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Frage Nr. 40578 von 15.12.2025

Ich habe eine Frage bezüglich sexueller Erregung. Ich habe seit einigen Monaten einen Freund. Er und ich haben beide nur unsere gemeinsame Erfahrung mit herummachen. Wir haben noch nie Sex gehabt, aber wir machen herum und fassen uns auch gegenseitig an. Aber irgendwie bin ich in letzter Zeit selten erregt wenn ich mit ihm bin und spüre oft keine Lust, auch im Alltag nicht, früher war das schon so. Ich habe das Gefühl, er macht nicht "genug", um mich zu erregen, ich werde auch nicht wirklich feucht. Die einzige Art, wie ich wirklich Lust spüre, ist wenn er über meinen Oberkörper fährt. Wenn ich auf ihm sitze oder er seine Finger in mir hat, spüre ich miestens nichts oder die Erregung geht wieder weg. Auch verstehe ich irgendwie nicht ganz, wo die Klitoris ist, weil ich nicht erregter werde, wenn er oder ich probiere, mich mit der Hand aussen zu stimulieren. Ich habe auch das Gefühl, er weiss nicht unbedingt, wie Frauen beim Sex reagieren bzw. was sie anderses brauchen, um erregt zu werden. Dadurch ist es für mich schwierig, auch zu meiner Lust zu kommen und es ist auch unbefriegend, weil ich nicht verstehe, was es genau braucht.
Ich glaube, oft geht es mir auch zu schnell, also ich bräuchte wie mehr Zeit, in der er mich nur mit der Hand berührt.
Ausserdem finde ich küssen irgendwie nicht so toll, nicht weil ich ihn eklig finde, aber einfach so und ich frage mich, ob das normal ist, oder wieso ich es nicht so fühle? Auch mit anderem Jungs, die ich schon geküsst habe, fand ich küssen immer eher "anstrengend" und wie ein schleimiger Frosch im Mund. Ich bin w/20.

Unsere Antwort

Das was du erlebst, ist völlig normal. Sexualität ist ein Lernprozess. Das funktioniert ähnlich, wie wenn du lernst, ein Instrument zu spielen, oder welches Essen du magst. Lese dazu den Text, wie sexuelles Lernen funktioniert. Das heisst, dass du durch Erforschen, Ausprobieren und Wiederholung von bestimmten Praktiken lernst, wie du Petting, Küssen und Sex geniessen kannst. 

Dazu hast du dir schon einige interessante Überlegungen gemacht. Zudem kannst du bereits Handlungen beschreiben, welche du geniesst (z.B. den Oberkörper streicheln lassen). Du beschreibst ebenfalls, dass du sexuelle Erregung wahrnimmst. Es ist also alles da, was du benötigst. Ich möchte dich motivieren, diese Beobachtungen weiter zu verfolgen. 

Ist eine Beziehung neu, spielen die Hormone meistens verrückt. Verliebtheit kann auch ein starker Antrieb für sexuelle Lust sein. Es ist normal, dass nach der ersten Verliebtheitsphase die Hormone - und somit auch dieser Antrieb - nachlässt. Deshalb ist es hilfreich, wenn du mehrere Möglichkeiten kennst, wie du dich sexuell erregen kannst.

Im Text über die Erregungsquellen findest du dazu weitere Informationen.

Du beschreibst, dass für dich die gemeinsame Sexualität nicht besonders erregend ist. Unser Hirn ist einfach gestrickt und möchte vorallem das, was auch gute Gefühle bringt. Es ist also logisch, dass die Lust nicht besonders hoch ist, weil der "Ertrag" noch nicht mit sexueller Erregung oder guten Gefühlen verbunden ist. Es hat also weniger damit zu tun, dass dein Freund "genug" macht, als das ihr beide herausfindet wie er "das passende" macht. Und was passend für dich ist, lässt sich nicht auf alle Frauen übertragen. Jede Person hat ihre eigene Sexualität, mit den persönlichen Vorlieben. Je besser du über dich selbst bescheid weisst, desto eher kannst du deinem Freund mitteilen was dir gefällt. 

Es wäre es interessant, von dir zu wissen, ob du bereits sexuelle Erregung steigern konntest und dabei auch einen Orgasmus erlebt hast? Dann könnten wir spezifischer darauf eingehen, wo du im Lernprozess gerade stehst. Wenn du magst, darfst du gerne nochmals auf diese Frage (bitte auf Nr. #40578 verweisen) antworten. Dabei wäre es interessant zu wissen, wie du zum Beispiel bei der Selbstbefriedigung vorgehst? Wie berührst du dich selbst, wie hoch ist die Spannung im Körper und im Becken? Wie bewegst du dich dabei? Wie atmest du? Das zu wissen und wahrzunehmen kann dir helfen, deine Erregung besser wahrzunehmen und zu steuern.

Du beschreibst, dass du in der Vagina wenig spürst und noch nicht so genau weisst, wo die Klitoris ist. Dazu möchte ich dich auf einige Texte aufmerksam machen, wie du dein Geschlecht erforschen kannst. Manchmal hilft es auch, dich vor einen Spiegel zu setzen und dir deine Vulva genau anzuschauen. Nimm dir dabei viel Zeit, achte darauf, dass du ungestört und entspannt bist. Spürst du selbst etwas, wenn du dich mit deinen Fingern an der Vulva oder in der Vagina berührst? 

Und zum Üben zusammen mit deinem Freund, hier drei weitere Texte:

Zudem gibt es noch einen Text mit Tipps fürs Küssen, welcher für dich spannend sein könnte. Auch hier gilt, dass Kommunikation wichtig ist. Wenn sich das Küssen nach schleimigem Frosch anfühlt, ist vielleicht der Einsatz von Zunge und Speichel von deinem Freund zu hoch. Du darfst ihm gerne mitteilen, was du magst. Achte dabei gut darauf, was du möchtest. Es ist auch möglich, in sexueller Interaktion zu sein, ohne Zungenküsse. Vielleicht wird dein Interesse im Laufe der Zeit geweckt.

Achte darauf, dir beim Erforschen deiner Sexualität genügend Zeit zu geben. Wiederhole, was dir gefällt. Du wirst merken, dass du besser Bescheid weisst, sobald du deinem Freund mitteilen kannst, was dir gefällt. Und vielleicht könnt ihr ab und zu auch zu Zweit auf Erkundungstour gehen. 

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