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Frage Nr. 41747 von 07.10.2026

Hallo lilli

Ich bin der fragesteller der frage 41682.
Danke für deine Antwort.
Mich freut es sehr, dass du es wertvoll findest, dass ich zivildienst gemacht habe. Ich selbst empfinde es noch nicht so, weil ich es erniedrigend gefunden habe. Auch diese komische untersuchung mit 17 fand ich schon demütigend und einschüchternd. Die gutgemeinten aber verletzenden späße meiner eltern darüber machten es auch nicht besser.
Wie kann ich damit abschließen. Oft habe ich auch große Angst irgendwann wieder zu so etwas auf ähnlich sexistische weise gezwungen bzw benutzt zu werden, wenn es der politik gut in den kram passt.
Das hat mein vertrauen in unsere gesellschaft etwas erschüttert und macht es mir schwer das mann sein zu mögen.

Deinen tipp widersprüche auszuhalten finde ich klug.
Wie schaffe ich das?Wie geht das? Wie kann ich gleichberechtigung gut finden obwohl es gesellschaftspolitisch nur um verbesserungen für Frauen geht. Ich kenne viele junge frauen in meinem alter die dass leben viel besser auf die kette kriegen wie ich und meine freunde.
Warum ist das so. Wieso sind soviele junge frauen in der bildung und allem so viel erfolgreicher. Sind wir einfach das dümmere geschlecht. Gut, die stelle die ich gerne wollte bekam meine mitbewerberin weil ich zivildienst machen musste und sie nicht 9 monate auf mich warten wollten. Aber trotzdem finde ich das junge männer, eingeschlossen mir selbst, heute schon irgendwie dumm aus der wäsche schauen. Stimmt das oder könnte es nur an meiner subjektiven negativen wahrnehmung liegen, warum mir vieles bei uns so männerfeindlich erscheint.

Mit dem körper anzufangen finde ich auch eine gute Idee. Das mache ich auch öfter. Es bringt mich schon etwas mehr vom denken weg. Es ist zwar immer noch stark aber vielleicht gelingt mir das mit der Übung noch besser. Ich hab mir das buch von eurem kollegen gekauft und schon mit einigen Übungen angefangen. Selbstbefriedigung mach ich jetzt auch mehr und hab auch öfter Lust darauf mein becken dabei zu bewegen. Ich bin dabei immer lieber nackt vor dem spiegel. Manchmal finde ich mich dabei schon etwas attraktiver.

Was meinst du. Kann ich es schaffen selbstbewusster zu werden. Wenn es zuviel gejammer ist kannst du es mir ruhig sagen, aber es tut einfach gut mit einer klugen person(f/m/d...) über meine sorgen zu schreiben. Ich bin noch sehr jung und habe viele fragen. Selbstmitleid bringt mich glaube ich nicht weiter. Ich kann sicher noch einige gute dinge für mich selbst und andere tun auch wenn vieles nicht so gelaufen ist wie ich es wollte und sich mann sein für mich oft nicht so angenehm und privilegiert anfühlt, als wie es alle so behaupten.
Danke für deine Mühe.

Unsere Antwort

Schön, dass du dich nochmals meldest.

Zuerst zu deiner Frage: Nein, das ist kein Gejammer, und es ist auch nicht zu viel. Ich schreibe dir als männlicher Berater bei Lilli und kenne das aus eigener Erfahrung. Sobald wir Männer über negative Gefühle sprechen, kommt es uns schnell wie Jammern vor. Das hat mit einem stereotypen Bild von Männlichkeit zu tun. Darin ist es nicht vorgesehen, sich mal schwach zu fühlen oder schwierige Gefühle zu haben, also werten wir sie ab. Sich mit den eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen, ist aber kein Selbstmitleid. Es ist genau der richtige Weg.

Du möchtest mit den Erfahrungen rund um die Untersuchung und den Zivildienst abschliessen. Das ist verständlich. Abschliessen heisst aber nicht, dass die Gefühle verschwinden müssen. Oft geht es zuerst darum, dass sie da sein dürfen.

Mit den Widersprüchen ist es ähnlich: Widersprüche aushalten heisst nicht, sie aufzulösen. Es heisst, zwei Dinge gleichzeitig wahr sein zu lassen. Du kannst Gleichberechtigung wichtig finden und trotzdem wütend sein, dass dich zum Beispiel der Zivildienst deine Wunschstelle gekostet hat. Die Erfahrung die du gemacht hast sind wichtig aber müssen kein Argument gegen Gleichberechtigung sein. 

Und nein, Männer sind nicht das dümmere Geschlecht. Junge Männer schneiden in der Bildung heute tatsächlich oft schlechter ab als junge Frauen. Mit Intelligenz hat das nichts zu tun, viel mehr mit Rollenbildern. Bei Jungs gilt Anstrengung schnell als uncool und Gefühle zu zeigen als schwach. Viele Frauen dagegen mussten sich ihren Platz hart erarbeiten und sind darin sehr gut geworden. Das zeigt auch: Starre Männlichkeitsbilder schaden nicht nur Frauen, sondern auch Männern. Gleichberechtigung ist deshalb nicht nur etwas für Frauen. Sie ist auch etwas für dich und mich.

Was auch sehr helfen kann, ist sich mit anderen Menschen auszutauschen, denen es ähnlich geht. Viele junge Männer stellen sich gerade dieselben Fragen wie du, sie sprechen nur selten darüber. Ob im Freundeskreis oder in einer Männergruppe. Wie ist es bei dir mit Freunden oder Gruppen? Vielleicht interessiert dich dazu dieser Text.

Vielleicht machen meine Antworten jetzt auch einiges komplizierter. Die grossen gesellschaftlichen Fragen kannst du nicht alleine lösen. Was du tun kannst: bei dir selbst ansetzen. Und da bist du schon mittendrin. Super, dass du dir unseren  Buchtipp: Klappt's? – ein Übungsbuch für Männer gekauft und mit den Übungen angefangen hast. Der Körper ist ein guter Zugang, weil du dort selbst etwas tun kannst. Mach weiter, da gibt es noch viel zu entdecken. Auch dass du beim Solo-Sex Neues ausprobierst und dein Becken bewegst, ist eine sehr gute Sache. Und wenn du dich vor dem Spiegel manchmal attraktiver findest, ist das ein wichtiger Schritt. Nimm diese Momente wahr, das ist toll!

Ein weiterer möglicher Weg zu mehr Selbstsicherheit ist Bewegung oder Sport. Wie sieht das in deinem Alltag aus? Wann bewegst du deinen Körper? Wenn dich Kampfsport interessiert, ist Selbstverteidigung oder Aikido eine Möglichkeit. Aber auch jede andere Art von Bewegung tut gut. 

Und ja, du kannst es schaffen, selbstbewusster zu werden. Wie du schreibst, zeigt, dass du schon unterwegs bist. Du denkst über dich nach, probierst Neues aus und findest dich manchmal attraktiver. Aus genau solchen Schritten wächst Selbstbewusstsein.

Schreib gern wieder, wenn du noch Fragen hast.

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