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Frage Nr. 40526 von 08.12.2025

W27
Hallo liebes Team,
ich bin seit Februar in Therapie (Verhaltenstherapie) wegen einer Angststörung.
Ich bin heute, wie schon öfters in der Vergangenheit, mit einem Thema konfrontiert worden, das für mich persönlich extrem schwierig ist.
Genau genommen beschäftigt mich dieses Thema seit 13 Jahren.
Ich habe aktuell das Gefühl, das es auch bei der Entwicklung meiner Angststörung eine zentrale Rolle spielt und dass ich es im Rahmen der Therapie unbedingt ansprechen sollte, weil die Therapie sonst evtl. nur halb Erfolg haben wird.
Ich habe allerdings sehr große Angst, dieses Thema gegenüber meinem Therapeuten anzusprechen. Nicht weil ich ihm nicht vertraue; ich würde die therapeutische Beziehung als sehr gut beschreiben.
Sondern einmal weil ich denke dass ich aufgrund dessen, welche Gedanken und Gefühle in Bezug auf dieses Thema bei mir hochkommen, eine äußerst verachtenswerte Person bin und er das dann auch von mir denken könnte und mich unter Umständen dann moralisch komplett verurteilt.
Und andererseits befürchte ich, dass er die Dimension dieses Themas und seine Bedeutung für mich falsch einschätzt und dann evtl. unsensibel reagiert und das ganze für mich noch massiver verschlimmert.
Es handelt sich für mich um etwas, bei dem es mir sprichwörtlich den Boden unter den Füßen wegzieht. Ich denke, wenn er falsch damit umgeht, dann könnte das womöglich dazu führen, dass ich keinen Sinn mehr im Leben sehe und in meiner Person, meinem Selbstwertgefühl und meiner Identität komplett zusammenbreche.
Meine Frage wäre vor diesem Hintergrund:
Wie bereite ich meinen Therapeuten darauf vor, mit mir dieses Thema anzugehen?
Einfach so ansprechen wird mir sehr schwerfallen, schon allein aus Angst vor seiner Reaktion und davor, dass er selber im ersten Moment vielleicht nicht weiß was er sagen soll und dann Dinge sagt oder das Ganze so behandelt, dass es für mich die oben genannten Folgen hat.
Bitte entschuldigt die dumme Frage, aber ich bin da sehr ratlos.

Unsere Antwort

Mach das doch genauso, wie du das hier mit uns gemacht hast. Wir haben gut verstanden, dass dich ein sehr schwieriges Thema schon sehr lange beschäftigt. Es ist so mächtig, dass du es immer mit dir herumträgst. Mit den Jahren scheint es auch immer schwerer geworden zu sein. Das ist bei Fragen oder Problemen so. Wenn du keine Antwort oder Lösung findest, gehst du ja irgendwann davon aus, dass es auch keine gibt. Jetzt wünschst du dir doch jemanden, der das mit dir zusammen anschaut? Diese Person muss dazu geeignet sein. Darum musst du sie prüfen. In deiner Frage an uns, hast du klugerweise dein Thema nicht ausgesprochen. Aber du hast deutlich gemacht, wie bedeutend es in deinem Leben ist. Es könnte dir den Boden unter den Füssen wegziehen und sogar deinen Lebenssinn und deine Identität beschädigen. Du merkst vielleicht schon selbst, dass es sinnvoll ist, nicht sofort das Thema auszusprechen. Dein Therapeut hat viele Chancen, auf deine Ankündigung zu reagieren. Er hat wahrscheinlich gelernt, dass Sicherheit und Vertrauen in einem Prozess entstehen und Zeit brauchen. Und nimm dir auch vor, dass du deinen Therapieerfolg nicht von dem Verhalten deines Therapeuten abhängig machst. Du beschreibst die therapeutische Beziehung als sehr gut. Nütze dies als Chance, das alte Thema in einer (geschützten) Öffentlichkeit zu bearbeiten, damit es seine Macht verliert.

Hier geben wir dir einige konkrete Formulierungsvorschläge für deine Therapie.

Thema nicht aussprechen: «Ich sage Ihnen erst, um was es geht, wenn ich genügend Vertrauen spüre.»

Befürchtungen benennen: «Ich habe Angst, …dass das Thema Sie überfordert/…das Sie mich nicht ernst nehmen/…dass Sie mich moralisch verachten/…»

Wünsche äussern: «Bitte hören Sie mir ohne Unterbrechung zu.» «Bitte behalten Sie im Kopf, dass mich das Thema schon lange schwer belastet.» «Ich wünsche mir eine erfolgreiche Therapie.» «Ich merke, dass mein Thema den Therapieerfolg verhindert. Bitte helfen Sie mir, damit umzugehen.»

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