bis dein Körper damit vertraut ist.
Dann kannst du beginnen, bei der Selbstbefriedigung zwischendurch mal einzelne Elemente einfliessen zu lassen, zum Beispiel die Beckenschaukel, oder ein tiefer Bauchatemzug. Bleibe vorerst nah an deinem bisherigen Erregungsmodus und streue nur einzelne Elemente des wellenförmigen Erregungsmodus ein, also zB 90% machst du Selbstbefriedigung wie gewohnt, und 10% bringst du etwas vom neu Erlernten ein. So kannst du dir graduell deinen Erregungsmodus erweitern. Dein Körper braucht aber Zeit für die neuen Muster.  Denn wenn du zu schnell alles probierst anders zu machen, wirst du vorübergehend aus der sexuellen Erregung rausfallen oder nicht mehr einfach zum Orgasmus kommen können, und das frustriert natürlich.
Mach es also in kleinen Schritten und wiederhole sie oft. Dies führt zum Erfolg. 

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