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Frage Nr. 41788 von 16.10.2026

Liebes Lilli-Team,
ich (w, 30) frage mich, ob sexueller Missbrauch immer schlimm für das Kind sein muss. Kann es sein, dass der Missbrauch für das Kind einfach normal war und es keine Angst oder andere unangenehme Gefühle dabei hatte? Erst wenn es dann erwachsen ist und gemerkt hat, dass andere Menschen so etwas als Missbrauch bezeichnen und ganz schrecklich finden, entstehen schlimme Gefühle zum Missbrauch.
Könnte man sagen, dem Kind geht es nicht wegen dem Missbrauch schlecht, sondern weil die Gesellschaft Missbrauch als schreckliches Verbrechen verurteilt?
Ich möchte damit keine Gewalt legitimieren oder Täter in Schutz nehmen, es ist nur etwas das ich nicht verstehe.

Unsere Antwort

In (fast) allen Gesellschaften gehören die «sexuellen Handlungen mit einem Kind» zu den schweren Straftaten. Ein Grund dafür ist, dass Kinder durch die sexuellen Übergriffe von Erwachsenen oft sehr schwere Entwicklungsschäden erleiden. Die Strafbarkeit ist aber auch eine gesellschaftliche Übereinkunft. Kinder sollen vor unangemessenen Eingriffen, die nicht ihrem Alter entsprechen, geschützt werden. Ihnen soll eine störungsfreie sexuelle, emotionale und kognitive Entwicklung ermöglicht werden. Die Strafbarkeit richtet sich nicht gegen die Kinder, sondern gegen den tätlichen Erwachsenen.

Dass die Verantwortung bei der tätlichen erwachsenen Person liegt, muss immer wieder deutlich gemacht und eindeutig benannt werden. Die tätlichen Erwachsenen versuchen nämlich gerade mit ihrem Grooming-Verhalten, die Verantwortung an die Kinder zu delegieren oder ihre Straftaten als nicht schlim zu minimalisieren. So ist es logisch, dass Kinder unter schlimmen Schuldgefühlen leiden und sich selbst niedermachen. Die schlimmen Gefühle erlebt das betroffene Kind als Erwachsene ja vor allem, weil die Täterschaft gezielt und schrittweise das Vertrauen von Kindern und oft auch deren Umfeld erschleicht.

Wenn die betroffene Person als Erwachsene erkennt, dass ihr Vertrauen missbraucht wurde, kann das sehr belastend sein. Umso wichtiger ist es, über Grooming-Strategie aufzuklären und die Verantwortlichkeit eindeutig beim tätlichen Erwachsenen zu lassen. Wenn die Gesellschaft die Sexualstraftaten an Kindern nicht mehr verurteilt, wäre das Groomingziel der Täterschaft erreicht. 

Zum Glück gibt es eine grosse Gruppe Kinder, die die Gewalttaten verarbeiten und ohne schweren Schaden erwachsen werden können. Dies kann aber kein Grund sein, sexuelle Handlungen wischen Kindern und Erwachsenen zu tolerieren.

 

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