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(Korrigierte Version t9 Fehler: Nicht unerschütterlich zerstört sondern vollständig zerstört)
Ich weiß nicht ob ich hier richtig bin und spreche vorsorgliche eine Triggerwarnung aus. In letzter Zeit habe ich einige Dinge aufgearbeitet, die mir in Beziehungen passiert sind (bin w und war bisher nur in Beziehungen mit Frauen). Ich habe mittlerweile sehr schwiege Gefühle entwickelt. Mein Vertrauen in Frauen ist aktuell vollständig zerstört, es fühlt sich unwiderruflich an. Ich fühle mich in dem was ich bin, von allen Frauen mit denen ich zusammen war untergraben (außer eine, vielleicht noch eine zweite, aber bei der zweiten weiß ich halt, dass sie das bei ihrer Ex Freundin gemacht hat. Bei mir nicht, weil sie wahrscheinlich zu eifersüchtig dafür war). Weil das eine Quote von 60/100 hat, fange ich an das alles auf meine aktuelle Partnerin zu übertragen. Ich rechne mir aus wann sie mir diese eine Frage stellen wird, einen Mann sexuell einzubeziehen, sei es weil sie zugucken will oder selbst aktiv mitmachen möchte. Ich war damals zu jung und unerfahren um „Nein“ zu sagen und hatte Tendenzen zur Selbstverletzung… generell fühle ich mich einfach nicht mehr sicher in Beziehungen mit Frauen. Ich weiß, das ist wahrscheinlich unfair und ungesund, aber ich weiß auch nicht wie ich da wieder rauskommen soll und überlege gerade mit meiner Freundin Schluss zu machen - und dann einfach alleine weiterzumachen im Leben. Sodass ich selbst die Kontrolle habe, was passiert und was nicht. Weiß auch nicht, ob das zu hart ist, wie ich fühle, aber ich krieg das nicht mehr aus mir raus hab ich das Gefühl.
Unsere Antwort
Deine schwierigen Beziehungserfahrungen belasten dich stark. Das ist total verständlich. Darum ist es wichtig, dass du dich mit diesen Erfahrungen beschäftigst. Du musst ja wissen, welchen Einfluss diese Erfahrungen auf deine Gefühle und deine Zukunftspläne haben. Die sexuellen Forderungen/Wünsche deiner Ex-Partnerinnen haben dich verletzt. Du hast aber schon erkannt, dass die Verletzung so gross war, weil du zu jung und unerfahren warst um NEIN zu sagen. Stattdessen hast du dich mit Selbstverletzungen angegriffen. Jetzt greifst du dich mit der Drohung an, 'dann einfach alleine weiterzumachen'.
Zum Glück hast du schon gemerkt, dass Verletzungen nur schlimmer werden, wenn du Schmerz mit Schmerz bekämpfst. Du hast dich richtig hart gemacht, als deine Ex-Partnerinnen dich verletzt haben. Nicht umsonst gibt es den Spruch 'beiss die Zähne aufeinander'. Damit macht man den Körper hart und die Schmerzempfindung kleiner. Bei emotionalen Verletzungen beissen viele Menschen noch lange auf die Zähne, obwohl die Gefahr längst vorbei ist. Genauso machst du das auch. Und zum Glück merkst du, dass du die schwierigen Vergangenheitsgefühle gar nicht bewegen kannst, wenn du dich hart (und unbeweglich) machst. Deine Härte sagt: 'Schluss machen! Kontrolle haben!' und kommt zu dem Schluss, dass du dann einfach allein bleibst. Wenn du dazu mal die Meinung deiner (ganzen) Gefühlswelt einholst, wird dir schnell klar: Deine ganze Person möchte lieber eine Beziehung, nur dein verletztes Vertrauen zögert noch. Und das Vertrauen braucht jetzt deine Zuwendung. Was tut gut? Wenn du wüsstest, dass deine Freundin niemals fragt, ob ihr auch einen Mann in euren Sex einbeziehen könnt? Wäre es nicht für dich und dein Vertrauen gut, wenn du mit ihr darüber redest? Vielleicht muss deine jetzige Härte noch lernen, deiner Freundin zu glauben, was sie über sich sagt.
Wir raten dir also, zu lernen, dich zu verstehen. Für deine weitere Entwicklung schlagen wir dir vor:
- Deine Gefühle sind richtig! Nimm dich ernst. Dann kannst du ernsthaft mit dir selbst verhandeln, was dir in Beziehungen wichtig ist. Schreib das auf, damit du es nicht vergisst.
- Unterstütze dein Vertrauensgefühl! Verletzungen, auch die der Gefühle, brauchen Zeit und 'Behandlung' zum Heilen. Wende dich deiner Gefühlswelt zu. Sie wird dir genau beschreiben, was besonders weh tat und auch was nicht so schlimm war. Damit erhältst du einen Überblick über den angerichteten Schaden. Deine Gefühlswelt wird dir auch berichten, wie sie sich Beziehungen vorstellt.
- Schliess nicht von früher auf heute! Stell dir vor, deine Freundin würde dich mit dem Namen deiner Vorgängerin ansprechen. Du wärst beleidigt. Du möchtest doch, dass sie dich meint und nicht die frühere Frau! Das wünscht sich deine Freundin sicher auch.
- Nimm deine Bedürfnisse ernst! Du bist die eine Hälfte deiner Beziehung. Diese Hälfte kannst du unter Kontrolle haben. Die zweite Hälfte, deine Freundin, musst du befragen, wenn du wissen willst, was sie denkt und fühlt. Mit ihr kannst du aber auch aushandeln, wie ihr beide die Beziehung gestalten wollt.
Schau dich auch mal auf unserer Seite um. Wir haben ein ganzes Kapitel «Beziehungen eingehen». Besonders könnte dich interessieren: «Wie stehe ich für meine Bedürfnisse ein?», «Wie stelle ich mir eine Beziehung vor?» und «Ich bin unsicher ob ich eine Beziehung will».
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