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Frage Nr. 40711 von 20.01.2026

Ich beziehe mich auf die Frage Nr. 40674 von 13.01.2026:
Ich bedanke mich zunächst für eure Antwort!
Ich bin eurem Rat gefolgt und habe mich krank schreiben lassen. Ich habe jedoch noch das Problem, dass ich merke, dass ich in diesem "shutdown" wie feststecke. Es kommen alle zwei Sekunden die Gedanken "ich kann mich nicht konzentrieren, aber sollte", " was wenn ich nicht wieder lern-aufnahmefähig werde bis anfangs Semester?" etc. . Diese Gedanken und das Gefühl nicht in der normalen alltäglichen Verfassung zu sein und die Konzentration nicht zu haben, die ich brauche um zu studieren belastet mich. Ich versuche mich zu regulieren durch Spaziergänge und Schlaf. Dennoch habe ich das Gefühl festzustecken. Was meinst du kann ich noch machen?

Unsere Antwort

Erst mal: Super, dass du dich krankschreiben hast lassen. Ich kann mir vorstellen, dass dein System einfach ziemlich ausgebrannt ist. Das heisst: Es geht dir jetzt nicht sofort besser, sondern du brauchst diese Erholungsphase wirklich. 

Deine Grübelgedanken sind ein Zeichen dass dein Sympathikus immer noch voll aktiv ist und dich in Gefahr wähnt. Wahrscheinlich springt dein Nervensystem zwischen Sympathikus und dorsalem Vagus hin und her. Das ist typisch für so eine Stressphase, wie du sie hattest. Dein Nervensystem braucht einfach wirklich Zeit, sich besser einzupendeln. 

Spaziergänge und Schlaf sind eine sehr gute Sache. Dann ist grundsätzlich alles gut, wo dein Rumpf in eine lockere Bewegung kommt. Zum Beispiel Tanzen. Oder T'ai Chi. Oder Yoga. Machst du da irgend etwas? Lies doch auch mal unsere Tipps, wie du deine Emotionen über den Körper beeinflussen kannst.

Es gibt zudem zahlreiche Apps, die helfen sollen, den Vagusnerv zu stimulieren (man spricht da immer von Vagus, ohne zu unterscheiden, welcher Teil des Vagusnerv das jetzt ist, das Ziel ist immer, einen Zustand zu kreieren, den du hast, wenn der ventrale Vagus mehr aktiv ist). Dann gibt es, z.B. auf Spotify, Playlists mit Frequenzen, die den Vagusnerv stimulieren sollen. Grundsätzlich ist es sowieso spannend, dort mal im Suchfenster "Frequency" einzugeben und zu schauen, welche Playlist dir zusagt.

Schliesslich fände ich ein Achtsamkeitstraining sehr sinnvoll. Hier geht es darum, dass du lernst, besser klarzukommen mit dem, was ist. Was du gerade erlebst, denkst, fühlst. Achtsamkeit hilft dir, gelassen mit deinen besorgten Grübelgedanken umzugehen. So nach der Devise: "Ach kuck, jetzt kommst wieder ein Grübelgedanke. Okay. Er wird auch wieder vorbeigehen." Die Idee ist, dass du dich nicht dagegen sträubst oder dir darüber Sorgen machst, denn dadurch kommt dein System noch mehr in Stress und in einen Alarmzustand. Wenn du lernst, dem, was dir durch den Kopf geht, gelassener zu begegnen, beruhigt sich dein System.

Achtsamkeit hilft dir auch, dich mehr auf Dinge zu fokussieren, die jetzt gerade im Augenblick sind statt dir ständig über die Zukunft Sorgen zu machen. Die Idee dahinter ist: Dieser Augenblick ist die Wirklichkeit, die gerade passiert. Meine Gedanken über die Zukunft bringen mich weg von der Wirklichkeit. Und hilft Achtsamkeit auch dabei, zu akzeptieren, dass es dir halt so geht, wie es dir halt so geht, und dass du das machst, was du machen kannst und dass das okay so ist. 

Jon Kabat-Zinn hat ein sehr erfolgreiches Achtsamkeitsprogramm entwickelt, das heisst MBSR (Mindfulness-based stress reduction – zu deutsch Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion). Wenn du die Begriffe Achtsamkeitsmeditation oder MBSR googlest, kriegst die viele Infos und Links zu Anleitungen. Du findest auch Apps dazu. Es lohnt sich, das auszuprobieren! 

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