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Frage Nr. 41141 von 01.05.2026

Hallo Lilli-Team
Meine Frage betrifft Freundschaften/ Beziehungen im Erwachsenenalter. Ich habe eine schwierige Vergangenheit (sexualisierte Gewalt in der Kindheit), was dazu beigetragen hat, dass ich wenige Freund:innen habe. Ich habe Mühe, auf andere zuzugehen, offen zu sein, andere nah ran zu lassen. Aber ich habe auch immer das Gefühl, hässlicher, weniger Wert und teilweise sogar abstossend/ ekelhaft zu sein. Das macht es sehr schwer, Kontakte aufzubauen. Wenn jemand nett zu mir ist, befürchte ich, dass das aus Mitleid geschieht.
Ich habe auch grosse Angst, irgendetwas tiefgründigeres zu teilen, oder darüber zu sprechen wie es mir geht, weil ich nicht so jemand sein möchte, der all seine Probleme ablädt und alle vollquatscht über intime Dinge. Ich möchte nicht belasten oder überfordern. Aber gleichzeitig habe ich den Eindruck, mich da so zurückzunehmen verhindert auch tiefere Beziehung, oder?
Ich denke auch über Liebe/ romantische Beziehungen nach. Ich war nie in einer und war nie verliebt. Ich habe teilweise Angst, gar nicht dazu in der Lage zu sein, dass ich das nie erleben werde. Das macht traurig, aber gleichzeitig wüsste ich auch nicht, wie ich da weiterkomme. Ich versuche Kontakte aufzubauen, Menschen kennenzulernen, Dinge zu unternehmen, wo ich andere treffen kann. Gleichzeitig ist auch nur begrenzt Energie da neben der Arbeit und wenn es mir schlechter geht, wird das alles fast unmöglich durch Schamgefühle und Ekel vor mir.

Unsere Antwort

Deine Erfahrungen in der Kindheit haben in dir Überzeugungen wachsen lassen. Dazu gehört, dass du besser niemandem zur Last fällst und auch niemanden vollquatscht. Mit Belastung kennst du dich also aus und auch mit Überforderung. Also hältst du dich fern. Du merkst jetzt aber, dass Beziehungen nicht so tief werden können, wenn du Abstand hältst.

Eigentlich ist es ja gut, dass du deine Angst bemerkt hast. Sie zeigt dir, dass dir nähere und tiefere Beziehungen fehlen. Die Angst zeigt dir allerdings auch, dass du im Führen einer Beziehung nicht geübt bist. Es gibt also etwas zu lernen. Auch dein Selbstwertgefühl kann noch dazu lernen. Es ist leider so, dass fiese Bemerkungen und Abwertungen immer schädlich sind. Wenn du sie schon in der Kindheit verarbeiten musst, hast du wahrscheinlich die Überzeugung entwickelt, dass du nicht wertvoll bist. Das stimmt nicht! Du hast nicht gelernt, dich wertvoll zu fühlen.

Es gibt keinen Schalter, der ohne dein Zutun einen anderen Menschen aus dir macht. Du kannst aber dein ganzes Leben lang Neues lernen. Der Schalter für das Lernen ist die Einsicht (die du schon hast). Der Schalter für Veränderung ist die Akzeptanz deiner eigenen Gefühle. Sie sind nicht falsch. Sie sind durch falsche Behandlung entstanden. Das solltest du nie vergessen. Du kannst einen neuen Umgang mit dir lernen und dich fragen: ‚Wie kannst du dich selbst wertschätzen?‘ ‚Wie kannst du deine Gefühle lesen und schätzen lernen?‘ ‚Wie kannst du dir andere Menschen erträglich machen?‘

Bisher kostet dein beschämtes Selbstwertgefühl viel Energie. Vielleicht kannst du diese Energie für den Aufbau deiner Beziehungsfähigkeiten einsetzen. Du könntest dir dabei von einer/m Psychotherapeut*in helfen lassen. Du hättest dort die Chance persönliche Dinge zu erzählen und würdest sicher verstanden werden. Du könntest auch üben, dich selbst zu akzeptieren.

Wissen solltest du, dass für die meisten Menschen nahe Beziehungen und Freundschaften schwierig sind. Die meisten Leute haben sich schon von besten Freund*innen und Liebespartner*innen getrennt. Beziehungen muss man wählen und führen. Schau dazu mal unser Kapitel «Beziehungen eingehen» an.

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