Ich bin gestern auf der Strasse umgefallen. Ich habe mir dadurch den Fuss verknickt. Ich kann es mir nicht genau erklären, was genau passiert ist. Anschliessend war ich am Boden und es überkam mich eine Welle von Schmerz. Ich hatte das Gefühl ich muss irgendwie aufstehen und sofort wieder belasten, da mir dies meine Mutter so gesagt hat. Es hat sehr geschmerzt, aber ich dachte ich muss irgendwie aufstehen, Anschliessend bind ich aufgestanden und hatte das Gefühl ich bekomme Panik, ich kann nicht mehr atmen und sprechen. Es war sehr beängstigend.
Die Menschen um mich herum haben dies mitbekommen und meinte ob alles okey ist, da ich bleich aussehe. Ich hatte das Gefühl noch eine halbe Stunde zu zittern und konnte nicht richtig zuhören oder sprechen. Ich habe gar nicht realisiert was passiert ist. Dann habe ich nur daran gedacht, dass wenn ich nachhause komme Vorwürfe hören von meinen Eltern. Ich begann mich abzuwerten etc.
Mir ist das gleiche als Kind einmal passiert und anschliessend habe ich meinem Vater angerufen. Es war an diesem Tag erster April und er meinte es sei ein Aprilscherz. Danach habe ich als ich gesagt habe es schmerze von ihm gehört er tue sein möglichstes. Als wir dann beim Arzt waren und mir dieser nur ein Verband gab und ich mich nicht ernst genommen fühlte und ihm sagte ich müsste bald wieder laufen und zur Schule gehen und dies sei nur mit einem Verband nicht möglich machte sich meine Mutter zuhause darüber lustig und meinte es sei unpassend gewesen, dass ich gesagt habe ich müsse meine Tasche tragen. Dann war sie am seufzen und meint sie müsse mich jetzt jeden Tag fahren. Diese Erinnerung taucht jetzt immer wieder auf und ich weiss nicht so recht was ich tun soll.
Unsere Antwort
Du bist verletzt, sowohl körperlich als auch seelisch. Für beides kannst du etwas machen. Dein Unfall ist nun ein paar Tage her. Wie geht es dir in der Zwischenzeit?
Grundsätzlich ist ein Schockzustand, wie du ihn beschreibst, bei einem Unfall normal und häufig. Also das Zittern und blass werden ist grundsätzlich normal. Bei dir scheint es über den konkreten aktuellen Unfall gleichzeitig verbunden zu sein mit einer alten traumatischen Reaktion. Das macht das Erleben umso unangenehmer und das Gefühl der Bedrohung und die aufgewühlten Gefühle grösser. Ich habe grosses Verständnis, dass dich das mitnimmt und du dir Unterstützung bei der Verarbeitung wünschst. Toll, dass du dich an uns gewendet hast.
Ich finde die Ratschläge deiner Mutter ausgesprochen fragwürdig. Deine Mutter geht nicht auf dich und auf deine Verletzung ein. Jetzt ist es wichtig, dass du dich wirklich gut um deine Verletzung kümmerst. Einen verknickten Knöchel sollte man nicht sofort belasten. Bist du wegen dem Knöchel zum Arzt/Ärztin gegangen? Wenn er weiterhin weh tut, mach das bitte. Bitte höre darauf, was dir die Ärzt*innen und das medizinische Personal sagen. Sie haben dein Wohlergehen und deine Gesundheit im Blick und begleiten dich, damit du schnell wieder gesund wirst. Häufig gehört Schonen zur Heilung.
Wie alt bist du? Du lebst offenbar noch bei deinen Eltern. Du hast trotzdem ein Recht selbst für deine Gesundheit zu sorgen, selbst wenn du noch nicht 18 Jahre alt bist. Schau dazu bitte in unseren Text Müssen meine Eltern vom Arztbesuch erfahren? Falls du über 18 Jahre alt bist, bist du sowieso mündig und kannst selbständig zum Arzt.
Soweit zur körperlichen Seite deines Unfalls. Nun zur seelischen: Was du erlebt hast, klingt für mich sehr nach Flashbacks. Das heißt durch den Schock und die ähnliche Unfallsituation ploppen bei dir Gefühle und Erinnerungen von damals auf, die dich in diesen Zustand zurückversetzen. Damals warst du jünger und hilfloser als heute. Heute stehen dir ganz andere Möglichkeiten zur Verfügung. Bitte lies dazu unseren Text über Flashbacks.
Ich finde es wichtig, dass du Unterstützung bekommst, dich von deiner Mutter zu emanzipieren. Denn deine Mutter schadet dir. Ihre Reaktion auf deinen Unfall damals war vollkommen unangemessen. Und dein Vater bietet dir da auch nicht genug Schutz und Verständnis. Ich kann mir vorstellen, dass du dich sehr allein fühlst. Möglicherweise ist das, was dir in Erinnerung kam nach dem Unfall, nur ein Beispiel von vielen schädlichen Dingen, die du als Kind in deiner Familie erlebt hast. Das kann Folgen bis ins Erwachsenenalter haben. Mehr dazu schreiben wir in unserem Text Womit tun mir meine Eltern nicht gut? Falls es dir weiterhin ziemlich schlecht geht, lies den verlinkten Text erst in ein paar Tagen. Ich möchte dir nicht zu viel auf einmal zumuten.
Wenn du in deiner Familie subtile Gewalt erlebt hast, kann regelmäßige Unterstützung sehr gut tun. Uns hast du dich bereits anvertraut, deshalb bist du mit deinen Fragen weiterhin willkommen und wir unterstützen dich gerne weiterhin. Bei uns ist eine schriftliche Unterstützung sehr gut möglich und vielleicht ist es genau das, was du dir gerade wünschst. Denn es erlaubt etwas mehr Abstand und Anonymität. Wenn du dir hingegen vorstellen kannst, dich von Berater*innen vor Ort unterstützen zu lassen, würde ich dir sehr empfehlen, dich an eine Jugendberatungsstelle zu wenden. Du kannst ihnen dein Anliegen so schildern, wie du es uns beschrieben hast.
Mich interessiert: Wie haben deine Eltern reagiert, als du nach Hause kamst? Und wie geht es dir sonst im Leben? Wenn du uns wieder schreiben möchtest, erzähle doch bitte ein bisschen was zu deiner aktuellen Lebenssituation. Dann kann ich mir ein besseres Bild davon machen, wie es dir gerade geht und wie wir dir weiterhelfen können. Gib bitte die Nummer dieser Frage an, wenn du uns nochmal schreibst.
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