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Frage Nr. 39750 von 12.05.2025

W25
ich habe aufnahmen am camcorder meines opas gefunden welche mich als kind ungünstig zeigen.
z.b. nackt im swimmingpool oder in unterhose im see. leider hat mein opa es fertiggebracht an stellen ranzuzoomen wo es dann heikel wird z.b. am po.
für mich war der fund ziemlich verstörend und ich fand auch insgesamt die aufnahme situation seltsam, konnte mich auch dunkel erinnern wie er dasteht, kaum ansprechbar und starr ohne jegliche interaktion, als wäre ich kein mensch.
ich hab es dann ziemlich mit der angst zu tun bekommen und habe meinen eltern von den aufnahmen erzählt.
meine mutter meinte nur das ist halt einfach schlechter geschmack und das thema war für sie quasi beendet.
ist soetwas noch normal?
mir geht es nicht so gut damit.
habt ihr einen rat für mich wie ich weiter vorgehen könnte? ich habe sorgen, es beschäftigt mich sehr und ich fühle mich so bloßgestellt, dass es mich mitlerweile unterschwellig in meiner sexualität beeinträchtigt.

Unsere Antwort

Die Bilder, die du beschreibst, sind nicht normal. Auch wenn es bis heute vorkommt, dass Kinder nackt gefilmt werden. In den Aufnahmen deines Grossvaters siehst du eine Absicht. Er wollte für dich heikle Körperstellen fotografieren. Das ist nicht üblich. Wenn er die Aufnahmen heimlich gemacht hat, wusste er auch, dass weder deine Eltern noch du damit einverstanden wärt. Das ist nicht normal im Umgang mit der eigenen Enkelin.

Du fragst, was du jetzt tun könntest.

Als erstes hätten wir dir geraten, mit deinen Eltern zu sprechen: Das hast du gemacht. Deine Mutter erkennt in den Bildern immerhin «schlechten Geschmack» und schliesst damit das Thema ab. Dir reicht das aber nicht aus. Was ist bei euch üblich, wenn ihr unterschiedliche Bewertungen habt? Wer beendet das Gespräch? Könntest du dir vorstellen, dass du deine Mutter nochmals ansprichst und ihr sagst, dass es dir mit ihrer Haltung nicht gut geht? Die Reaktion deiner Mutter zeigt ja, dass sie die Sexualisierung, die du in den Bildern erkennst, nicht sieht. Auch deine Scham- und Blossstellungsgefühle scheint sie nicht mitfühlen zu können. Würde es dich zufriedenstellen, wenn sie Verständnis zeigen würde. Dann bitte sie darum. Vielleicht könntest du sie fragen, wie sie sich fühlen würde, wenn sie solche unbekannten Bilder von sich finden würde.

Wenn es dir nicht gelingt, ihr Mitgefühl zu wecken, müsstest du die Arbeit selbst leisten und dein Selbstmitgefühl stärken. Schliesslich geht es ja vor allem um den Schutz deiner Sexualität. Könnten dir Gefühle wie trotzige Wut helfen? Du könntest denken: «Ich lasse es nicht zu, dass mein Grossvater mich in meiner sexuellen Entwicklung stört!» und «Ich weiss, dass mein Grossvater sich eklig und missbräuchlich verhalten hat. Er muss sich schämen - nicht ich!» Wenn du solche Sätze in dir wirksam machen kannst, wirst du dich schon besser fühlen.

Wenn dir das nicht reicht, solltest du dich an eine spezialisierte Opferhilfeberatungsstelle in deiner Nähe wenden. Die Berater*innen wissen, wie unterstützend Verständnis und Mitgefühl bei Ohnmachtserfahrungen ist. Die Berater*innen können dir auch eine Psycho- und Sexualtherapeutin vermitteln. Dies wäre sinnvoll, wenn du die Blossstellungsgefühle nicht los wirst. Mit ihr oder der Opferberatung könntest du auch ein Offenlegungsgespräch mit deinem Grossvater vorbereiten, falls das mit ihm noch möglich ist. Auch eine Genugtuung könntest du mit ihm aushandeln. Als oberste Regel sollte gelten, dass du nur Dinge tust, die dich erleichtern und die dein Gefühle klären. Zwei Infotexte «Gefühle und Gedanken rund um einen sexuellen Übergriff» und «Wie werden traumatische Erlebnisse verarbeitet» helfen dir, deine Gefühle zu besser verstehen.

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