Hallo Lilli.ch
Ich frage für einen Freund.
Er macht sich Gedanken ob sein Fetisch mit Frauenschuhen normal ist oder ob er sich psychologische Hilfe holen sollte.
Er steht darauf Schuhsolen abzulecken die dabei von Frauen getragen werden.
Unsere Antwort
Ein Fetisch ist grundsätzlich normal. Es ist einfach eine sehr gut gelernte sexuelle Vorliebe. Dein Freund braucht deshalb keine psychologische Hilfe. Wenn er Partnerinnen findet, die auch darauf stehen, und mit denen er seinen Fetisch gut ausleben kann, gibt es keinen Grund, irgendetwas an seiner sexuellen Vorliebe zu ändern.
Wichtig für ihn ist auch, dass er versteht, warum er diesen Fetisch hat. Unsere sexuellen Fantasien und Vorlieben können von Kindheit an entstehen. Gerade Vorlieben, die etwas unüblich sind, und bei deren Inhalten es nicht direkt um Sex geht, entstehen oft dadurch, dass wir etwas erlebt oder gesehen haben, dass uns emotional sehr stark erregt hat. D.h. es war verbunden mit einem starken emotionalen Erleben, sozusagen mit einer starken emotionalen Ladung.
Häufig dieses starke emotionale Erleben mit einer erhöhten Körperspannung einher. Möglicherweise wird dadurch direkt sexuelle Erregung ausgelöst. Wie sexuelle Erregung funktioniert, erfährst du in diesem Text. Vielleicht wird auch keine sexuelle Erregung ausgelöst. Das entscheidende ist, dass wir später, beim Solosex – und das kann Jahre später sein – vielleicht wieder in eine hohe Körperspannung gehen, um uns sexuell zu erregen, oder körperlich etwas ähnliches dabei erleben – und plötzlich schafft unser Gehirn diese Verbindung, es hat diese Erinnerung an das damals Erlebte, und das Bild von damals kommt wieder hoch. Spätestens jetzt fangen wir an, es mit sexueller Erregung zu verbinden.
Der Rest ist Übung. Denn wir wiederholen das immer wieder, dass wir uns sexuell erregen und gleichzeitig an dieses Bild oder dieses Ereignis denken. Vielleicht wird es eine Vorliebe in unserer Fantasie, vielleicht wird es etwas, was wir gerne in Realität umsetzen.
Ein Fetisch kann so ziemlich alles betreffen. Es kann auch sein, dass ich irgendeine Pflanze speziell attraktiv finde oder irgendeine bestimmtes Körpermerkmal, oder irgendein Ereignis. Das muss wie gesagt nichts mit Sex zu tun haben, aber unser Gehirn kann so ziemlich alles lernen mit sexueller Erregung zu verbinden.
Warum das bei deinem Freund gerade Schuhe sind? Nun, vielleicht erinnert er sich daran, wann ihm das das erste Mal passiert ist, dass er das erregend fand, oder vielleicht erinnert er sich auch an spezifische Ereignisse mit Schuhen. Vielleicht aber auch nicht. Manchmal erinnern wir uns nicht an irgendetwas, aber unser Körper erinnert sich.
Ich empfehle deinem Freund, dass er seinen Fetisch als eine Fähigkeit sieht. Er kann sich überlegen, ob er sich ganz auf diese Fähigkeit einschliessen möchte, oder ob er das Spektrum dessen erweitern möchte, was ihn sexuell anzieht und erregt.
Vielleicht ist der Fetisch eine von vielen Erregungsquellen für ihm. Dann würde ich ihm empfehlen, dass er für Abwechslung sorgt und beim Solosex seine Aufmerksamkeit auch auf andere Dinge lenkt, die ihn sexuell erregen. Dazu würde ihn wahrscheinlich dieser Text zum sexuellen Lernen und dieser Text zum Üben interessieren.
Vielleicht merkt dein Freund schon jetzt, dass es Schuhe und das damit verbundene Szenario sein müssen. Sonst klappt die sexuelle Erregung nicht. Vielleicht stört ihn das. Vielleicht findet er auch keine geeignete Partnerin, oder er ist mit einer Partnerin zusammen, die den Fetisch nicht mit ihm ausleben möchte. Da wäre es durchaus eine Idee, dass er eine Sexualtherapie nach Sexocorporel macht. Bei dieser Therapiemethode ist der Fokus auf das körperliche Üben und Lernen, und da kann die Begleitung durch eine Fachperson sehr hilfreich und motivierend sein.
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