39965
Danke für eure Antwort.
Ich habe praktisch keinen Kontakt mehr. Jetzt ist diese Person aber krank geworden. Ich weiss nicht, wie ernst es ist. Aber es löst sehr schwierige und gemischte Gefühle aus. Kontakt tut mir nicht gut, das weiss ich. Aber es ist dennoch Familie und schmerzt/ ich mache mir Sorgen (glaube ich, ich verstehe meine Gefühle gerade nicht). Ich weiss nicht, wie ich damit umgehen soll, wenn es etwas ernstes ist.
[...] bitte kürzen
Ich habe keine „Beweise“ für diese Erinnerungen. Sie fühlen sich genauso wenig oder sehr real an wie ob ich heute Zähne geputzt habe und ob alles andere (was über Geschwister bestätigt ist) passiert ist.
Ich bin nicht so leistungsfähig wie andere in meinem Alter und bringe das in Zusammenhang mit meiner Vergangenheit. Aber es ist schwer zu akzeptieren; ich bin gerade krankgeschrieben worden, weil ich so völlig erschöpft und seit Wochen über der Grenze war. Das löst einerseits ein schlechtes Gewissen aus (und Angst mein Chef hasst mich/ mein Team ist enttäuscht) aber auch Trauer, weil ich gerne leistungsfähiger wäre und „funktionieren“ möchte. Aber es nicht schaffe, offensichtlich.
Unsere Antwort
Wir bitten dich ganz dringend, dich selbst ernst zu nehmen. Als Opfer von einer besonderen Art der Gewalt leidest an gemischten Gefühlen. Die Gewalt war auch gemischt, wie du in deiner ersten Frage beschreibst. Du wurdest wie ein Besitz behandelt. Sehr geliebt, mitgeschleppt, angeschrien, missbraucht, beleidigt und wieder ganz doll lieb gehabt. Dabei spielten nur die Stimmungen der Täterschaft eine Rolle - nicht du und deine persönlichen Bedürfnisse. Dieses emotionale Wechselbad steckt heute noch in dir. Du beschreibst es immer wieder. In dir gibt es bereits eine innere Stimme, die dir sagt, dass du durch diese Behandlung geprägt worden bist. Du möchtest das nicht. Deine Dauerzweifel kosten Energie. Du merkst, du bist schnell erschöpft. Und doch kämpfst du darum, deinen Chef und dein Team besser zufriedenstellen. Deine Bedürfnisse, z.B. leistungsfähiger zu sein, kommen dabei zu kurz.
Weil deine Bedürfnisse nie eine Rolle spielten, hast du auch nicht gelernt, sie zu beachten. Dafür brauchst du persönliche Unterstützung. Wir haben dir bereits Opferhilfestellen angegeben. Du könntest dir auch bei deiner Hausärztin/deinem Hausarzt eine Psychotherapie verschreiben lassen. Ziele der Therapie könnten sein: eine eindeutige Haltung zum Erlebten zu entwickeln, die intrusiven (drängenden) Erinnerungen an die missbräuchlichen Übergriffe zu lindern, deine eigenen Bedürfnisse zu erkennen und zufrieden zu stellen und dein Selbstwertgefühl zu stabilisieren.
Das Wichtigste ist, dass du dir ernsthaft Begleitung suchst.
Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema