Guten Tag,
meine Freundin und ich haben gemeinsam masturbiert (jeder für sich, aber nebeneinander), und wir haben uns gegenseitig herausgefordert, unsere eigenen Genitalien zu schmecken. Ich habe mein Sperma probiert und sie das Vaginalsekret, jedoch nicht gegenseitig, um kein Risiko für sexuell übertragbare Infektionen einzugehen. Wir waren sehr erregt und haben uns kurz danach geküsst, ohne groß darüber nachzudenken. Ich kann allerdings nicht genau sagen, ob es nach 30 Sekunden oder erst nach einigen Minuten war. Es war etwas spontan, und jetzt mache ich mir Sorgen, ob wir durch diesen Kuss nach dem Probieren unserer eigenen Körperflüssigkeiten möglicherweise sexuell übertragbare Infektionen übertragen haben könnten. Zum Beispiel von meinem Penis zu meinem Mund und dann von meinem Mund zu ihrem, oder umgekehrt – Sie verstehen?
Soweit ich weiß, sollte Küssen normalerweise kein Problem darstellen, aber der Kontakt zwischen Mund und Genitalien oder deren Flüssigkeiten kann ein Risiko darstellen. In einem Fall wie diesem, in dem man nur die eigenen Flüssigkeiten probiert hat – sollte man eine gewisse Wartezeit einhalten, bevor Küssen wieder als risikofrei gilt?
Wir verwenden beim Oralverkehr immer ein Kondom, und ich habe bisher noch nicht versucht, ihre Vulva oral zu stimulieren, auch wenn ich gelesen habe, dass dies mit einem zurechtgeschnittenen Kondom (als eine Art Schutzbarriere) sicher möglich sein soll.
Entschuldigen Sie bitte, falls meine Frage ungewöhnlich erscheint. Meine Freundin meint, ich mache mir unnötig Sorgen, aber ich kann nicht aufhören, an die Hinweise aus dem Sexualkundeunterricht zu denken. Ich habe nun das Gefühl, möglicherweise etwas Gefährliches oder Unverantwortliches getan zu haben.
Vielen Dank!
Unsere Antwort
Es ist eine gute Idee, dich bei großen Sorgen an eine Fachperson zu wenden.
Du hast Sorge davor, etwas gefährliches oder unverantwortliches getan zu haben. Gleichzeitig erscheinst du recht gut informiert und vorsichtig zu sein. Deine Unsicherheit machst du an einer ganz spezifischen Situation fest. Du hast bereits mit deiner Freundin über deine Sorgen gesprochen. Das ist eine sehr gute Idee. Du weißt jetzt schonmal: sie schätzt die Gefahr einer Ansteckung anders ein als du.
In der konkreten Situation, die du beschreibst, ist die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung gering. Allerdings weiß ich nicht, welche sexuellen Handlungen ihr sonst gemacht habt. Schau dazu am besten mal in unseren Text STI: Wie kann ich mich mit was anstecken?
Um das Risiko einer Ansteckung mit sexuell übertragbaren Infektionen in deinem Fall zu beurteilen, fehlen mir noch ein paar wichtige Informationen. Wie viele Sexualpartner*innen hattet ihr vorher? Habt ihr aktuell mit weiteren Menschen sexuelle Begegnungen und haben die auch mit weiteren Menschen Sex? Wann habt ihr euch zuletzt testen lassen? Oder wann wurde bei einer Blutspende eine HIV Infektion ausgeschlossen? Bist du gegen Hepatitis B und HPV geimpft?
Du schreibst davon, dass dir die Informationen aus dem Sexualkundeunterricht in der Schule noch sehr im Kopf sind. Welche Hinweise sind das ganz konkret gewesen? Vermutlich meinst du damit eine ganz allgemeine Angst, du könntest dich mit einer gefährlichen Krankheit anstecken. Möglicherweise zusammen mit der Bewertung, dass das unbedingt zu vermeiden ist. Vielleicht fehlt dir zeitgleich ausreichend Information, um einzuschätzen, wann ein Verhalten sicher genug ist. Angst ist grundsätzlich hilfreich – sie kann dich vor Gefahren schützen. Sie kann aber auch eigentlich schöne sexuelle Begegnungen unnötig stark überschatten. Ich empfehle dir daher, diese Angst in den Kontext der konkreten Situation zu setzen. Dazu gehört insbesondere die Einschätzung, ob überhaupt einer von euch infiziert ist. Und wenn ja mit was.
Für dich könnte es hilfreich sein, dir zu überlegen, welcher Schutz dir sinnvoll und ausreichend erscheint. Sprich doch mal mit deiner Freundin darüber, wie sie das sieht. Oder auch mit anderen Freund*innen.
Wir empfehlen zum Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen die HPV-Impfung und die Hepatitis-Impfung. Zu Beginn einer neuen sexuellen Begegnung, solltet ihr Kondome verwenden. Vor dem Weglassen der Kondome in einer monogamen Partnerschaft, solltet ihr euch auf die wichtigsten sexuell übertragbaren Infektionen testen lassen. Und bei häufig wechselnden Sexualpartner*innen solltet ihr euch zusätzlich regelmäßig testen lassen. Menschen mit Uterus sollten regelmäßig zur Vorsorge gehen. Wichtig ist auch die Fähigkeit, miteinander über ausreichenden Schutz zu sprechen.
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