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Frage Nr. 40860 von 19.02.2026

Hallo,
stimmt es dass bei Vulvodynie mit Klitoris Schmerz, der aber nicht immer da ist und stark vom Stress also vom Nervensytem abhängt, der Reiz sich über Tage summieren kann im Nervensystem?
Manchmal tut nach einer Reizung nix weh, und Stunden danach oder am nächsten Tag kommt es dann nach. Das ist ja noch verständlich, aber kann sich das auch über mehrere Tage summieren der Reiz, und dann nach zehn Tagen der kumulierte Reiz zum Schmerz führen, wenn man z.B. in den zehn Tagen jeden Tag gestreichelt hat, es tat dabei nicht weh, und nach einer Weile hat es sich so aufsummiert, dass es plötzlich losgeht?
Danke!

Unsere Antwort

Ja, das ist neurophysiologisch durchaus erklärbar, dass sich ein Reiz über Tage summieren kann, bis er – oft kombiniert mit Stress oder innerer Anspannung – eine Schwelle überschreitet und es zum Schmerz kommt. Das kann auch mit einer Latenzzeit von Tagen geschehen. Es wirkt dann, wie wenn der Schmerz aus dem nichts kommt, aber es gibt eine «Vorgeschichte».
Bei einer Vulvodynie, vor allem mit klitoraler Beteiligung, ist das Nervensystem nicht geschädigt, sondern übererregbar. Die Nerven reagieren schneller (periphere Sensibilisierung) und das Gehirn verstärkt die Signale (zentrale Sensibilisierung). Das Gehirn kann bei einer Vulvodynie eine Berührung als «Reiz» registrieren und erinnert sich unbewusst daran. Bei täglichem bzw. häufigem Streicheln registriert es «Reiz», «Reiz», «Reiz», und irgendwann wird die individuelle Schwelle überschritten und das Gehirn interpretiert die Berührung nun als «Schmerz». Damit das Gehirn weniger einen solchen kumulativen Reizzustand aufbaut, können genügend lange «Reizpausen» für das Nervensystem in gewissen Fällen sinnvoll sein.

Wenn sexuelle Erregung und Sicherheitsgefühl nicht gut gekoppelt sind, kann eine Stimulation ebenfalls leichter in Schmerz umkippen. Hier kommt das autonome Nervensystem ins Spiel. Wenn das sympathische Nervensystem aktiviert wird, kann sich das wie ein Alarmzustand anfühlen. Viele Frauen haben gelernt, die sexuelle Erregung durch Anspannen von gewissen Muskeln zu verstärken. Ein angespannter Körper erinnert aber das autonome Nervensystem an einen Alarmzustand. Bei der Vulvodynie wird bei Berührungen und Stimulierungen ebenfalls oft das sympathische Nervensystem aktiviert. Deshalb ist das Arbeiten mit dem Parasympathischen Nervensystem hilfreich, also mit dem Gegenspieler, mit dem Beruhigungssystem. Der Nervus vagus ist der wichtigste Nerv des parasympathischen Nervensystems. Es gibt sogenannte Vagus-Übungen, die das Beruhigungssystem unterstützen können, insbesondere, wenn sie täglich gemacht werden. Dies könnte auch helfen, dass  weniger die Gefahr besteht, dass es zur Kumulation von «Reizen» kommt, die dann in den Schmerz umkippen, beziehungsweise, die Übungen können helfen, dass nach einem «Reiz» das Nervensystem vom aktivierten Übererregungs-Zustand wieder zurück auf den entspannten Zustand  zurückfindet. Schau dir unsere Atem-Übung zur Beruhigung des autonomen Nervensystems an. Auf Youtube findest du ebenfalls viele Videos mit Vagus-Nerv-Übungen.

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