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Frage Nr. 41157 von 05.05.2026

Liebes Lilli-Team, danke für eure tolle Arbeit!

Ich (w, 26) habe eine Frage zum Thema Liebe und Beziehung. Ich bin jetzt Mitte 20, gerade fertig mit dem Studium und merke, dass ich mich danach sehne, eine stabile, langfristige, wertschätzende, einfach ‚erwachsene’ Beziehung einzugehen, bei der ich daran glauben kann, dass sie auch zu Heirat, Familie etc. führen könnte. Natürlich kann man so etwas ganz am Anfang einer Beziehung noch nicht wissen, aber ich spüre da einfach so eine Sehnsucht und auch ein bisschen einen Neid auf meine besten Freund*innen, die größtenteils in langen Beziehungen sind, sich mit ihren Partner*innen gemeinsam Wohnungen einrichten und zusammen einen schönen Alltagsrhythmus im Arbeitsleben finden etc.

[...]

Hättet ihr Tipps für mich, wie ich mit diesen Sorgen umgehen kann? Ich glaube, es sind fast schon Zwangsgedanken. Wenn wir einen schönen Moment zusammen verbringen, kommt mir oft die Vorstellung in den Kopf, wie er ihn in der Zukunft mit jemand anderem erleben wird, obwohl ich das überhaupt nicht denken will. Und der Gedanke, dass, wenn ich in ein paar Jahren nicht allein sein will, ich diese Beziehung nicht ‘genießen’, sondern mir ‘etwas Stabiles’ suchen sollte. Zusammen mit Schuldgefühlen gegenüber meinem Exfreund, den ich verlassen habe, führt das dann zu sehr negativen und destruktiven Gedanken mir selbst gegenüber.

Ich habe mich noch nicht getraut meine Sorgen in der Beziehung anzusprechen, weil ich einerseits meinen Freund nicht überfordern will (selbst, wenn er älter wäre, könnte ich nach ein paar Monaten Beziehung ja noch gar nicht wissen, wie unsere Zukunft aussieht), und andererseits glaube, dass sie nur zum Teil der Realität entsprechen. Denn immer, wenn mein Freund meine Unsicherheiten spürt, betont er, dass er mich liebt, so wie ich bin, mit mir zusammensein will und, wenn ich Ende des Jahres für die Arbeit weiter wegziehe, mit mir zusammenbleiben möchte.

Aber die Zweifel verselbstständigen sich leider. Ich denke, vielleicht liegt das daran, dass ich mit häuslicher Gewalt und einem depressiven Elternteil aufgewachsen bin und früher selbst einmal depressiv war. Ich wäre dankbar für eure Tipps und Anregungen, weil mir diese Beziehung wirklich sehr viel bedeutet, aber mich diese Gedanken sehr belasten.

Könntet ihr bitte den 2. und 3. Absatz (über die beiden Beziehungen) beim Antworten nicht veröffentlichen? Das ist für mich etwas sehr Privates und ich würde mich anderenfalls nicht so wohl damit fühlen. Danke euch schon mal für eure Hilfe.

Unsere Antwort

Wir haben die Frage auf deinen Wunsch hin gekürzt.

Du beobachtest bereits treffend, was bei dir passiert. Deine Angst sabotiert deinen Wunsch nach einer schönen langfristigen Beziehung.

Und du schreibst noch etwas sehr wichtiges: "Aber die Zweifel verselbstständigen sich leider. Ich denke, vielleicht liegt das daran, dass ich mit häuslicher Gewalt und einem depressiven Elternteil aufgewachsen bin." Dieser Zusammenhang ist sehr gut möglich.

Ich kann deine ambivalenten Gefühle gut nachvollziehen. Einerseits möchtest du diese Beziehung und andererseits hast du Angst, das sie scheitert. Nehmen wir an, du begibst dich vertrauensvoll in eine Beziehung. Und dann wirst du enttäuscht oder verletzt. Das überlebst du als die erwachsene Person, die du heute bist. Es tut weh, aber es ist verkraftbar. Aber als Kind war das eine existentielle Bedrohung und ich vermute, dass du dafür damals nicht angemessen Trost bekommen hast.

Bei Menschen, die mit häuslicher Gewalt oder Bezugspersonen mit psychischen Störungen aufgewachsen sind, ist es oft schwieriger ein Grundvertrauen in Beziehungen zu entwickeln. Und dann kann es zu solchen sich verselbständigenden Gefühlen kommen, wie du sie beschreibst. Es ist nicht selten, dass Sorgen auftreten, die nicht der Realität entsprechen. Da mischt sich altes Gefühlserleben mit dem Hier und Jetzt.

Ich kenne deine genaue Geschichte nicht, deshalb kann ich dir vorerst nur rückmelden, dass es verständlich ist, was du in Beziehungen erlebst. Und dein Beziehungserleben kann leichter werden, wenn du zwischen damals und heute unterscheidest. Das erlaubt dir, freier zu handeln im Hier und Jetzt. Schau dazu bitte auch in unseren Text Probleme mit mir und anderen nach Gewalterfahrungen und Wie hängen meine Probleme mit der Kindheit zusammen?

Du bringst offensichtlich bereits einige Ressourcen mit, um einen guten Umgang in Beziehungen zu pflegen trotz der Erlebnisse von damals. Du kannst steuern, was du wann ansprichst. Manche Sorgen machst du mit deinem Beziehungspartner aus und anderes hältst du zum Wohle des Miteinanders erstmal zurück. Manches kannst du kontrollieren und andere Dinge musst du mit der Zeit beobachten.

Schau mal, welche Unterstützung du dir wünschst. Möchtest du weiterhin mit uns schreiben? Möchtest du dich an eine psychotherapeutische Fachperson wenden für persönliche Begleitung? Beides ist möglich. Wir sind da, wenn du dir unsere Hilfe wünschst.

Schau dir mehr Antworten und Infotexte an zum Thema