Danke für eure Antwort zur Frage Nr. 39991 von 06.07.2025!
Ich lebe seit gut einem Jahr mehrheitlich bei meinem Freund. Ich habe irgendwie immer instinktiv Menschen ausserhalb meiner Familie gesucht, die es gut mit mir meinen und die mich unterstützen. Ich war beispielsweise als Kind oft bei Freunden oder eben jetzt bei meinem Freund.
Ich habe das Gefühl durch den heutigen Abstand belastet es mich umso mehr, wenn ich mal wieder bei ihnen bin. Ich habe das Gefühl bei ihnen dreht sich immer alles um ein mögliches Problem. Ich kann mich schwer an eine Zeit erinneren, in der es kein Problem oder einen Konflikt gab.
Ich habe mich bei der Auseinandersetzung beobachtet und gemerkt, dass ich häufig nicht die passenden Argumente habe oder das diese mir erst danach einfallen. Ich merke dann wie ich beispeilsweise bei Vorwürfen schwer kontern kann. Zudem habe ich auch das Gefühl wie eine Art einzufrieren und Angst vor Konflikten zu haben. Ich male mir dann im meinem Kopf Horrorszenarien aus. Ich habe auch das Gefühl sehr emotional zu reagieren und z.B. dann sehr wütend zu werden oder anfangen zu weinen. Hättest du da einen Rat, wie ich mich selbstsicherer behaupten kann?
Danke für deine Hilfe!
Unsere Antwort
Ja, durch den Abstand erlebst du erst so richtig den Kontrast zwischen dem Umfeld, das du dir gesucht hast und dem Umfeld, aus dem du kommst. Ich kann gut nachvollziehen, dass du schwierige Gefühle erlebst, wenn du das wahrnimmst. Welche Gefühle sind das? Könnte man es Traurigkeit nennen? Worüber?
Es freut mich, dass du dir diese Fähigkeit bewahrt hast, dir ein Umfeld zu suchen, das es gut mit dir meint. Das ist sehr viel wert.
Was du von der Auseinandersetzung schilderst, klingt so, als kämst du in starken Stress und kannst deshalb nicht mehr so klar denken und sprechen.
Es gibt verschiedene Methoden, wie du den Stress verringern kannst, um besser für dich einzustehen. Dazu gehört, die herausfordernden Situationen im Kopf durchzuspielen und zu beobachten, welche körperlichen Stresssymptome du beobachten kannst.
- Spüre zunächst deinen Körper. Fasse ihn dafür zum Beispiel einmal von Kopf bis Fuss an und mache dir ein Bild davon, wo du angespannt bist und wo du locker bist.
- Dann stelle dir die Situation vor.
- Spüre deinen Körper wieder. Mache dir ein Bild davon, wo du anspannst und wie deine Atmung ist. Verlangsame so sehr, dass du die Veränderungen wahrnehmen kannst. Das sind deine Anhaltspunkte in der realen Situation, dass du in Stress gerätst. So kannst du rechtzeitig dafür sorgen, deinen Stress auf ein Maß zu reduzieren, dass du weiterhin handlungsfähig bleibst.
- Wenn du beim Üben bemerkst, dass Stress aufkommt, lass deine Zunge locker, deinen Hals, deinen Bauch und deinen Beckenboden. Es erscheint entgegen der Intuition im Stress locker zu lassen. Aber es wird dir helfen, die notwendige Klarheit aufzubringen und auch sprechfähig zu bleiben.
Wenn du das häufig für dich zuhause geübt hast, wird es dir viel leichter fallen in der tatsächlichen Situation mit deinen Eltern.
Falls es dir insbesondere schwerfällt, weiterhin sprechfähig zu bleiben, gibt es weitere Übungen, die du machen kannst. Du könntest zum Beispiel mal damit beginnen, mindestens 3 mal pro Tag laut auszusprechen "Ich kann sprechen" mit einer klaren Stimme und während du deine Füße gut auf dem Boden spürst.
Außerdem gibt es viele weitere Dinge, die deine Selbstbehauptung stärken. Du könntest beispielsweise einen Selbstbehauptungskurs machen oder Stressreduktion trainieren oder eine Therapie machen. Du bleibst die Expertin dafür, was dir hilft und was nicht.
Kannst du Englisch? Die oben genannte Übung nennt sich Centering. Du findest unter dem Suchbegriff "ABC centring" einige Videos von Embodiment Coaching oder Mark Walsh, die dir weiterhelfen können.
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