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Frage Nr. 40557 von 11.12.2025

Hallo Lilli,

danke für eure Antwort auf 40497 und die Bestärktung fachlichen Rat zu holen.
Leider steht meine Familie Psychotherapie nicht sehr offen gegenüber, aus persönlicher Erfahrung, dass es schon geschadet hat.
Die Bücher die ihr nennt kenne ich beide, ich habe zudem alle von der National Vulvodynia Association empfohlenen Bücher auf Englisch gelesen und in der Unidatenbank die Fachartikel herausgesucht.

Ich habe auch gesehen, dass ihr in eurer Bücherliste das Kopfschmerzen im Becken-Buch empfehlt. Das ist ein tolles Buch, aber für Laien sehr schwer, selbst ich als Wissenschaftlerin hatte damit meine Probleme, weil ich es als erstes gelesen hatte.
Besser finde ich für Einsteiger das Buch von Renate Bruckmann "Unter der Gürtellinie- Urogenitale Beschwerden körpertherapeutisch verstehen und behandeln". Das hat mehr oder weniger den gleichen Ansatz, ist aber viel leichter zu verstehen. Auch sind Tipps zur Selbstbehandlung drin. Falls ihr das in die Liste aufnehmen wollt. Es geht auch nicht nur um Schmerzen, sondern auch um Erektionsstörungen etc.

Aber zu wissen was zu tun ist und es umzusetzen sind leider oft zwei Paar Stiefel, und da komme ich oft nicht so gut klar. Das Nervensystem reagiert leider eigenwillig...

Ihr hattet mich auch gefragt, ob ich die Beziehung überhaupt noch will oder inzwischen ambivalent bin... das hat mich zum Nachdenken angeregt. Habt ihr das gefragt, weil andere in meiner Situation die Beziehung beendet hätte, weil sowas nicht geht und ich einfach zu tolerant bin? Dass sowas eigentlich gar nicht geht und ich das nur nicht erkannt habe?

Viele Grüße und Danke

Unsere Antwort

Danke für den Buchtipp. Das Buch schauen wir uns gern an!

Ja, Wissen und Umsetzen sind zwei Dinge. Leider sind wir Menschen ein träges System, das sich nur sehr langsam bewegt. Daher finde ich es umso wichtiger, kleine Veränderungen in Richtung zu etwas Gutem sehr hoch zu bewerten und Rückschläge als normal zu akzeptieren. Auch wenn das schwer ist. Dafür finde ich eben Achtsamkeit so unglaublich gut.

Als Psychotherapeutin habe ich diese Erfahrung gemacht: Ein Aha-Erlebnis in der Therapie wirkt viel seltener nach, als wir das uns wünschen. Es braucht das tägliche Praktizieren. Hast du ein tägliches Programm - z.B. 20 Minuten Yoga am morgen, oder 10 Minuten Meditation? U.s.w. Meine Erfahrung ist, dass derartige tägliche Routinen helfen, unser Nervensystem zu beruhigen. Täglich von neuem. Was machst du regelmässig?

Was deine Beziehung angeht: Ich finde es müssig, zu überlegen, was eine andere Person in deiner Situation machen würde. Denn du bist einzigartig, und du hast deine ganz persönlichen Gründe, warum du in der Beziehung bist. Wir Menschen sind ein Potpourri aus unterschiedlichen Bedürfnissen, die sich nicht selten ziemlich in der Quere stehen. Du könntest für dich auflisten, welche Bedürfnisse die Beziehung erfüllt und welche nicht.

Die Frage ist auch: Was sind wir bereit, zu tolerieren, um ein bestimmtes Bedürfnis zu stillen? Oft verbleiben Menschen in Beziehungen, weil sie damit ein Bedürfnis nach Sicherheit stillen – weil das Vertraute sicherer ist als das Fremde, und weil Alleinsein sich unsicherer anfühlt. Dafür sind sie bereit, viel in Kauf zu nehmen: Sie passen sich an und stecken Bedürfnisse zurück, die eher in die Kategorie Autonomie/Selbstverwirklichung gehören. 

Je nach Lebensphase sind unsere Bedürfnisse unterschiedlich. Das Bedürfnis nach Sicherheit kann in bestimmten Phasen ganz gross sein, das Bedürfnis nach Autonomie oder das Bedürfnis nach Exploration in anderen sehr hoch. Und auch die Entwicklung unserer Selbstsicherheit beeinflusst, wie hoch unser Bedürfnis danach ist, die Sicherheit von extern zu holen.

Eine entscheidende Frage ist noch: Wie viel Liebe findest du, dass du verdient hast? Wie liebenswert findest du dich? Viele Menschen haben einen eher niedrigen Selbstwert. Sie haben selbst-kritische und selbst-abwehrende Stimmen. Und so eine Stimme kann dann natürlich auch sagen: "Du hast es nicht besser verdient". "Keiner würde dich wollen". "Du musst nehmen was du kriegst". "Eigentlich solltest du bestraft werden", und so weiter. Die Ursachen hierzu liegen in der Kindheit. Wir haben dazu einen Text geschrieben, der dich vielleicht inspirieren könnte.

Alles Gute fürs neue Jahr!

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