Liebe Leute von Lilli,
Ich bin männlich, 58. Mich beschäftigt seit einiger Zeit, dass ich beim Sex mit meiner Partnerin kaum mehr zum Orgasmus komme, mir das aber schon ab zu wünsche. Meine Partnerin hat für sich selbst kein Problem damit, nimmt mich auch damit an, und ist bereit, mich auf dem Weg, den ich gehen will zu unterstützen. Wir haben aber auch eine gemeinsame Vergangenheit, die nicht immer einfach war und wo noch ein paar Dinge verheilen müssen.
Ich bin früher beim Solosex manchmal ziemlich hart zur Sache, sowohl mit dem, was ich mir angeschaut habe, und wie ich mich angefasst habe, und mir ist klar, dass es das schwierig macht, dann mit der Partnerin den Weg zu finden. Ich möchte also wieder sensibler werden, mehr in den Körper und auch beim Solo näher an die Situation mit ihr kommen. Ich hab also mit sämtlichen externen erotischen Reizen (pornographisches Bild und Filmmaterial, Geschichten vom Internet) aufgehört und auch das Kopfkino mal sein lassen. Das hat den Effekt, dass nun auch für mich allein kaum mehr etwas geht, und ich bin mir nicht sicher, ob das gut ist. Ich bräuchte glaube ich etwas zum starten, um dann fein und möglichst ohne fremde Zutaten in‘s Erkunden meiner Erregungen gehen,, und frag mich, was da die gute Mischung ist.
Was ist gesunde Anregung, und wo droht eine Entkoppelung von meiner Realität, meiner Partnerin und Abstumpfung? Und was wären in euren Augen die Kriterien, an denen ich mich da orientieren kann? Oder soll ich in der totalen Abstinenz bleiben, und kommt meine Lust irgendwann von allein wieder?
Unsere Antwort
Du beschreibst sehr gut den Mechanismus, wie du dort hingelangt bist, wo du jetzt bist. Aber ich denke, dass deine Lösungsansätze nicht so vielversprechend sind.
Pornos anschauen an und für sich ist nicht das Problem. Das Problem tritt erst dann auf, wenn man sich "nur noch im Kopf" befindet und der Körper "irgendwie aussen vorbleibt/nicht richtig mit einbezogen wird". Ich will es mal folgendermassen erklären: Du schaust Pornos, deine Aufmerksamkeit liegt voll auf dem Film, du steigerst deine Erregung hauptsächlich über das, was du siehst. Die Aktion ist also hauptsächlich im Kopfbereich. Du berührst deinen Penis, aber weil deine Aufmerksamkeit nur auf dem Film ist, spürst du weniger in deinem Penis. Damit du die Erektion halten kannst, gibst du mehr Druck und/ oder stärkere Reibung auf deinen Penis. Vermutlich fängst du irgendwann auch an deine Muskeln anzuspannen im Gesäss und in den Oberschenkeln, das steigert nämlich kurzfristig die Erregung. Aber auf die Dauer nimmt in dem Bereich die Durchblutung ab und die Sensibilität in dem Bereich nimmt dadurch auch ab. Das ist auch bei anderen Muskeln so, wenn sie unter Daueranspannung sind. Das heisst, du spürst noch weniger und musst dadurch den Druck noch stärker erhöhen und/oder krassere Filme schauen. Du hast deinem Körper somit beigebracht abzustumpfen.
Du kannst wieder mehr Sensibilität erlernen. Das wird aber nicht funktionieren, wenn du direkt ganz streichst, was dich bis jetzt erregt hat. Ich würde dir empfehlen, dass du lernst, wieder mehr Aufmerksamkeit auf das körperliche Empfinden zu legen. Ein mögliches Vorgehen wäre folgendes: du schaust einen Film, machst aber dabei nicht das was du gewohnt warst zu tun, sondern nutzt die Bewegung deines Beckens und Körpers und setzt auch den Beckenboden gezielt ein. Dabei wäre es hilfreich, wenn du mit der Aufmerksamkeit hin und her wechselst, also zuerst die Aufmerksamkeit kurz auf den Film richten und dann ganz bewusst die Aufmerksamkeit auf die Empfindungen im Körper legen. Dann wieder zurück zum Film usw.
Der Sinn dahinter ist der, dass der Film dir Input gibt für deine Erregung, denn möglicherweise wirst du mit den neuen Bewegungen und Berührungen am Anfang nicht viel spüren. Es dauert vermutlich eine Zeit, bis das Gehirn auch diese zarten Reize als erregend abspeichern kann. Empfehlenswert ist es mehrmals die Woche "zu üben". Wenn du das konsequent machst, dauert es normalerweise ein paar Wochen, bis du mit deinen Bewegungen und Berührungen die Erregung gut steigern kannst. Dann kannst du anfangen, weniger extreme Sachen zu schauen und weniger extreme Fantasien zu benutzen. Hilfreich wäre auch die Wahrnehmung deines Penis zu steigern. Und dann wird es auch wahrscheinlich auch möglich sein wieder guten Sex mit deiner Partnerin zu haben.
Falls du alleine nicht weiterkommen solltest, kannst du dir auch überlegen eine*n Sexualtherapeut*in zu suchen.
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