Hallo liebes Lilli-Team.
Ich bin die Fragestellerin von 41054 und bin sehr dankbar für eure Antwort.
Ich habe nun den Entschluss gefasst eine längere Reise ca. 1 Monat zu machen um mir nun bewusst Zeit zu nehmen die Fragen welche mich schon länger umtreiben anzuschauen und ernst zu nehmen. So wie ihr es mir auch geraten habt. Nun habe ich auch meinen Job gekündigt um wirklich „frei“ zu sein und mich auf diesen Prozess einlassen zu können. Ich habe geplant eine Wanderung zu machen für mich alleine und dann nach Abschluss der Reise mit Klarheit zurück in die Schweiz zu kehren.
Ich habe meinem Partner kommuniziert, dass das Resultat dieser Reise auch sein könnte, dass ich mich dazu entscheide mich zu trennen und neue Wege zu gehen - sei es in der Heimat oder sonst wo. Nach diesem Entschluss, mir die Auszeit zu geben ging es mir um einiges besser als die Wochen davor und merke auch wie ich wieder etwas „leichter“ werde und wieder lachen kann. Mein Partner äussert, dass er auch finden würde das es mir schon besser gehen würde. Ich war auch in Therapie und meine Therapeutin meinte auch das eine räumliche Tremnung aktuell das Beste für uns sei.
Nun zum eigentlichen „Problem“: ich weiss nicht inwiefern meinem Partner bewusst ist, dass eine Trennung auch eine mögliche Option ist. Natürlich könnte ich auch zu dem Entschluss kommen das ich in der Beziehung bleiben möchte und die Ehe fortführen will und wir beide daran arbeiten aber ich habe das Gefühl mein Partner denkt so was wie „die macht nun ihren Selbstfindungstrip“ und kommt dann wieder zurück und alles ist beim Alten und wir können wie gehabt weiter machen. Ich habe ihm auch schon mehrmals gesagt, dass er sich „nicht zu grosse Hoffnung“ machen sollte, in Momenten z.B. in denen wir glücklich zusammen waren. Ich weiss, dass er seinen Emotionen selber regulieren muss und ich nicht dafür verantwortlich bin. Trotzdem habe ich die Befürchtung schliesslich doch nicht ganz frei zu entscheiden und so etwas wie einen „faulen Kompromiss“ einzugehen. Meine grösste Angst wäre insofern, dass ich mir nicht selbst treu bleiben konnte und ich meinen Partner auf längerer Sicht hin verletze. Weil ich ihn eigentlich liebe ich jedoch nicht weiss ob Liebe allein ausreicht… sehr kompliziert ich weiss :/ Danke jetzt schon mal für eure Rückmeldung. [ w, 27 ]
Unsere Antwort
Ich sehe, du hast Entscheidungen getroffen und dir stehen größere Veränderungen bevor. Es ist mutig, dass du dich auf eine solche Zeit der Ungewissheit einlässt. Ich wünsche dir, dass deine Reise hilft, um Klarheit zu entwickeln.
Ich stelle dir nun ein paar möglicherweise etwas unbequeme Rückfragen. Ich unterstütze dich in deinem Vorhaben diese Reise anzutreten und für dich Klarheit zu entwickeln. Schau mal, was meine Fragen und Gedanken in dir auslösen. Ich schreibe sie dir auf, um dich darin zu unterstützen für dich stimmige Entscheidungen zu treffen. Jede Entscheidung ist okay. Denn es ist dein Leben.
Was versprichst du dir davon, deinem Mann jetzt schon klarzumachen, dass du dich vielleicht trennen wirst?
Bist du erst frei, wenn er dich freiwillig und emotional unberührt gehen lässt? Auf sein Verhalten hast du keinen Einfluss. Er ist frei und du bist frei. Ihr seid freiwillig miteinander in Beziehung. Es gehört zu einer verbindlichen Beziehung dazu, dass deine Entscheidung zur Trennung für ihn sehr schmerzhaft sein kann. Das macht dich aber nicht weniger frei.
Möchtest du ihn in der Zeit deiner Abwesenheit zu Veränderungen bewegen? In dem Fall würde ich dir empfehlen, Klartext mit ihm zu reden, worum es ganz konkret geht. Wie fühlst du dich mit ihm? Wie blickst du auf eure Beziehung? Wo sind die Dinge irgendwie unschön miteinander und wie könntest du ihm deine Sicht auf die Dinge zur Verfügung stellen? Häufig sprechen Paare lange Zeit nur über das, was sie sich wünschen. Sie kämen aber weiter, wenn sie offenen Auges betrachten und besprechen, wo es unschön ist. Die meisten Menschen tragen einiges an unschönen Vorerfahrungen aus ihren Herkunftsfamilien im Gepäck. Es ist eine Herausforderung, eine dauerhafte Beziehung miteinander so zu gestalten, dass beide gerne weitermachen möchten.
Es ist möglich, dass du richtig einschätzt, wie dein Partner über deine Entscheidung denkt. Es könnte auch sein, dass er sich ganz andere Gedanken macht. Und es ist gut möglich, dass ihr unterschiedliche Perspektiven auf deine Reise habt.
Du schreibst von deinem Wunsch "ganz frei" zu entscheiden. Etwas "ganz frei" zu entscheiden, ist ein sehr hoher Anspruch. Realistischer ist, dass du stets nur so weit blicken kannst, wie es aktuell möglich ist. Und bei den allermeisten Entscheidungen gibt es sowohl etwas wofür du dich entscheidest, als auch etwas wogegen du dich entscheidest. Womöglich ist es für dich, wie für viele Frauen, eine ungewohnte Situation, dich in den Mittelpunkt deiner Entscheidung zu stellen. Die Sozialisation von Frauen bringt ihnen häufig bei, das Wohl anderer vor ihr eigenes zu stellen. Und das kann auf längere Sicht sehr unglücklich machen. Insbesondere in engen Beziehungen ist es ganz wichtig, dass beide für das eintreten können, was ihnen wichtig ist.
Was bedeutet lieben für dich in eurer Situation? Liebst du ihn nicht mehr, weil du eine längere Reise für dich unternimmst? Könntet ihr euch trennen und dennoch Liebe und Wertschätzung füreinander empfinden? Viele Menschen erleben im Laufe ihres Lebens ganz neue Formen von Liebe, weil sich die bisherigen Vorstellungen erweitern.
Schau mal, was du davon mitnehmen möchtest. Ich wünsche dir auf alle Fälle schonmal eine Reise, die dir gut tut.
Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema