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Frage Nr. 39840 von 29.05.2025

Ich hab eine ergänzende Frage zur Frage Nr. 39787. Vielen Dank für eure Antwort! Heisst das ich habe Traumatisches erlebt und eine Traumatherpie könnte mir weiterhelfen?
Etwas in mir sträubt sich. Ich denke, dass ich mir denke, dass ich vielleicht kein Trauma erlebt habe, da für mich ein Traume eine Vergewaltigung oder so ist. Ich habe aber dennoch diese Zustände und Bilder im Kopf die sich dann plötzlich sehr intensiv anfühlen und ich frage mich ob ich da jemals rauskomme. Verharmlose ich die Erlebnisse?
Danke für eure Hilfe!

Unsere Antwort

Deine Frage bezieht sich auf Trauma. Es gibt verschiedene Theorien zu Trauma. Einig ist man sich unter Expert*innen darüber, das es sinnvoll ist zwischen drei Dingen zu unterscheiden:

  • traumatisches Ereignis
  • traumatisches Erleben
  • traumatische Verarbeitung

Ein traumatisches Ereignis kann für den einen das Verabreichen einer Spritze sein, für jemand anderen eine Naturkatastrophe oder Krieg. Es gibt auch traumatische Ereignisse, die als einzelnes Ereignis nicht so schlimm wären, aber weil sie sich sehr oft wiederholt haben, richten sie Schaden an. Das kann zum Beispiel heftiger Streit im Elternhaus sein oder abwertende Kommentare von Menschen, die dich eigentlich umsorgen sollen. Wichtig: Am Ereignis selbst kann man noch nicht festmachen, ob die Person, die es erlebt, ein Trauma entwickelt. Fällt ein Nicht-Schwimmer ins tiefe Wasser, ist das für die Person lebensbedrohlich. Fällt ein guter Schwimmer ins tiefe Wasser, ist es für ihn vermutlich ein Spass.

Das traumatische Erleben bedeutet, dass du im Moment des traumatischen Ereignisses das Gefühl hattest, das das Ereignis deine Kapazitäten übersteigt. Du hast zum Beispiel Angst, fühlst dich hilflos oder du fühlst gar nichts mehr.

Die traumatische Verarbeitung findet nach dem Ereignis statt. Viele verarbeiten traumatische Ereignisse gut, weil sie im Nachhinein genügend Ressourcen zur Verfügung haben, das Erlebte einzuordnen und zu einem Zustand der Sicherheit und Gelassenheit zurückzukehren. Das hängt unter anderem davon ab, ob es jemanden gab, der Trost gespendet hat und welche Möglichkeiten es gab, das Erleben zum Ausdruck zu bringen und sauber in der Vergangenheit abzulegen. Bei einer traumatischen Verarbeitung gelingt die Rückkehr zu Sicherheit und Gelassenheit nicht. Und das kann sich zum Beispiel darin äussern, dass manche Dinge, scheinbar aus dem nichts, starke Gefühle auslösen.

Wenn du davon schreibst, dass du dich ständig in einem Überlebensmodus befindest, kann es sein, dass es bei dir eine traumatische Verarbeitung von Erlebnissen gab. Und aus der Erfahrung in der Beratungspraxis können wir sagen, dass die meisten unterschätzen, wie heftig es war, was sie in der Kindheit erlebt haben. Nehmen wir an, du beobachtest ein anderes Kind, wie es das erlebt, was du damals erlebt hast. Was fühlst du? Fühlst du dann Mitgefühl? Es ist ein wichtiger Schritt, dass du Mitgefühl mit dir und deiner Geschichte entwickelst.

Ich würde dir empfehlen, dich einfach mal bei einer Traumatherapeutin oder einem Traumatherapeuten zu melden und deine Situation und deine Gedanken zu schildern. Dort kann man dir dabei helfen, die für dich beste Unterstützung zu finden.

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