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Frage Nr. 41621 von 01.09.2026

Hallo! Ich habe eine Frage zum Thema Psychotherapie. Mein Therapeut verfolgt das Konzept der hilfreichen Selbstoffenbarung in der therapeutischen Beziehung und hat mir ein paar private Dinge über sich erzählt. Nun bin ich die ganze Zeit damit beschäftigt über ihn nachzudenken und ihn zu analysieren. War es unprofessionell von ihm mir private Dinge zu erzählen? Wie kann ich besser damit umgehen und wieder etwas mehr gedankliche Distanz zu ihm aufbauen? VG!

Unsere Antwort

Die Selbstoffenbarungen deines Therapeuten waren für dich nicht hilfreich. Das Konzept hat bei dir also nicht funktioniert. Jedenfalls nicht in der Form, in der dein Therapeut sie angewendet hat. Seine Selbstoffenbarungen wirken auf dich unprofessionell. Wir raten dir, deine Reaktion ernst zu nehmen und mit ihm darüber zu sprechen. 

Du kannst dir erklären lassen, welchen Sinn diese Methode hat und was du dabei lernen kannst/sollst? Jede psychotherapeutische Methode kann nur wirkungsvoll werden, wenn sie für dich sinnvoll ist.. Dein Therapeut hat die Methode gelernt. Er wird darin einen Sinn sehen. Du hast einen Grund, warum du zu einem Psychotherapeuten gehst. Jetzt müsste dein Therapeut dir erklären, wie seine Methode gerade für deine Bedürfnisse und Fragen genützt werden kann Frag ihn doch, was sein Grund ist, dir Privates zu erzählen. Vielleicht will er, dass du ihn als Person wahrnimmst, die Fehler hat und Fehler macht. Vielleicht will er Nähe herstellen oder authentisch sein. Möglicherweise arbeitet er nach dem 4-Ohren-Modell. Dort geht man davon aus, dass jede Information mehrere Ebenen hat: die sachliche und informative Ebene, die persönliche und selbstoffenbarende Ebene, die Beziehungsebene und den Apell. Zum 4-Ohren-Modell gehört nicht unbedingt die konkrete Selbstoffenbarung. Gespräche werden eher auf den vier Ebenen analysiert. 

Ich verlinke mal einen Artikel aus dem Deutschen Ärzteblatt zu Selbstoffenbarungen. Vielleicht hilft er dir weiter. Die Psychotherapieforschung hat nämlich herausgefunden, dass viele Patientinnen von Selbstoffenbarungen profitieren. Selbstoffenbarende Therapeuten wirken auf sie sympathischer, integrer und menschlich wärmer. Es scheint aber noch keine guten Weiterbildungen zur Methode der Selbstoffenbarung zu geben. Durch Fragen und ernsthaftes Wissenwollen kannst du deinen therapeutischen Prozess fördern. Frag nach! Stell dich selbst ins Zentrum. Ganz sicher ist, dass dein Therapeut dir nochts Privates erzählt, damit du dich in Gedanken oder im Leben um ihn kümmerst. Das wäre unprofessionell.

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