Hallo liebes Team,
Ich (w28) habe das Problem, dass ich oft mit meinen eigenen Gefühlen nicht zurecht komme, insbesondere mit Wut und Frustration. Wenn ich wütend oder frustriert bin, brauche ich immer eine andere Person, meistens ist es meine Mutter, mit der ich über Dinge, die vorgefallen sind reden kann. Eine Person mit neutraler Stimmung, die mich beruhigt und dann mit mir konstruktiv Lösungen bespricht.
Allein verzweifle ich in emotionalen Situationen hingegen oft und weiß nicht was ich machen soll. Mein Kopf denkt nicht klar, ich bin sehr verstrickt in die jeweilige Emotion und habe negative Gedanken wie „Ich bin so ein Opfer“, wenn ich das Gefühl habe, dass mir jemand Unrecht getan hat und ich mich wieder nicht wehren konnte oder „Ich bin einfach nicht tough genug für das Leben“, wenn ich eine Frustration erfahren.
Ich möchte Wut und Frustration oft durch viel Arbeit kompensieren, aber ich bin dann in den Situationen meist zu emotional um mich auf die Arbeit zu konzentrieren, was mich noch mehr fertig macht, weil ich dann wieder denke, dass ich zu schwach bin um hart zu arbeiten.
Ich habe so oft das Gefühl, einfach schwach zu sein, und es alleine im Leben nicht schaffen zu können. Ich möchte aber gerne unabhängiger davon werden, meine aktuellen emotionalen Befindlichkeiten immer an anderen Personen auszulassen. Insbesondere meine Mutter ist mit ihren eigenen Problemen belastet und braucht meine nicht zusätzlich oben drauf und bei Freunden habe ich Angst, dass ich mich unbeliebt mache. Ich weiß oft nicht, wie viel von mir ich anderen zumuten kann und soll.
Ich wäre manchmal gern wie ein stahlharter Mensch, an dem alles abprallt, der alles durchstehen kann und den alle respektieren. Ich denke oft, dass es im Leben allein darum geht, sich knallhart durchzusetzen, aber dass ich das halt einfach nicht kann und so immer hinter meinen Zielen zurückbleiben werde, während andere stark und glücklich sind.
Unsere Antwort
Du beobachtest dich gut. Was du beschreibst, ist richtig. Der Weg, Andere als Helfer*innen für die Regulation der eigenen Gefühle zu engagieren, ist naheliegend. Und du machst auch das gut. Du lässt nicht deine Wut und Frustration an Anderen aus, sondern besprichst sie. Du bist also auf dem richtigen Weg. Allerdings merkst du, dass du deine Mutter vielleicht belastest, wenn du sie immer wieder für deine Regulation anfragst. Möglicherweise findet deine Mutter das gar nicht so schlimm. Trotzdem solltest du deinen Wunsch nach Eigenständigkeit ernst nehmen. Wir fühlen uns als Erwachsene wohler, wenn wir unsere Gefühle kennen und selbst steuer können. Tipps dazu findest du in «Ich komme mit meinen Gefühlen nicht klar».
Du hast schon rausgefunden, was deiner Wut hilft.. Du brauchst eine 'Person mit neutraler Stimmung'. Die fehlt dir mitten in Wut- und Frustrationsgefühlen. Dann bist du verwirrt und fühlst dich als Opfer. Das ist eigentlich normal. Wahrscheinlich wurdest du wirklich ungerecht behandelt oder fühltest dich durch jemanden verletzt. Gefühle sind nämlich meistens klug. Sie zeigen an, was dir gefällt/nicht gefällt, was dir gut tut/nicht gut tut und/oder was du gern hast/nicht ertragen kannst. Ich würde dir raten, sie anzunehmen und konstruktiv auf sie zu antworten. Hier könntest du dazu lernen. Denk mal an deine Selbstgespräche: «Ich bin nicht tough genug», «ich bin zu schwach», «ich müsste stahlhart sein» etc. Dies sind wahrscheinlich die freundlichsten Gedanken über dich selbst. Wenn du deine Gedanken-Sätze ernst nimmst, verstärken sie doch genau die miese Stimmung, in der du gerade schon bist. Logisch fühlst du dich dann hilflos. Wenn du so versuchst, das Problem mit einem Sturz in deine Arbeit zu lösen, verstärkst du Verwirrung, Schwäche und Hilflosigkeit. Es könnte ein Teufelskreis entstehen, in dem du dich immer schlechter behandelt und so immer schächer machst. Je schwächer du dich fühlst, desto stärker wird deine Hoffnung als 'stahlharter Mensch, an dem alles abprallt' aufzuwachen. Dieses stahlharte Ziel würde ich in Frage stellen. Oder fühlt sich bei dir Wohlbefinden stahlhart an?
Mein Rat wäre: Behandele dich auch in deinen Gedanken so respektvoll, wie du gern behandelt werden möchtest. Dann hast du gute Chancen, dass andere dich respektieren. Schau mal, ob du in dir selbst eine neutrale Haltung findest. Diese könntest du gut gebrauchen, wenn du wieder auf dem Weg bist, wütend zu werden. Wenn du deiner Wut Recht gibst, muss sie dich vielleicht nicht so sehr verwirren. Die Wut könnte dir erzählen, worüber sie sich ärgert. Und du könntest mit der Hilfe deiner neutralen Haltung einen Wut-Beruhigungs-Weg suchen. Wichtig ist noch, dass du weisst: Gefühle sind Spannungen im Körper. Man kann sie nicht weg denken. Du musst sie im Körper so bewegen, dass sie für dich und andere erträglich werden. Probier das mal selbst aus. Welche Haltung musst du einnehmen, dass du dich hilflos fühlen kannst? Wie fühlt sich Stärke und Sicherheit im Körper an?
Sich selbst regulieren können, ist ein tiefer Kinderwunsch. Weisst du noch, wie wichtig es dir als Kind war, etwas selbst und allein zu machen? Ich rate dir, diesen alten Wunsch in dir wachzurufen. Konzentrier dich auf Selbst-Ermunterung und Selbst-Respekt. Dann nimmst du dein eigenes Leben viel lieber in die Hand. ln einer unzufriedenen Atmosphäre fühlt sich niemadn wohl.
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