Ich habe in letzter Zeit folgende Beobachtung gemacht: Ich lebe hauptsächlich nicht mehr bei meinen Eltern, da ich in einer anderen Stadt studiere. Mir geht es seit ich ausgezogen bin psychisch besser. Ich habe jedoch gemerkt, dass von meinen eltern, seit ich ausgezogen bin, eher selten kam "wie geht es dir?" "möchtest du am sonntag zum abendessen kommen?". es ist eher so, dass ich sage, wenn ich komme und dann freuen sie sich auch. jedoch kommt es mir so vor, als käme von ihnen eher wenig und es fühlt sich für mich wie desinteresse an.
einmal habe ich weihnachten im ausland verbracht und war traurig darüber, nicht mit meinen freunden feiern zu können. eine kollegin im ausland erzählte mir, wie ihre eltern sie anriefen und wie sie traurig war, dass sie nicht bei ihnen sein konnte. ich habe von meinen eltern nichts gehört auch an silvester nicht. ich habe ihnen versucht mitzuteilen, dass andere eltern mehr mit ihren kindern unternehmen und telefonieren. sie antworteten beide es sei kein mangel an desinteresse.
vorübergehend telefonierten wir mehr. ich merke in letzter zeit, wie mich das sehr traurig macht, da ich mich von ihnen entfremdet fühle und eigentlich mehr mit freunden mache als mit meiner familie. ich fühle mich auch mit freunden mehr verbunden. gleichzeitig möchte ich auch nicht zu viel in diese beziehung investieren, da ich merke bei anderen menschen kommt mehr feedback und gegenseitigkeit. was meinst du kann ich machen und wie kann ich mich da distanzieren?
Unsere Antwort
Du wohnst nicht mehr zu Haus. Ich gehe davon aus, dass du inzwischen erwachsen bist. Du beobachtest, dass es dir seit du nicht mehr zu Haus wohnst, besser geht. Eine Seite der neuen Eigenständigkeit tut dir also gut. Eine andere Seite ist, dass Erwachsene Freundschaften in der eigenen Generation finden, die besser zu ihnen passen, als die Eltern. Du hast das bereits erlebt. Mit Kolleg*innen und Freun*innen kannst du dich auf besondere Art verbunden fühlen und fühlst dich verstanden. Ihr habt ähnliche Lebensthemen, Gefühle, Hoffnungen und Wünsche. Darum ist unter den Freund*innen der Austausch vielseitiger und intimer. Deine Eltern haben sich lange um dich gekümmert. Und vielleicht waren sie auch früher nicht so eng aufeinander und auf dich bezogen, wie die Eltern deiner Kollegin. Jetzt sind sie in einer Lebensphase, wo die Fürsorge für ihr Kind nicht mehr im Mittelpunkt steht. Und sie überlassen es dir, die Nähe zu bestimmen und die Beziehung zu pflegen. Könnte es sein, dass deinen Eltern deine Freiheit wichtig ist? Sie möchten in deinem neuen erwachsenen Leben nicht stören? Oder sie merken, dass zwischen dir als ein Mitglied der jungen Generation und ihnen aus der älteren Generation der Austausch nicht so leicht fällt. Grundsätzlich ist all das normal. Es ist auch sehr normal, dass Veränderungen in Beziehungen traurig machen. Du spürst, dass deine Kindheit vorbei ist.
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