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Frage Nr. 41774 von 13.10.2026

Ich hätte eine Frage zum Thema Vertrauen aufbauen. Ich habe oft Mobbing und übergriffige Menschen erlebt. Dies hat mein Menschenbild beeinflusst. Ich frage mich, wue ich dieses verändern kann auch wenn es immer wieder übergriffige Menschen geben wird? Was kann ich bei übergriffigen Menschen tun, wenn ich erst später merke, dass sie sich übergriffig verhalten haben?

Unsere Antwort

Dass du übergriffiges Verhalten manchmal erst im Nachhinein erkennst, geht vielen Menschen so. In der Situation selbst ist man oft überrascht oder verunsichert und merkt erst später, dass eine Grenze überschritten wurde. Das ist nicht deine Schuld, denn verantwortlich für eine Grenzüberschreitung ist immer die Person, die sich so verhält. Auch nachträglich kannst du noch reagieren. Du kannst die Person zum Beispiel ansprechen und ihr sagen, dass ihr Verhalten für dich nicht in Ordnung war. Du darfst aber auch Abstand nehmen und den Kontakt auf das Nötigste beschränken oder ganz beenden. Oft hilft es, mit einer vertrauten Person über das Erlebte zu reden, um es besser einordnen zu können. Damit du künftig früher merkst, wenn dir etwas nicht guttut, kannst du üben deinen Körper gut zu spüren. Er meldet sich häufig schneller als der Kopf, etwa durch Anspannung, ein flaues Gefühl im Bauch oder den Wunsch, auszuweichen. Wenn du dir regelmässig Zeit nimmst, deinen Körper bewusst wahrzunehmen, zum Beispiel mit geschlossenen Augen, beim Bewegen oder Spazierengehen, lernst du diese Signale immer besser kennen und kannst ihnen vertrauen. Vielleicht interessiert dich dazu auch unser Text «Wie beeinflusse ich meine Stimmung über den Körper?».

Dein Menschenbild kannst du verändern, indem du neue und gute Erfahrungen sammelst. Eigentlich machen wir ständig auch gute Erfahrungen mit anderen Menschen, nehmen sie aber häufig gar nicht bewusst wahr. Es kann helfen, deine Aufmerksamkeit gezielt auf solche Momente zu richten. Frag dich, welche Menschen dir guttun und welche nicht. Mit denen, die dir nicht guttun, darfst du den Kontakt verringern. Den anderen kannst du mehr Raum in deinem Leben geben. Vertrauen muss dabei nicht von Anfang an da sein, es darf langsam wachsen. Du kannst Menschen erst in kleinen Dingen vertrauen und beobachten, wie sie damit umgehen, ob sie ein Nein respektieren, dir zuhören und sich an Absprachen halten. Hilfreich ist dabei, genau hinzuschauen, ohne gleich zu bewerten. Wenn wir bewerten, vergleichen wir oft mit früheren Erfahrungen, statt zu sehen, was gerade wirklich passiert. Wenn du merkst, dass alte Bilder auftauchen, kannst du dir sagen, dass du erst einmal nur beobachtest. Such dir ausserdem Menschen, die du magst und die respektvoll mit anderen umgehen, und pflege Freundschaften, in denen du dich sicher fühlst.

Wenn du merkst, dass dich deine Erfahrungen stark belasten und es dir allein nicht gelingt, wieder Vertrauen zu fassen, kann eine Psychotherapie sehr unterstützend sein. In unserer Linkliste findest du Adressen von Psychotherapeut*innen. Falls du übergriffiges Verhalten erlebt hast, das dich körperlich, psychisch oder sexuell verletzt hat, kannst du dich auch kostenlos und vertraulich an die Opferhilfe in deinem Kanton wenden. Und natürlich kannst du uns jederzeit wieder schreiben. Gib dabei bitte die Nummer dieser Antwort an.

 

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